Wir stecken drin. Tief drin, in der Corona-Krise, deren erster Lockdown gerade überstanden ist. Und der nun landauf, landab im Kabarett als Thema auftaucht. Zum Beispiel in Stephan Bauers neuem Programm. Das trägt zwar den vielversprechenden Titel „Ehepaare kommen in den Himmel“, hat aber, wir kennen das von Stephan Bauer, die böse Pointe. „ – in der Hölle waren sie schon“.

Corona bringt‘s ans Licht

Und Corona, wir wissen es inzwischen alle, hat durch seine Kontaktbeschränkungen ans Licht gebracht, was mit Beruf, Haushalt und Freizeit-Umtriebigkeit notdürftig verhüllt werden konnte: die tiefe Krise, in der die meisten Paare stecken. Alle mühsam unter der Decke gehaltenen Konfliktlinien sind aufgebrochen. Doch unter der Decke, da passiert gar nichts. So quengelt Stephan Bauer. Lockdown, Stillstand!

„Mir geht es so gar nicht gut.“ Das ist der Satz, mit dem Kabarettist Bauer seit Langem seine Programme beginnt. Längst vertraut, weckt er doch die Neugier, was er denn nun schon wieder hat, der Mann auf der Bühne. Dessen traurig-treuherziges Blicken dringender Appell an Mutterinstinkte ist. Dessen Mitleidsmasche aber von der Ehefrau daheim längst durchschaut wird. „Geh mal! Mach mal! Bring mal! Hol mal!“ lauten die Befehlsformeln, für die in seinem Falle die Abkürzung GmbH stehe, beklagt sich Bauer über den Wandel seiner Ehebeziehung.

Männer riechen nicht gut

Ein Bild malt er nicht von seiner Frau. Stattdessen greift er zu Allgemeingültigem. Zur ewigen Ungleichheit von Mann und Frau. Diese könnten gut riechen, aber schlecht autofahren und gar nicht einparken. Männer hingegen röchen überhaupt nicht gut. Apropos stinken: Zu Pech und Schwefel zieht es Bauer stärker als in den Himmel. „Dort kenne ich ja niemanden.“ Ungemütlich in der Hölle sei indes der Teufel. Der übrigens nicht mehr mit Gabel und Kessel koche, sondern mit dem Thermomix.

Bauer punktet mit Wortwitz

Es sind solche Überraschungsmomente, die das Publikum immer wieder zum Lachen bringen. Den meisten Erfolg hat der Kabarettist indes mit seinem Wortwitz. Wenn er den alkoholfreien Anstich beim Straßenfest im Öko-Wohlstand-Kleinbürger-Milieu mit „O-Saft is!“ zitiert. Wenn er den vom Fischhändler zugeworfenen Kabeljau als „selbstgefangen“ deklariert. Wenn er das mühsame Anstreichen der Gartenmöbel mit dem Hinweis auf seine „Lack-Dose-Intoleranz“ verweigert. Die eigentliche Kunst aber ist, solche Schmankerln in ein abendtragendes Erzählen zu rahmen. Was Bauer trefflich gelingt.

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