„Seid ihr noch ganz knusper?“ Dieser Internetauftritt kommt ganz schön frech daher – und das ist Absicht. Denn Frank Beccara, seit einigen Wochen der neue Mitinhaber des alteingesessenen Naturkostladens in der Marktstraße, weiß, dass Frechheit siegt. Er formuliert das allerdings anders: „Wer neue Kunden gewinnen will, der muss sie gezielt ansprechen.“ Und gemeinsam mit Yvonne Knapp, der Mitinhaberin des Knusperhäusles, wie ihr Bioladen heißt, will er verstärkt junge Menschen ansprechen.

Das Rezept ist Frank Beccara bestens vertraut. „Ich war lange Jahre im Vereinssport als Handballtrainer tätig.“ Und wer da mit seinem Verein vorankommen möchte, der muss gezielte Nachwuchsarbeit leisten. Laut Beccara sei die Situation durchaus vergleichbar. Ein Überangebot an Freizeitmöglichkeiten lasse die Jugendlichen wählerisch sein. „Man muss sie abholen“, sagt der Ex-Trainer. Das gelinge aber nur, wenn die Bedürfnisse der jungen Menschen erkannt und, ganz wichtig, mit den richtigen Worten angesprochen werden. So ähnlich verhalte es sich inzwischen auch im Naturkosthandel. „Bio ist schon lange keine Nische mehr“, sagt der Händler. Bioprodukte, Biolebensmittel begegneten inzwischen in jedem Einkaufsmarkt. Sogar die Discounter-Ketten setzten auf gesund und auf nachhaltig Produziertes.

Zoe Beeara liebt Käse und sie liebt es, ihre Kunden zu beraten.
Zoe Beeara liebt Käse und sie liebt es, ihre Kunden zu beraten. | Bild: Jörg Büsche

Die Frage, warum jemand in seinen Naturkostladen kommen soll, wenn es Gesundes und ökologisch Unbedenkliches auch draußen auf der grünen Wiese, beim Discounter, gibt, beantwortet Beccara so: „Wir achten auf Regionalität.“ Damit würden Transportwege umgangen, das sei ressourcenschonend. Hinzu komme: „Wir kaufen nach Möglichkeit bei den Landwirten, bei den Produzenten in der eigenen Region ein.“ Und damit ist der Naturkosthändler dann auch schon beim nächsten, beim derzeit brennendsten Thema: dem rasanten Preisanstieg gerade im Lebensmittelhandel. „Wir können unsere Preise relativ stabil halten, weil bei uns eben keine immer weiter steigenden Transportkosten zu Buche schlagen“, sagt Frank Beccara.

Kein langes Überlegen

„Als wir die Notiz gelesen haben, waren wir wie elektrisiert“, beschreibt Beccara, wie er und Yvonne Knapp zum Markdorfer Knusperhäusle gekommen sind. Beide arbeiten im Management eines Biotee-Vertriebs. Und als sie bei einer Bestellung von Thomas Waldraff, dem früheren Inhaber des Naturkostladens in der Marktstraße, den Hinweis lasen, dass er auf der Suche nach einem Nachfolger sei, bedurfte es keines langen Überlegens. „Wir wussten ja, wie es um das Knusperhäusle bestellt ist.“ Das Geschäft habe einen stabilen Kundenstamm und sei in bester Lage.

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Da galt es nur noch zu optimieren. „Die Discounter machen es ja vor“, erklärt Beccara. Sie erweitern ihre Produktpalette, bieten außer Lebensmitteln längst auch Haushaltswaren, Sportartikel und vieles andere an. Ganz so weit möchte man im Knusperhäusle nicht gehen, außerdem beim Grundgedanken des Ressourcenschonens bleiben. Es finden sich Hygieneartikel, aber auch Keramikwaren im Sortiment.

Der Rest ist das Team. „Hier arbeiten Spezialisten, Leute, die sehr viel Ahnung haben – von Gemüse, Brot oder Käse“, betont Frank Beccara. Und auch das weiß er aus seiner Vergangenheit als Handballtrainer. Wer auf ein gutes Team bauen kann, der muss keine Abstiegsängste haben – ganz im Gegenteil.