Sie sucht ihn. Er sucht sie. Und man sucht inzwischen immer öfter im Netz – auf einem der zahlreich vorhandenen Dating-Portale. Viele davon preisen sich als „niveauvoll“ an und versprechen anhaltendes Liebesglück. Niveau und Glück verheißt auch eine neue Aktion der öffentlichen Bibliothek beim Bildungszentrum: „Blind Date mit einem Buch“. Nicht gedacht ist an Romantik am Bücherregal oder an Bücher als Erkennungszeichen für zwei, die zarte Bande knüpfen möchten. Blind Date steht für Überraschung. Für jenen Effekt, der sich einstellt, wenn sich zwei zum ersten Mal begegnen.

Dieses Prinzip haben die Mitarbeiterinnen der Bibliothek nun übernommen. Seit Wochen schnüren sie Bücherpakete. Auf denen jedoch nicht drauf steht, was drin steckt. Vage Hinweise gibt es schon. Geht der Lesestoff in Richtung schöne Literatur oder wendet er sich eher an naturwissenschaftlich Interessierte? Die Palette ist breit.

Bibliotheksmitarbeiterin Suncica Rabic schnürt Blind-Date-Bücherpakete.
Bibliotheksmitarbeiterin Suncica Rabic schnürt Blind-Date-Bücherpakete. | Bild: Jörg Büsche

„Wir bekommen relativ viele Bücher geschenkt“, sagt Bianca Pieper, die Leiterin der Bibliothek, „Bücher, die zum Teil noch völlig ungelesen sind.“ Diese Bände liegen dann für gewöhnlich in jenen „Bücherflohmarkt“-Trögen – in die auch die aus dem Bibliotheksbestand aussortierten Bände wandern. Da greifen dann die Jäger und Sammler zu, auf der Jagd nach Schnäppchen oder lange Gesuchtem. Mit der Blind-Date-Aktion sollen aber gerade jene angesprochen werden, die – aus welchen Gründen auch immer – nie zu diesem Titel oder zu jenem Autor gegriffen hätten, weil sie ihn einfach nicht kennen. Dass es aber bei der Begegnung mit Büchern immer wieder zu Entdeckungen kommt, das weiß die professionelle Leserin Bianca Pieper – aus eigener Erfahrung als Bibliothekarin. Die Blind-Date-Päckchen kosten zwischen einem und drei Euro.

Neben den Bücherpaketen gibt es einen neuen Koffer mit Kinder- und Jugendbüchern in ukrainischer Sprache. Gepackt vom Deutschen Bibliotheksverband und dem Goethe-Institut in der Ukraine. Weil sich sehr viele vor dem Kriegsgeschehen in ihrer ukrainischen Heimat geflüchtete Familien an die öffentlichen Büchereien wandten. Sie suchten nach Büchern für ihre Kinder – in ukrainischer Sprache. Goethe-Institut und Bibliotheksverband wollen deshalb helfen, dass Kinder und Jugendliche einerseits der deutschen Literatur begegnen – in ukrainischer Übersetzung – und andererseits den Bezug zu den ukrainischen Büchern ihrer Heimat nicht verlieren.