Die Schulschließungen und der Fernunterricht haben viele Eltern an ihre Belastungsgrenzen getrieben. Zwar sollte die Notbetreuung ihren Alltag entlasten, doch müssen Eltern ihre Kinder eigens in die Schulen bringen oder dafür sorgen, dass diese mit Bussen dort ankommen.

Doch was ist, wenn der Bustransport nur eingeschränkt möglich ist – oder gar ausfällt? Besonders betroffen davon waren Eltern und Schüler aus den Gemeinden im Großraum Markdorf. Denn seit Ende der Weihnachtsferien fahren die Busse im Verkehrsverbund Bodensee-Oberschwaben (Bodo) nach dem deutlich reduzierten Ferienfahrplan. Dies brachte einige Eltern zuletzt in Schwierigkeiten.

Auf zuverlässigen Bustransport angewiesen

Warten auf den Bus mussten auch Jana Kreibich und ihre Tochter aus Bermatingen. Sie arbeitet im Lockdown weiterhin im Lebensmittelhandel und ihr Mann in einer Sozialeinrichtung. Beide sind auf einen zuverlässigen Transport ihrer Tochter in die Schule angewiesen.

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„Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien kamen wir zur Haltestelle und der Bus kam nicht“, erzählt sie. „Anschließend musste ich meine Tochter selbst zur Schule fahren.“ Ihre Schule, das Gymnasium Markdorf, habe sich anschließend bei dem Verkehrsverbund gemeldet.

Nicht nur Kinder aus Bermatingen betroffen

Besonders an ihrer Schule habe der reduzierte Ferienfahrplan für Herausforderungen bei einigen Eltern gesorgt, berichtet Diana Amann, Direktorin des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf. Betroffen seien laut ihr nicht nur Kinder aus Bermatingen, sondern auch aus dem Deggenhausertal oder Salem. Insgesamt sieben Kinder seien in ihrer Schule in Notbetreuung. „Die Schüler können derzeit nicht pünktlich zum Beginn in die Schule kommen“, erklärt Amann. „Anschließend wissen sie auch nicht, wie und wann sie wieder nach Hause kommen sollen.“

Diana Amann, Direktorin des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf: „Die Schüler können derzeit nicht pünktlich zum Beginn in die Schule kommen.“
Diana Amann, Direktorin des Gymnasiums am Bildungszentrum Markdorf: „Die Schüler können derzeit nicht pünktlich zum Beginn in die Schule kommen.“ | Bild: Jörg Büsche

Die Direktorin kritisiert, dass der Bodo-Verkehrsverbund die Schulen lediglich über die Fortsetzung des Ferienfahrplans informiert hatte. Wie Kinder in Notbetreuung zu den Schulen gelangen, wurde darin aber nicht erwähnt, so Amann. Auch Fahrkarten für den Januar würden trotz Lockdown nicht ersetzt, bemängelte sie und macht damit ein weiteres Fass auf, das zuletzt unter Eltern für Ärger gesorgt hat.

Auf Beschwerde von Elternvertreterin wurde bei Bodo nicht eingegangen

Diesen Punkt kritisiert auch Anita Fauser, Elternbeiratsvorsitzende des Gymnasiums Markdorf. „Ich habe mich bereits bei Bodo und RAB beschwert, da die Eltern keine Möglichkeit hatten, die Januarfahrkarten zurückzugeben und die Kinder können den Bus nicht benutzen.“ Beim Verkehrsverbund sei man nicht auf ihre Belange eingegangen, klagt sie.

