Pünktlich zum Hobbymarkt sanken die Temperaturen. Das steigerte den Absatz von warmen Socken, Schals und Mützen. Stände mit Handgestricktem oder Selbstgehäkeltem gab es etliche in der Stadthalle, wo am Wochenende der Markdorfer Hobbymarkt stattfand. Jahr für Jahr laden die Musikfreunde zu dieser regionalen Leistungsschau der Kunsthandwerker, Freizeitkünstler und Kreativen ein. Sofern den Veranstaltern und Ausstellern keine Pandemie dazwischen kommt.

Kunden und Aussteller kennen sich teils seit 20 Jahren

„Endlich wieder“, freut sich Gabriele Mildner-Macintosh, als sie Marlies Ehinger an deren Stand entdeckt. „Wir kennen uns seit mindestens 20 Jahren“, erklärt sie. Seit dieser Zeit kommt sie jeden Herbst in die Stadthalle, um bei Marlies Ehinger Weihnachtsdekoration zu kaufen. Zumeist sind es Türkränze – „weil die so haltbar sind und so natürlich, ganz ohne viel Schnickschnack“, erklärt die Stammkundin aus Markdorf. Die Freude übers Wiedersehen ist bei beiden Frauen offensichtlich.

Bei Marlies Ehinger findet Gabriele Mildner-Macintosh Weihnachtschmuck.
Bei Marlies Ehinger findet Gabriele Mildner-Macintosh Weihnachtschmuck. | Bild: Jörg Büsche

Eben dieses Wiedersehenserlebnis und den Wert der Begegnung hatte wenige Minuten zuvor Bürgermeister Georg Riedmann angesprochen, als er in seiner kurzen Begrüßungsrede seine Erleichterung ausdrückte, dass nach zwei langen Coronajahren doch wieder Gemeinschaft stattfinden darf.

Manche arbeiten auf Vorrat, andere auf den Markt hin

Ulrike Munder hat nicht auf Halde gearbeitet. Die Hausschuhe, die sie an ihrem Stand im Nebenraum der Stadthalle anbietet, sind alle während der vergangenen acht Wochen entstanden. Im Sommer sei sie noch skeptisch gewesen, ob der Hobbymarkt überhaupt stattfinden kann. „Da wollte ich mich nicht unnötig mit Auf-Vorrat-Produziertem belasten“, erklärt die Schuhfee aus Herdwangen-Schönach.

Ulrike Munder verkauft Filzschuhe.
Ulrike Munder verkauft Filzschuhe. | Bild: Jörg Büsche

Durchaus auf Vorrat produziert hat Porzellan-Malerin Marianne Walter. Lustige Bildmotive und Sprüche auf Porzellan zu pinseln, davon wollte sie sich auch von der Corona-Pandemie nicht abhalten lassen. „Kreativität gibt einem Halt.“

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Brezeln und musikalische Begrüßung für Aussteller

Brezeln gab‘s indes für die Kreativen – das hat Tradition. Eine weitere Tradition beim Markdorfer Hobbymarkt ist, dass die Veranstalter alle Künstler und Handwerker in der Stadthalle mit einem kleinen Konzert begrüßen. An diesem Samstagmittag war es nicht das Orchester, sondern der Chor, der zum Auftakt sang. „Sag Ja zum Leben“ war das Lied, mit dem die Ausstellung der Bastler, Handarbeiterinnen, Spitzenklöpplerinnen und Maler nach zweijähriger Pause reanimiert wurde. „Wann findet er endlich wieder statt“ war schließlich auch die Frage, mit der sich keineswegs nur Aussteller, sondern auch Besucher des Öfteren an Eva Grafmüller gewandt hatten, die Vorsitzende des Musikvereins. „Wir machen den Hobbymarkt jetzt schon seit elf Jahren“, erklärt sie.

Eintritt und Standgelder finanzieren Auftritte der Musikfreunde

Und die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Standgebühren – in diesem Jahr von 42 Ausstellern – brauchen die Musikfreunde, um ihre Konzerte zu finanzieren. „Während der Corona-Pause hatten wir ja kaum Ausgaben, aber auch nur geringe Einnahmen“, erläutert Roland Müller, der Vizevorsitzende des Vereins. Das müsse sich aber dringend ändern. Denn die Musikfreunde haben Großes vor. Chorleiter Uli Vollmer wünscht sich zu seinem Abschied im nächsten Sommer Haydns „Schöpfung“ – und das als szenische Aufführung. „Wie es ausschaut, müssen wir uns da aber noch zusätzliche Sponsoren suchen“, erklärt Müller.