Frau Krebs, was hat Sie von Frankfurt nach Markdorf verschlagen?

Die Liebe. Ich habe meinen Mann kennengelernt in Frankfurt am Olympiastützpunkt. Er war auch Profisportler, 400-Meter-Läufer, und sogar Olympionike. Irgendwann hat er aufgehört mit dem Leistungssport und hat sein Studium forciert und den Abschluss gemacht in Maschinenbau. Und so sind wir 2013 an den Bodensee gekommen.

Wie lange waren Sie Profitriathletin?

Von 2006 bis 2013. Aber ich hab davor schon Triathlon gemacht. Bereits mit 15 hab ich mit dem Laufen begonnen. Aber erst durchs Studium bin ich zum Triathlon gekommen und hab relativ schnell schon ein bisschen Geld in der Bundesliga verdient. Irgendwann hab ich gesagt, das ist mir zu wenig. Dadurch, dass ich in Frankfurt quasi an der Strecke gewohnt habe, wollte ich einfach auch mal beim Ironman starten.

Damals noch als Hobby-Triathletin?

Ja, ich war zwar schon ziemlich gut, aber noch nicht ganz weit vorne. Ohne großartig gezieltes Training, zwar mit Trainer, aber für meine Begriffe immer noch relativ chaotisch, bin ich gleich Gesamtfünfte der Frauen geworden.

Haben Sie damit je gerechnet?

Nein, ich bin über die Ziellinie und hab die Zeit gesehen und einfach den Kopf geschüttelt: „Das kann ja nicht wahr sein!“ Ich hatte mit einer Zeit so um die zehn Stunden spekuliert, weil man ja weiß, was man trainiert hat. Und war dann tatsächlich noch zehn Minuten schneller.

Gesamtfünfte war dann schon eine Hausnummer. Wie ging‘s weiter?

Da kam dann mein erster Sponsor, die Frankfurter Sparkasse, auf mich zu. Die haben mich angesprochen, weil Frankfurterin, Kundin der Sparkasse seit Kindheit. Die wollten mich dann als Werbeikone. Und da hing ich dann das nächste Jahr in ganz Frankfurt auf riesigen Plakatwänden.

Mit kaputtem Knie startete Meike Krebs noch einmal beim Ironman in Barcelona. Es war ihre letzte Challenge als Profisportlerin, aus der sie als Viertplatzierte hervorging.
Mit kaputtem Knie startete Meike Krebs noch einmal beim Ironman in Barcelona. Es war ihre letzte Challenge als Profisportlerin, aus der sie als Viertplatzierte hervorging. | Bild: Sebastian Gatzka

Konnten Sie ab da vom Sport leben?

Nein, das war erst mal wie ein 450-Euro-Job. Aber es hat mir gereicht als Studentin. Ich war einfach dankbar und hatte ein Sprungbrett. Es war auch überhaupt nicht meine Intention, dass ich Profi werden will. Das hat sich erst mit der Zeit so entwickelt. Da war dann auch klar, dass ich im nächsten Jahr wieder in Frankfurt starte. Und dann war ich 2007 wieder Fünfte. Und wieder qualifiziert für den Ironman in Hawaii. Aber erst 2008 hab ich den Startplatz dann angenommen.

Was waren Ihre ersten Eindrücke, als sie auf die Insel kamen?

Ich war erst mal krank. Heute ärgere ich mich ein klein bisschen, dass ich nicht das Jahr zuvor schon gegangen bin. Nicht als Profitriathletin, sondern als Altersklasse-Siegerin. Da wäre ich das erste und einzige Mal völlig unbefangen reingegangen. Ohne Erwartungen hätte ich da dieses Flair und den Spirit von Hawaii und den Strecken und allem, was außen rum geschieht – die Reise, die Insel – einfach nur mitnehmen können. Das hast du dann als Profi nicht mehr.

Wenn Sie krank waren, sind Sie dann überhaupt gestartet?

Ja, ich hatte damals zuvor gut trainiert. Aber ich hatte ja gar keine Ahnung von nix. Man muss erst mal zwei Wochen vorher anreisen wegen der Zeitumstellung. Dann hast du die Hitze dort. Und die Strecken sind eigentlich ziemlich langweilig. Da geht‘s halt ewig auf‘m Highway geradeaus. Und der Asphalt strahlt viel Hitze aus. Da sind auch viel weniger Zuschauer. Du musst da extrem hart im Kopf sein.

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Was ist das Schwierigste?

Wind. Das ist das Schwierigste für die Radfahrer. Man hat sogenannte Seitenwinde. Da haut‘s dich teilweise vom Rad. Und da war ich nicht so recht drauf vorbereitet. Dann komm ich da an und bin erst mal krank. Und erst zwei Tage vor dem Start habe ich dann gesagt: Ich starte! Denn ich konnte davor so gut wie gar nicht trainieren. Aber das Einzige, was mir ja passieren konnte, war, dass ich aufgeben muss.

