„Wir kämpfen an vorderster Front“, sagt Dieter Walliser. Wenn er seine Patienten behandelt, trägt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt grundsätzlich eine FFP2-Maske, eine sogenannte Filterpartikel-Maske, die auch dem Eigenschutz des Trägers dient. Auf Abstand wird geachtet, doch liege es in der Natur von ärztlichen Untersuchungen, dass das nicht immer geht.

Hals-Nasen-Ohrenarzt Dieter Walliser sieht sich an vorderster Front im Kampf gegen Corona.
Hals-Nasen-Ohrenarzt Dieter Walliser sieht sich an vorderster Front im Kampf gegen Corona. | Bild: Jörg Büsche

Kinderärzte kommen spielerisch zum Untersuchungsziel

Insbesondere beim Kontakt mit ihren kleinen und kleinsten Patienten sehen sich die maskentragenden Kinderärzte gefordert, sagt Petra Ratzinger, Kinderärztin in der Bermatinger Kinderarztpraxis Dr. Anita Renz und Petra Ratzinger. „Wir kommen trotzdem an unser Untersuchungsziel, oft spielerisch zum Beispiel durch Ablenkung.“

Internist Christopher Berger warnt von übertriebenen Corona-Ängsten und rät zu Besonnenheit.
Internist Christopher Berger warnt von übertriebenen Corona-Ängsten und rät zu Besonnenheit. | Bild: Jörg Büsche

Überhaupt nicht spielerisch geht es dagegen in der Praxis von Christopher Berger, Facharzt für Innere Medizin, zu. Er berichtet, dass nun, während des zweiten Corona-Lockdowns, vielen seiner Patienten die Orientierung fehle. Sie hätten den Überblick verloren im Gestrüpp der vielen Verordnungen, Regeln und Ausnahmen davon. „Da aufzuklären, nimmt inzwischen einen viel zu großen Anteil der Arbeit in der Praxis ein“, beklagt der Internist.

Das raten Markdorfer Ärzte

Ärzte halten Lockdown für dringend geboten

Dabei sind sich alle befragten Markdorfer Ärzte einig: Den neuerlichen – zeitlich zunächst auf vier Wochen beschränkten – Lockdown halten sie für dringend geboten. „Die Politik musste handeln“, erklärt Dieter Walliser. Ob im Einzelfall jede der getroffenen Entscheidungen richtig war, da sei er sich nicht so sicher. Warum bei Hochzeiten mehr Teilnehmer zulässig waren als bei Beerdigungen, das erschließe sich ihm nicht. Ebenso wenig wie das Verbot von Restaurantbesuchen. Grundsätzlich aber befürworte er, dass eingeschränkt werde. „Was im Einzelnen, das möchte ich auch nicht entscheiden müssen“, erklärt der Arzt.

Den Entscheidern aber hält Dieter Walliser zu Gute, dass sie ihre Entschlüsse im Allgemeinen wohl „nach bestem Wissen und Gewissen“ fassen. Christopher Berger warnt vor widersprüchlichen Verordnungen. „Bleibt die Volkshochschule hier offen, dort aber geschlossen, verwirrt das die Leute.“

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Weniger Tests erlaubt: Die Kriterien haben sich geändert

„Wir dürfen derzeit leider nicht mehr so viel testen, wie wir es noch bis letzte Woche getan haben“, erklärt Anne Keßler, Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Praxisgemeinschaft Kettner, Grieb, Keßler. Denn: „Das Robert-Koch-Institut hat letzte Woche die Testkriterien verschärft, da mittlerweile die Labore überlastet sind“ erläutert die Ärztin. Unterdessen lasse das herbstliche Wetter die Zahl der Infektionskrankheiten ansteigen. Zumeist handelt es sich um ganz normale Erkältungen, aber auch um grippale Infekte sowie Geschmacks- und Geruchsstörungen – jenseits von Corona. Gleichwohl gelte es, Ansteckungen mit Covid-19 möglichst auszuschließen.

Gegen den Egoismus Einzelner helfe wohl nur der neue Lockdown, findet Ärztin Anne Keßler.
Gegen den Egoismus Einzelner helfe wohl nur der neue Lockdown, findet Ärztin Anne Keßler. | Bild: Jörg Büsche

Markdorfer Praxis bietet einen „Drive-in-Test“ an

„Wir bieten einen Drive-in-Test an“, erklärt Anne Keßler. Zum Parkplatz hin wird ein Praxisfenster geöffnet, an dem eine Praxis-Mitarbeiterin der Patientin das Stäbchen für den Abstrich überreicht. Außerdem die Instruktionen, wie er damit weiter zu verfahren hat. Die Arzthelferinnen tragen dort zusätzlich zur Maske noch ein Schutzvisier, außerdem einen Schutzkittel.

Hinter Plexiglas: Auch Kathrin Marklein und Katja Bodem tragen Mundschutz bei ihrer Arbeit in der Kinderarztpraxis.
Hinter Plexiglas: Auch Kathrin Marklein und Katja Bodem tragen Mundschutz bei ihrer Arbeit in der Kinderarztpraxis. | Bild: Jörg Büsche

Die bereits seit Ausbruch der Corona–Pandemie getroffenen Schutzmaßnahmen wurden beibehalten beziehungsweise noch ausgeweitet. So trennen an der Empfangstheke Plexiglasscheiben die Mitarbeiterinnen von den Praxisbesuchern. „Hinzu kommt unser besonderes Termin-Management“, erläutert Anne Keßler. Es werde alles unternommen, damit die Patienten möglichst kurz im Wartezimmer sitzen müssen. Und dass sie dabei Maske tragen und auf Abstand sitzen, verstehe sich von selbst.

Kinderärztin Petra Ratzinger rät zur Maske schon für Kinder ab sechs Jahren.
Kinderärztin Petra Ratzinger rät zur Maske schon für Kinder ab sechs Jahren. | Bild: Jörg Büsche

Konzept für Patienten-Terminierung entwickelt

„Ein Konzept für die Patienten-Termininierung haben wir bereits im Frühjahr entwickelt“, erklärt Petra Ratzinger. Telefonberatung und Videosprechstunde gehören ebenso dazu wie eine Mitarbeiterrotation, „damit wir unseren Vorsorgeauftrag aufrecht erhalten können“, so die Kinderärztin.

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