Familien sind im Alltag derzeit besonders gefordert. Die Dorfhelferinnen des Dorfhelferinnenwerk Sölden bieten in schwierigen Zeiten Unterstützung an, doch die Einsatzgründe sind klar definiert: Sie springen ein, wenn die Mama
krank ist oder aus anderen Gründen ausfällt und ein Kind unter
12 Jahren oder ein behindertes Familienmitglied im Haushalt lebt.

Die Einsätze sind seit Corona zurückgegangen

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Nachfragen weniger geworden, sagt Sonja Hummel, die für die Sozialstation Markdorf die Einsätze von sieben Dorfhelferinnen in Markdorf und Salem koordiniert. „Es ist still geworden, Mitarbeiterinnen haben zum Glück alle Arbeit, sie kommen aber nicht auf ihr eigentliches Arbeitspensum.“ Zu Anfang sei viel Unsicherheit bei den Familien gewesen, ob die Dorfhelferinnen überhaupt noch zu ihnen nach Hause kommen dürften, berichtet Hummel.

Sonja Hummel, Einsatzleitung
Sonja Hummel, Einsatzleitung | Bild: Privat

„Wir glauben auch, dass Familien in der Zeit nicht bewusst war und auch ist, dass wir systemrelevant sind und wir gerade in Krisenzeiten da sind.“ Dass die Einsätze weniger geworden sind, begründet Sonja Hummel wie folgt: „Viele geplante Operationen wurden abgesagt, Reha-Maßnahmen finden nicht statt oder wurden abgebrochen, Therapien in Tageskliniken sind nicht möglich und viele Eltern arbeiten im Home-Office.“

Stimmung bei den Familien ist gut

Bei den Familien versuchen die Dorfhelferinnen einen Einsatz ganzheitlich zu sehen und sich individuell auf die Gegebenheiten vor Ort einzulassen. „Die Stimmung in den Familien, die wir derzeit unterstützen, ist gut. Sie sind offen uns gegenüber und dankbar für den Einsatz“, sagt Sonja Hummel. Hauswirtschaftliche Aufgaben aber auch ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Spiel, lesen, zusammen Kochen und Backen, aber auch die Unterstützung beim Home-Schooling gehören zum Alltag der Dorfhelferinnen.

Was Sie über Dorfhelferinnen wissen sollten

Elisabeth Bulander arbeitet seit 40 Jahren als Dorfhelferin

Die 61-jährige Elisabeth Bulander ist routiniert und hat einen langjährigen Erfahrungsschatz, der ihr nun in der momentanen Situation zu Gute kommt und mit dem sie die nötige Ruhe und Unterstützung in die Familien bringt. „Es war und ist schon eine außergewöhnliche Zeit“, so Bulander. Momentan betreut sie unter der Woche eine Familie mit zwei Kindern und ein älteres Ehepaar, dazu kommt ein Wochenendeinsatz. „Die Einsätze sind deutlich zurückgegangen“, sagt die Dorfhelferin.

Hauswirtschaft und Betreuung der Kinder

Die Familie unterstützt sie in der Hauswirtschaft und der Betreuung der Kinder. „Wir haben viel gebacken, ein Hochbeet angepflanzt, gebastelt, gemalt und gespielt“, so Bulander. Aber natürlich hätten die Kinder die Freunde und den Kindergarten vermisst.

Große Freude herrschte dann, als die Spielplätze endlich wieder benutzt werden durften. „Die Familien meistern ihre Situation recht gut, es kommt immer darauf an, wie lange ein Einsatz bewilligt ist und auch was den Familien wichtig ist beziehungsweise wo der Schwerpunkt liegt“, so Einsatzleiterin Sonja Hummel.

Elisabeth Bulander backt sehr gerne mit den Kindern, hier bekommt sie Unterstützung von Mattis.
Elisabeth Bulander backt sehr gerne mit den Kindern, hier bekommt sie Unterstützung von Mattis. | Bild: Elisabeth Bulander

Was Hygieneregeln betrifft, kamen vom Dorfhelferinnenwerk Sölden verstärkt Bedingungen, so durften zu Beginn der Pandemie keine Doppeleinsätze zum Schutz für Familien und Dorfhelferinnen gemacht werden. Dies wurde mittlerweile wieder aufgehoben. Weitere alltägliche Umgangsregeln zur Hygiene bestehen in diesem Beruf schon immer, aber natürlich jetzt verstärkter mit Mundschutz und Desinfektionsmittel, erklärt Sonja Hummel.

Auch die Familien achten mehr darauf und stellen Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Ein guter Austausch und Abklärung mit den Familien sei daher laut Hummel äußerst wichtig, auch nehme dies Ängste auf beiden Seiten.

Dorfhelferin freut sich auf die Lockerungen

„Ich habe keine Angst mich mit dem Virus anzustecken, aber man muss sich natürlich absichern“, sagt Dorfhelferin Elisabeth Bulander. Sie hat ihre privaten Kontakte auf das Nötigste reduziert, was ihr nicht immer leicht falle. Nun ist sie froh, dass nach und nach Lockerungen kommen. Das ältere Ehepaar, das sie betreut, habe beispielsweise wenig Bedenken gehabt.

„Aber man geht kein Risiko ein und achtet darauf, sich entsprechend zum Schutz aller zu verhalten“, sagt die 61-Jährige. Sie kann aber auch verstehen, dass einige Familie keine Fremden im Haus oder der Wohnung haben wollten und/oder wollen und auf einen Einsatz der Dorfhelferin lieber verzichten. Einsätze, in denen Familienmitglieder an Covid-19 erkrankt sind und Unterstützung gebraucht hätten, habe es bislang noch keine gegeben.

Austausch im Team sehr wichtig

„Ich habe großen Respekt vor meinen Mitarbeiterinnen, da sie auch nie wissen was sie letztendlich in einem neuen Einsatz erwartet. Ängste halten sich in Grenzen, da steht die Hilfe helfen an erster Stelle“, so Hummel, die als Einsatzleiterin im engen Austausch mit ihrem Team steht, um jederzeit auch neue Lösungen finden zu können, sollten Probleme auftreten. Sonja Hummel und Elisabeth Bulander rechnen damit, dass die Nachfrage nach Dorfhelferinnen in den kommenden Wochen wieder steigen wird.

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