Erst Staunen, dann Verwunderung. Anfangs macht allein schon das Basssaxofon staunen. „Was für ein Rohr!“, hatte der Mann gesagt – beim Blick ins Zelt, in dem das riesige Holzblasinstrument im Stativ hing. Von „Ladwig‘s Dixieland Kapelle“ war da noch nichts zu hören. Die Drei-Mann-Band begann ohnehin erst, nachdem das Mittagsläuten der St.-Nikolaus-Kirche verklungen war, und nicht Punkt zwölf Uhr – so wie auf den Plakaten zum jüngsten Dixiefest angekündigt.

„Flame“ lässt in der Hauptstraße den Asphalt aufkochen.
„Flame“ lässt in der Hauptstraße den Asphalt aufkochen. | Bild: Jörg Büsche

Was dann aber verwunderte, bei dem ganz im Stil der 1920er Jahre gekleideten Trio – mit Mützen a là Peaky Blinders und angedeuteten Gamaschen –, das war zunächst der coole Sound der Drei. Dann aber auch, dass sie in all den Jahren Markdorfer Dixiefest noch nie hier aufgetreten sind. Und das, obwohl die Band keineswegs von ganz weit weg herkommt, sondern aus der Region, aus dem Bodenseeraum, wenngleich vor allem aus dem südwestlichen Bereich. Wo die Kapelle indes großen Anklang findet bei ihren Auftritten. Übrigens nicht nur rund um Konstanz, sondern nun auch in Markdorf. Der akustische Kontrast vom mächtigen Basssaxofon und seinem kleinen Bruder begeisterte – und das entspannte Pianospiel des Dritten im Zelt steigerte das sogar noch.

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Jazz in seiner lässigen, aber hitzigeren Variante

Ebenso begeistert zeigten sich die Zuhörer, die den Weg zu „Miller Sax and friends“ gefunden hatten. Die spielten Jazz in seiner lässigen, aber hitzigeren Variante. Dem Publikum gefiel das. „Wollt ihr noch ein Stück?“, wurde mit klarem „Ja sicher“ beantwortet. Und dann ging der Funk ab. So richtig mit Hut-Lupfen.

Am richtigen Platz spielte hingegen die „Feierware Jazzband“. Auch sie ein Glücksgriff. „Bei mir bis du schön für eine Mark und zehn“, klang selten so gediegen und trotzdem frech. Beim Blick in die Runde, beim Betrachten des genüsslich mitwippenden Publikums entstand der Eindruck: Hier haben sich die Kenner versammelt.

Trompetensoli vom Feinsten gibt‘s bei der „Feierware Jazzband“.
Trompetensoli vom Feinsten gibt‘s bei der „Feierware Jazzband“. | Bild: Jörg Büsche

Während sich ein Stück weiter beim Gasthof Krone die Liebhaber eingestellt hatten – natürlich auch die Liebhaberinnen von rockigeren Tönen. Denn dort weichte „Flame“ den neuen Straßenbelag gleichsam auf. „Love is like a burning flame“ war nur einer ihrer Folk- und Country-Hits, die die Band spielte. Doch keine Bange. Das mit dem brodelnden Straßenbelag war nur ein Sprachbild. Auch wenn hier, bei Flame, mehr getanzt wurde als bei den anderen Bands, der Bauhof wird am Montag nicht zum Ausbessern anrücken müssen. Aber die Post, die ging ab in der Hauptstraße.

Video: Jörg Büsche