Der Circus Rudolf Renz tourt wieder durchs Land, an vier Tagen sind Clowns, Akrobaten und Tiershows in Markdorf zu sehen. „Für uns ist es die erste durchgehende Saison“, berichtet Rudolf Renz, der den Zirkus zusammen mit seiner Frau Jaqueline 2019 gründet hat. Beide schauen auf eine lange Zirkus-Familientradition zurück. Vor drei Jahren hat das Paar den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, dann kam Corona.

Das könnte Sie auch interessieren

Solidarität durch Zirkusfreunde und Landwirte

„Ein Zirkus fällt aufgrund der Saisonarbeit extrem durch das staatliche Raster. Uns gab es außerdem erst einige Monate, das heißt, wir haben kaum staatliche Überbrückungshilfe bekommen“, erklärt Rudolf Renz. Überlebt habe das Unternehmen, weil er sich gleich zu Beginn der Pandemie offensiv an die Öffentlichkeit gewandt und auf die Situation aufmerksam gemacht habe. „Durch die Spenden der Zirkusfreunde in der Bevölkerung, durch gegenseitige Unterstützung innerhalb der Zirkusgemeinde und vieler Landwirte, die zum Beispiel Futter für die Tiere stundeten, konnten wir uns über Wasser halten“, erzählt Renz.

Imbiss gefällig? Jayda Renz bietet Trampeltier Sabo ein Büschelchen Heu an.
Imbiss gefällig? Jayda Renz bietet Trampeltier Sabo ein Büschelchen Heu an. | Bild: Ganter, Toni

Er und seine Frau seien beide im Zirkus aufgewachsen, sie kennen nur diese Lebensart. Wenn Renz zu lange an einem Ort sei, werde er unruhig. „Uns liegt Zirkusleben im Blut. Für uns ist das kein Beruf, sondern Berufung. Mit dem Verstand darf man vieles nicht hinterfragen. Angst hatten wir, aber Aufgeben wäre nicht in Frage gekommen“, beschreibt Renz seine Gefühlslage während den Corona-Monaten.

Personalmangel erschwert das Durchstarten

Eigentlich könnten sie jetzt wieder durchstarten, sagt Renz, aber Thema Nummer eins in der Branche sei der Personalmangel. „Für die körperlichen Arbeiten wie Auf- und Abbau der Zelte, Versorgung der Tiere und Ausmisten finden wir keine Leute mehr. Traditionell hatten wir Helfer aus Polen und Rumänien, aber im Moment ist der Markt leer.“ Gelegentlich würden junge Leute aus der Region anfragen, aber nach zwei, drei Stunden harter körperlicher Arbeit bei 30 Grad würden die meisten wieder aufgeben. „Um das Zirkuszelt aufzubauen, brauchen wir mit fünf guten Leuten rund sieben Stunden. Und das machen wir alle drei bis vier Tage“, beschreibt Renz den Aufwand.

Mangels Personal muss Zirkusdirektor Rudolf Renz kräftig anpacken. Gerade rammt er einen Zeltanker ins Erdreich.
Mangels Personal muss Zirkusdirektor Rudolf Renz kräftig anpacken. Gerade rammt er einen Zeltanker ins Erdreich. | Bild: Ganter, Toni

„Die Tierstallungen werden umgehend nach der Ankunft errichtet und als letztes abgebaut, damit die Tiere so kurz wie möglich im Transporter sein müssen“, beschreibt Renz die Reihenfolge. „Mit genügend Arbeitern kann der Aufbau des Zirkuszelts parallel erfolgen, aktuell geht es nur hintereinander und wir packen alle bis spät nachts an.“

Auch das gehört dazu. Jaqueline Renz macht gerade die Pferdeboxen sauber. Hinter der Zirkuschefin steht Dshafa.
Auch das gehört dazu. Jaqueline Renz macht gerade die Pferdeboxen sauber. Hinter der Zirkuschefin steht Dshafa. | Bild: Ganter, Toni

Bei seiner Show treten Pferde, Ponys, Lamas und Kamele auf. „Ich arbeite mit den Pferden nach der sogenannten Freiheitsdressur, über Gestik und Mimik bringe ich die Tiere dazu auf mich zu reagieren, außerdem nutze ich ihre jeweiligen Charaktereigenschaften für besondere Kunststücke.“ Zwischenzeitlich sei die Diskussion über Tier im Zirkus wieder etwas ruhiger geworden. Er nehme sie nicht mehr so ernst, da sie aus seiner Sicht oft vor allem ideologisch geführt werde.

„Die Beamten überprüfen Futter, Ernährungszustand, Haltung, die Transportbedingungen, die Führungszeugnisse und Ausbildung der Halter und erst dann erhält man den nötigen Stempel und damit die Freigabe für das Gastspiel.“
Rudolf Renz, Zirkusdirektor

„Wöchentlich erfolgen an den Gastspielorten Kontrollen der örtlichen Veterinärämter. Die Beamten überprüfen Futter, Ernährungszustand, Haltung, die Transportbedingungen, die Führungszeugnisse und Ausbildung der Halter und erst dann erhält man den nötigen Stempel und damit die Freigabe für das Gastspiel“, erklärt Renz das Prozedere. „Anfangs habe ich mich sehr über die Vorwürfe zum Thema Tiere im Zirkus geärgert, aber ich weiß, dass ich meine Tiere gut behandle und dass es ihnen gut geht“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren
Zwergpony Chico bekommt von Tara Stoica und Jayda Renz ein paar Streicheleinheiten.
Zwergpony Chico bekommt von Tara Stoica und Jayda Renz ein paar Streicheleinheiten. | Bild: Ganter, Toni

Ukraine-Krieg hinterlässt Spuren, auch beim Zirkus

Ob er den Ukraine-Krieg auch in irgendeiner Art spürt? „Ja, vor Corona kamen die Mehrheit meiner Artisten traditionell aus Italien, Ungarn und Bulgarien. Viele haben sich über die beiden Jahre andere Jobs gesucht, sodass ich bei der Planung des Programms auf ukrainische Artisten ausgewichen bin. Das ist zwar etwas komplizierter, weil sie ein Visum brauchen“, erzählt der Zirkusdirektor. Dann kam der Krieg, die Männer durften nicht mehr ausreisen und plötzlich fehlte ihm ein großer Programmpunkt.

„Und dann kontaktierte mich eine ukrainische Artistin, die nach Deutschland geflohen war. Sie fragte nach einem Engagement zusammen mit ihrem moldavischen Mann.“ Allerdings hätte sie keinen Wohnwagen, den zu stellen für den Zirkus mit Zusatzkosten und Aufwand verbunden sei, beschreibt Renz die Schwierigkeiten. Normalerweise hätte er es nicht gemacht. „Aber wir wissen, dass das Leben hart sein kann, also haben wir uns entschieden. Die beiden helfen uns, wir helfen ihnen und das Publikum reagierte begeistert auf die Luft- und Paarakrobatik“, freut sich Renz.