Anita Fauser, Elternbeiratsvorsitzende des Gymnasiums Markdorf: „Ich fordere, dass man den Betrag der Februarfahrkarte anschließend nicht einzieht. Denn bis Mitte Februar bleiben die Schulen zu, dann kommen noch die Fasnachtsferien dazu.“
Anita Fauser, Elternbeiratsvorsitzende des Gymnasiums Markdorf: „Ich fordere, dass man den Betrag der Februarfahrkarte anschließend nicht einzieht. Denn bis Mitte Februar bleiben die Schulen zu, dann kommen noch die Fasnachtsferien dazu.“ | Bild: Ganter, Toni

„Ich fordere, dass man den Betrag der Februarfahrkarte anschließend nicht von den Konten der Abonnenten einzieht. Denn bis Mitte Februar bleiben die Schulen zu, dann kommen noch die Fasnachtsferien dazu“, sagte sie Ende vergangener Woche dem SÜDKURIER. Inzwischen dürfen Eltern die Februar-Monatskarten ihrer Kinder in den Sekretariaten abgeben, sie sollen auf Wunsch erstattet werden.

Bodo weist auf „wenige Anfragen“ von Schulen zur Beförderung von Kinder in Notbetreuung hin

Bei der Frage nach dem Bustransport von Kindern in Notbetreuung in die Schulen spielt der Bodo-Verkehrsverbund den Ball zurück zu den Schulen. Die Pressestelle schreibt auf SÜDKURIER-Anfrage, dass Schulen im Lockdown einen Bedarf an Busbeförderung für Kinder in der Notbetreuung beim Omnibusunternehmen melden konnten.

Wer nicht zu Fuß durch das Schneegestöber nach Hause gehen wollte, musste sich mit dem Ferienfahrplan der Busse vertraut machen. So auch Schüler auf diesem Bild in Friedrichshafen.
Wer nicht zu Fuß durch das Schneegestöber nach Hause gehen wollte, musste sich mit dem Ferienfahrplan der Busse vertraut machen. So auch Schüler auf diesem Bild in Friedrichshafen. | Bild: Lena Reiner

Anschließend sei im Verbund abgestimmt, worden, welches Transportangebot möglich sei. Laut der Pressestelle erreichten aber nur „wenige Anfragen die Unternehmen oder Landratsämter“.

Bodo äußert sich zu Rückzahlung der Januartickets

Bei den Rückzahlungen von Januar-Monatskarten verweist man seitens des Verbunds auf die Ankündigungen von Kultusministerin Susanne Eisenmann, die sich laut Medienberichten für Rückzahlungen von ungenutzten Schülertickets im Lockdown einsetzen wolle.

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„Der Verkehrsverbund selbst kann hier leider nicht mittelbar und direkt eingreifen. Der Einbezug von Eigenanteilen läuft über die Landkreise“, erklärt die Pressestelle. „Wir als Verkehrsverbund, die Landkreise und Verkehrsunternehmen hoffen auf eine schnelle Weisung aus Stuttgart.“ Für die Februar-Monatskarten im Listenverfahren gebe es mittlerweile einen geänderten Prozess für die Rückgabe.

Und was wird aus den Februar-Monatskarten?

In einer Pressemitteilung hatte der Verkehrsverbund bereits eine neue Regelung bei den Februar-Monatskarten angekündigt. Eltern oder Schüler können die Februar-Schülermonatskarten bis einschließlich Freitag, 29. Januar, in den Schulsekretariaten zurückgegeben.

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„Sollte eine Schulöffnung ab dem 15. Februar beschlossen werden, können die zurückgegeben Februarkarten von den Schulsekretariaten wieder herausgegeben werden“, heißt es. „Dafür sollten Eltern bis zum Stichtag, den 10. Februar, bei ihren Schulen die Wiederausgabe anfordern.“

Tochter nun wieder pünktlich in der Schule

Mittlerweile gelangt Jana Kreibichs Tochter problemlos in die Notbetreuung und zurück, erklärt sie. Dank Bemühungen der Schulleitung und eigene Telefonate mit der Ahausener Busfirma Wegis habe man einen Transport organisieren können. „Manchmal habe ich nun sogar ein schlechtes Gewissen, dass meine Tochter nun ganz alleine unterwegs ist“, sagt sie und lacht.