Ohne Kultur wird es still, das wird gerade in der Corona-Pandemie besonders deutlich. Keine Konzerte, Ausstellungen oder Theateraufführungen. Wie erleben die vier Laientheatergruppen rund um den Gehrenberg diese schmerzliche Zeit? Denn eine noch im März gehegte Hoffnung, man könne zum Ende des Jahres eventuell doch noch spielen, wurde jäh durch die zweite Corona-Welle pulverisiert.

Bereits im Frühjahr „Jetzt aber schnell“ abgesagt“

Harald Eilers, Regisseur und Vorsitzender der Markdorfer Theatergruppe „Kreuz & Quer“, musste bereits im Frühjahr die Premiere und Aufführungstermine für das Stück „Jetzt aber schnell“, dass das Thema, wie persönliches Zeitmanagement unseren Alltag bestimmt, hat, absagen. Im Sommer dann, als es Anzeichen für eine Entspannung der Situation gab, plante man wieder in den Probenbetrieb einzusteigen. „Wir suchten und fanden ein neues Stück, welches sich auch für Aufführungen im Freien eignet. Unter Einhaltung der Hygieneregeln erhielten wir von der Stadt die Genehmigung, die Proben im begrenzten Rahmen wieder aufzunehmen“, berichtet Eilers. Einzelszenen aus dem Stück hätten sich möglicherweise geeignet, in Kurzform etwa auf dem Marktplatz, vor der Tourist-Info, vor dem Proma oder ähnlichen Plätzen im Herbst aufgeführt zu werden. Die Stimmung in der Gruppe sei zunächst zuversichtlich gewesen, obwohl man sich der Unplanbarkeiten bewusst war.

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Entwicklung drückt die Stimmung

Nun blickt man weiter nach vorne. „Die Premiere des Gesamtstückes ist für Ende April 2021 geplant. Ob wir diesen Termin halten können, ist bei der jetzigen Entwicklung natürlich völlig offen und drückt die Motivation und Stimmung gewaltig“, so Eilers. Aktuell sei der Präsenzprobenbetrieb zunächst bis Weihnachten völlig eingestellt. Stattdessen sind wöchentliche Proben per Online-Video-Schaltung geplant. Für Eilers und seine Gruppe eine Herausforderung: „Das ist für uns völlig neu und muss gelernt werden. Ich habe als Regisseur hierzu diverse Fortbildungen erhalten und versuche nun, diese in die Praxis umzusetzen.“

Neujahrstheater ist abgesagt

Seit vielen Jahren begeistert die Theatergruppe des Bodensee Medley Chores in der Zeit zwischen den Jahren das Publikum in der Leimbacher Mehrzweckhalle.
Seit vielen Jahren begeistert die Theatergruppe des Bodensee Medley Chores in der Zeit zwischen den Jahren das Publikum in der Leimbacher Mehrzweckhalle. | Bild: Christiane Keutner

Auch die Theatergruppe des Bodensee Medley Chores gab unlängst bekannt, kein Neujahrstheater in Leimbach aufzuführen. Dazu Theaterleiter Andreas Lang: „Aufgrund der aktuellen Corona-Situation und zur Sicherheit unserer Besucher, Theaterspieler und Sänger, sehen auch wir uns gezwungen, das Neujahrstheater in der Leimbacher Mehrzweckhalle, das ursprünglich für den 3. bis zum 5. Januar 2021 geplant war, abzusagen.“ Es werde auch keinen Ersatztermin für dieses Theaterspiel geben. „Wir hätten sehr gerne in dieser schweren Zeit die Menschen zum Lachen gebracht, aber Gesundheit geht einfach vor. Seine Botschaft: „Ich verspreche, sobald wir wieder auftreten dürfen, schießen wir wieder ein Feuerwerk an Lachsalven von der Bühne.“

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Für Theresia Lemann, Vorsitzende des Bodensee Medley Chores, wiegt die Absage auch finanziell schwer. „Natürlich bedauere ich die Absage der Theatertage sehr. Die Theateraufführungen sind die Hauptevents in unserem Vereinsjahr. Klar trifft es uns auch finanziell sehr hart, die Einnahmen sind wichtig für uns, aber die Gesundheit aller Gäste und Mitwirkenden geht vor.“ Doch aufgund der aktuellen Situation und durch die täglich steigenden Infektionszahlen habe man leider keine andere Wahl gehabt. Im Moment sei man zuversichtlich, was das Neujahrstheater 2022 angeht, „aber die letzten Monate haben gezeigt, dass sich die Lage schnell wieder ändern kann, sagen wir es so: Wir sind vorsichtig optimistisch.“

Theater im Tal ohne Regisseur

Im Juli vergangenen Jahres führte die Gruppe „Theater im Tal“ das Stück „Diener zweier Herren“ in Urnau auf. In der Szene erklärt Thomas Himpel (links) Ernst Mecking, wie man ein richtiges Mahl arrangiert.
Im Juli vergangenen Jahres führte die Gruppe „Theater im Tal“ das Stück „Diener zweier Herren“ in Urnau auf. In der Szene erklärt Thomas Himpel (links) Ernst Mecking, wie man ein richtiges Mahl arrangiert. | Bild: Jan Manuel Heß

Nicht anders die Situation im Deggenhausertal, in dem eigentlich ebenfalls zwei Theatergruppen aktiv sind, denn nachdem sich im vergangenen Jahr der langjährige Regisseur der Gruppe „Theater im Tal“ (TaT), Peter Hilmes, zurückzog, sei dort, nach seiner Aussage, noch kein Nachfolger gefunden worden und es stand keine Inszenierung an. Im vergangenen Jahr führte die Gruppe das Stück „Diener zweier Herren“ in Urnau auf. Manfred Ströhle, Sprecher der Theatergruppe Homberg-Limpach äußerte sich bereits im Oktober auf SÜDKURIER-Anfrage zu den Planungen: „Zum Jahresende fällt unser Theater aus, der Kontakt zum Publikum wird uns sehr fehlen.“

Die Theatergruppe Homberg-Limpach feierte 2019 ihr 50-jähriges Jubiläum und führte im Gasthof Mohren drei Einakter auf, hier eine Szene aus dem Stück „Spanien olé“.
Die Theatergruppe Homberg-Limpach feierte 2019 ihr 50-jähriges Jubiläum und führte im Gasthof Mohren drei Einakter auf, hier eine Szene aus dem Stück „Spanien olé“. | Bild: Lang, Andreas

Für die hiesigen Laientheatergruppen heißt es also Durchhalten oder gar einen Neuanfang wagen. Harald Eilers ist optimistisch. „Das Kulturleben ist sicher nicht insgesamt in Gefahr, aber es muss sich zum Teil neu erfinden.“ Das berge auch Chancen in sich, zum Beispiel wenn erkannt werde, dass kulturelles Schaffen nicht nur auf den großen Profibühnen stattfinde, sondern auch im Amateurbereich mit seinen unendlich vielen leidenschaftlich engagierten Talenten. Gerade da komme Freiheit, Mut, Spontanität, gesellschaftliches Miteinander zum Tragen, so Eilers. „Das gilt es weiter zu fördern.“