Christina Hupfer gibt ihre Rezepte preis. Sie verrät, wie sie ihre Sauce tartare zubereitet. Sie verrät auch, wie sie ihre Spaghetti Carbonara, ihr Hühnchen-Curry oder ihre Auberginen-Nudeln macht. „Genial einfach – Einfach genial“, heißt das kleine Büchlein, in dem Christina Hupfer 30 Rezepte festgehalten hat. „Annas Lieblingsrezepte“, erklärt sein Untertitel.

Anna, das ist die Heldin von Christina Hupfers jüngstem Roman: „Unheimlich nette Nachbarn“. Und einmal mehr versetzt die in Markdorf lebende Autorin ihre Leser in deren Alltagswelt – zumindest jene Leser, die in einer Stadt mittlerer Größe beziehungsweise am Stadtrand wohnen, „wo nichtssagende, vierstöckige Wohnblocks inmitten der vielen nichtssagenden kleinen Ein- und Zweifamilienhäuser“ stehen.

„Nein“, erklärt Christina Hupfer lachend, „die Handlung spielt nicht in Markdorf.“ Und ganz gewiss nicht in ihrer eigenen Nachbarschaft – auch wenn der Weg zu ihrer Wohnung schon ein bisschen an das in „Unheimlich nette Nachbarn“ beschriebene Szenario erinnert. Auch wenn vom „See“ die Rede ist. Der erzählte Ort bleibt im Ungefähren. Er könnte überall liegen. „Meine Heldin ist recht jung, erst 30“, sagt die Autorin über Anna. Sie kocht gerne, arbeitet schlecht bezahlt in einer Imbissbude. Sie ist alleinerziehend, und verliebt in ihren neuen Nachbarn. „Bisher gab es jedoch leider keinerlei Andeutung, dass er mehr für mich empfand als nur Freundschaft. Aber heute Abend, bei gutem Essen, Wein und Kerzenlicht …“, deutet Christina Hupfer Annas Hoffnungen an. Doch aus dem Essen bei Kerzenlicht wird nichts. Weil der Nachbar spurlos verschwindet.

Das von der Autorin selbst gestaltete Cover von „Unheimlich nette Nachbarn“ passt. Es wirkt düster und deutet darauf hin, dass die Nachbarschaft durchaus nicht nur nett, sondern zum Teil auch recht unheimlich ist. Etwa der wunderliche Ingenieur, der den Kontakt zu Außerirdischen sucht. Oder jener finstere Herr Weiß, der Dunkles im Schilde führt, sich überdies den Häschern der „Corona-Diktatur“ ausgesetzt sieht.

Ein Rezept will Christina Hupfer nicht verraten: Wie sie es schafft, in die düstere Pandemie-Atmosphäre ihres Buches soviel Spannung wie Humor einzuflechten. „Ich schreib‘ halt immer gleich auf, wenn mir was einfällt“, erklärt sie. Ihre Zutaten holt sie sich aus dem Alltag. Es ist die Phantasie, die aus alltäglichen Beobachtungen dann Romane macht, von denen Leser ungern ablassen wie von Annas Schokocreme-Rezept.