Dass der Wagen kommt, war längst beschlossene Sache. Bereits im vergangenen April hatte der Technische Ausschuss entschieden: Markdorfs Natur- und Waldkindergarten soll größer werden. Nachdem im September 2018 bei Möggenweiler ein Bauwagen in den Wald gestellt worden war und nachdem im Juni 2020 eine Hütte errichtet worden war zum Schutz vor Stürmen, soll in unmittelbarer Nähe zum vorhandenen Bauwagen nun ein baugleicher zweiter aufgestellt werden. Die dafür notwendige Fläche wurde bereits von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs planiert und mit Schotter bedeckt.

Erzieher Peter Degenhart zeigt am künftigen zweiten Standort des Waldkindergartens, wo schon die Fläche für den neuen Bauwagen planiert ...
Erzieher Peter Degenhart zeigt am künftigen zweiten Standort des Waldkindergartens, wo schon die Fläche für den neuen Bauwagen planiert worden ist. Im Hintergrund ist der historische Wasserhochbehälter von Möggenweiler zu sehen. | Bild: Jörg Büsche

Vor vollendete Tatsachen gestellt?

Darüber wiederum zeigte sich UWG-Rätin Christiane Oßwald im Gemeinderat überrascht. „Mich wundert die Reihenfolge“, erklärte sie: Erst würden Tatsachen geschaffen, der Boden bereitet und danach folge der Beschluss des Gemeinderates, der eigentlich ja als erstes zu fragen sei. Und so sehr sie selbst wie auch ihre Fraktion das Aufstellen eines zweiten Bauwagens für den Waldkindergarten begrüße, die bereits geäußerten Bedenken gegen den Aufstellungsort bestünden dennoch fort. Denn weil der Wagen nicht in den Wald gestellt wird, sonden auf eine Wiesenfläche am Waldrand sind Ausgleichsflächen nötig.

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Fraktionen äußern Zweifel am Standort

Ob der gewählte Platz für den zweiten Bauwagen ideal sei, hinterfragte auch Freie-Wähler-Chef Dietmar Bitzenhofer. Er merkte an, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Bienenhäuser stünden. In ähnlicher Nähe befände sich zudem eine Intensivobstanlage, sodass bei ungünstigen Windverhältnissen mit Spritzmittel-Verdriftungen zu rechnen seien. „Wir haben nichts gegen einen weiteren Bauwagen für den Waldkindergarten“, sprach Bitzenhofer für seine Fraktion. Die von ihm angesprochenen kritischen Punkte sollten trotzdem erwogen sein.

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Von FDP-Rat Rolf Haas war darüber hinaus noch angemerkt worden, dass der neue Bauwagen für die Waldkindergarten-Kinder sich in Sichtweite zum historischen Wasserhochbehälter befinde, einem denkmalgeschützten Bauwerk.

Beim gewählten Standort für den zweiten Bauwagen des Waldkindergartens braucht es keiner weiteren Schutzhütte wie der hier abgebildeten ...
Beim gewählten Standort für den zweiten Bauwagen des Waldkindergartens braucht es keiner weiteren Schutzhütte wie der hier abgebildeten am bisherigen Standort, in die die Kinder vor Stürmen flüchten können. Die vorhandene Schutzhütte steht ja in unmittelbarer Nähe, da der zweite Standort nur wenige Minuten entfernt liegt. | Bild: Jörg Büsche

Bürgermeister Georg Riedmann konnte hier beruhigen. Seitens der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt gebe es keinerlei Bedenken gegen den von der Stadt ins Auge gefassten Standort. Und im Hinblick auf die Belange der Obstbauern und Bienenzüchter verwies Riedmann darauf, dass der gebotene Abstand eingehalten sei. Auch müssten sich Eltern nicht um etwaige Bienenstiche sorgen. Es wachse hinreichend abschirmendes Buschwerk zwischen dem zweiten Bauwagen und den Bienenstöcken.

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Zweiter Bauwagen ist Elternwunsch

Zu mehr Gelassenheit im Umgang mit der Situation beim Markdorfer Waldkindergarten riet indes Uwe Achilles, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Es handelt sich schließlich um einen Bauwagen, der ist mobil.“ Er lasse sich also auch woanders hin ziehen, falls das erforderlich sein sollte. Kerstin Mock, Fraktions-Chefin der CDU, erinnerte daran, dass der neue Wagen auf den ausdrücklichen Wunsch der Eltern hin angeschafft wurde und dass sein Standort zuvor mit dem Leitungsteam des Waldkindergartens abgestimmt worden sei.

Der Weg zum zweiten Waldkindergarten führt über diese Brücke. Da eine Zufahrt über die Hochwaldstraße nicht möglich ist, müssen Eltern, ...
Der Weg zum zweiten Waldkindergarten führt über diese Brücke. Da eine Zufahrt über die Hochwaldstraße nicht möglich ist, müssen Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, auf dem Wanderparkplatz parken. | Bild: Jörg Büsche

Wie Hauptamtsleiter Klaus Schiele ausführte, wird der neue Bauwagen, obwohl er baugleich mit dem vorhandenen ist, etwas teurer. Kostete der erste noch 63.000 Euro, so rechnet Schiele mit geschätzten 70.000 Euro. Tröstlich sei: „Wir bekommen einen maßgeblichen Zuschuss vom Land.“ Grundsätzlich sprach Riedmann von einer gewissen Entspannung der Kindertagesstätten-Situation. „Von Luxus kann aber keine Rede sein“, auch wenn der zweite Bauwagen bald stehe. Im Pestalozzi-Kindergarten seien weiterhin sechs Gruppen, mit der Folge, dass die Erzieherinnen keinen eigenen Raum haben können. Da wünsche er sich ebenfalls eine Entlastung.