Schlechte Ausgangsbedingungen also. Wie lief‘s dann?

Schwimmen war eigentlich ganz gut. Auf‘m Rad hab ich dann aber Probleme bekommen. Irgendwann haben meine Fußsohlen angefangen zu brennen. Ich bin so jemand, der versucht, alles in Meilensteine aufzuteilen und immer wieder zurück zu mir zu kommen. Mit positiven Glaubenssätzen, wie man das im Training auch schon absolviert hat. Aber mit diesen Schmerzen an den Füßen hatte ich echt Probleme. Ich hatte dann gemerkt, dass meine Schuhe eine schwarze Sohle hatten und die Hitze des Asphalts aufgenommen hatten. Das weiß ich heute. Aber beim ersten Mal wusste ich das nicht. Ich ging nach dem Radfahren in die Wechselzone und war eigentlich schon weichgekocht und mental fix und fertig. Man läuft dann um Ufer entlang und an den Hotels vorbei. Da stand meine Schwester und ich hab nur geheult und gedacht, ich will jetzt hier aufhören! Und meine Schwester hat gerufen: „Du machst jetzt hier weiter. Wir sind nicht um die Welt gereist, dass du aufhörst! Lauf einfach irgendwie.“ Und das hat mich wach gerüttelt. Und ich bin weitergelaufen und habe meinen Fokus wieder gefunden und konnte endlich diese negative Spirale unterbrechen.

Dank Ihres Erfolges kam mit Erdinger dann ein weiterer Sponsor hinzu. Steigt damit auch der Druck und zweifelt man nicht hin und wieder an sich?

Zweifel hatte ich eigentlich nie. Natürlich hatte ich auch Jahre, die nicht so gut waren. Die Sponsoren haben uns aber nie hängen lassen. Das ist ganz normal, dass ein Profisportler nicht immer gleich funktioniert. Denn der Körper ist keine Maschine. Irgendwann ging‘s dann wieder aufwärts und dann lief‘s wieder supergut.

2009 gewann Meike Krebs den Stadttriathlon in Erding über die Olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen).
2009 gewann Meike Krebs den Stadttriathlon in Erding über die Olympische Distanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren, 10 Kilometer Laufen). | Bild: privat

Bis zu einem Unfall. Was ist passiert?

Ich wollte ins Trainingslager fahren und bin beim Autobeladen gestolpert und aufs Knie gefallen. Also ganz blöd. Klassischer Haushaltsunfall. Über ein Jahr lang konnte man nicht erkennen, was eigentlich mit dem Knie los ist.

Wie ging‘s Ihnen da mental?

Da ging‘s mir psychisch wirklich schlecht. Es lief überhaupt nichts mehr, ich konnte auch nicht mehr richtig trainieren. Trotzdem habe ich weitergemacht und bin sogar noch bei einem Ironman gestartet, hab sogar Bestzeit gemacht. Platz 4 in Barcelona. Aber das war nur unter Schmerzen möglich. Kurz danach kam dann nach einer OP die Diagnose: Knorpelriss vierten Grades.

War Ihnen da klar, das war‘s jetzt?

Erst dachte ich, vielleicht schaff ich‘s nochmals zurück. Aber nach langer Reha war ich psychisch tief am Boden. Ich hatte mich zwar körperlich wieder einigermaßen aufgemöbelt, aber das Knie ist bis heute nicht so belastbar. Und dann muss man einfach gucken, was auf der Haben-Seite ist. Und wenn ich da nix mehr hab, dann kann ich auch nix mehr abheben. Ich hab nur ein Bankkonto, und wenn das leer ist, geht‘s irgendwann ins Minus. Das konnte ich auch während meiner Karriere immer relativ gut einschätzen.

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Sie hatten dann Ihre Sponsorenverträge alle aufgelöst. Sind sie danach in ein Loch gefallen?

Ich bin ein Mensch, der immer weiter machen will. Ich find‘ immer etwas, was ich tun kann. Und in Stockach habe ich dann jemanden gefunden, der betriebliches Gesundheitsmanagement macht und bei dem ich einsteigen konnte. Heute mache ich das für die MTU.

Sehnen Sie sich manchmal nach der alten Zeit zurück?

Nein. Wenn ich was gefunden habe, wo ich mich festbeiße, gehe ich darin zu hundert Prozent auf. Ich habe zwei Kinder, meinen ersten Sohn habe ich erst mit 36 bekommen. Das ist einfach schön, wenn man die Zeit damit verbringen kann. Denn die kommt ja auch nicht wieder.

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