Die Zimmerarbeiten ebenso wie die modifizierte Dachabdeckung für die Sanierung des Rathauses müssen neu ausgeschrieben werden, ebenso zwei weitere Gewerke: Die abgegebenen Angebote lagen teils mehr als 200 Prozent über der ausgeschriebenen Höchstsumme. Grund seien die in den vergangenen Monaten extrem gestiegenen Baukosten, hieß es in der Vorlage der Verwaltung. Nun soll in einem beschränkten Verfahren auf wenige Bieter reduziert neu ausgeschrieben werden.

Inzwischen ist der Fahrstuhlschacht fertig. Und im Oktober kommen die neuen Fenster fürs Rathaus.
Inzwischen ist der Fahrstuhlschacht fertig. Und im Oktober kommen die neuen Fenster fürs Rathaus. | Bild: Jörg Büsche

Diesen Schritt hatte das das begleitende Architekturbüro GMS Architekten auch für weitere Gewerke vorgeschlagen, deren Angebote den errechneten Kostenrahmen überschritten hatten – mitunter ebenfalls drastisch. Dies betraf die Spenglerarbeiten, den Metallbau und die Schlosserarbeiten. Von acht Gewerken hätten vier den Kostenrahmen gesprengt, hatte Bauamt-Sachbearbeiterin Monika Gehweiler erklärt. Sie verwies auf die derzeit emporschießenden Materialpreise. Von dem Architekturbüro soll nun eine Bieterliste vorbereitet werden.

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Gewöhnliche Ziegelpfannen statt Schiefer

Eingespart werden soll dafür beim Dach: Die Anregung kam von Dietmar Bitzenhofer. Er habe sich in den letzten Wochen mit etlichen Handwerkern ausgetauscht, so der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gemeinderat. Die Gespräche hätten sich dabei auch ums Rathaus gedreht. Das wird derzeit vollständig saniert und sollte im Frühjahr wieder zur Arbeitsstätte der Stadtverwaltung werden. Derzeit ist das Rathaus in der Schlossscheuer des Bischofschlosses untergebracht.

Auf drei Dachteilflächen kommen künftig Photovoltaikanlagen.
Auf drei Dachteilflächen kommen künftig Photovoltaikanlagen. | Bild: Jörg Büsche

Er habe wiederholt das Thema Dach angesprochen, berichtete Bitzenhofer. Beim Bau in den 1960er-Jahren hatte man das Rathaus mit Schiefer eingedeckt, einem Material, das im süddeutschen Raum eher selten verwendet wird. Dementsprechend selten kommen Dachdecker und Zimmerleute mit dem raren Naturstein in Berührung, so Bitzenhofer. Und dementsprechend gering waren auch die Aussichten, ein Unternehmen zu finden, dass bereit war, das Rathausdach wieder mit Schiefer einzudecken. Unterdessen hatte sich herausgestellt, dass es einer grundlegenden Dachsanierung bedarf. Der Grund: Unterm Schiefer hatte sich die Dachpappe aufgelöst. Bitzenhofers Vorschlag war deshalb, auf das schöne, aber ortsunübliche Material zu verzichten. Stattdessen schlug er vor, flache Ziegelpfanne in schwarzgrau aufs Rathausdach zu bringen.

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Beim Dach sind sich die Fraktionen einig

Sein Vorschlag fand fraktionsübergreifenden Zuspruch, nachdem Bürgermeister Georg Riedmann zuvor den Beschlussvorschlag mit dem Schwenk von Schieferplatten auf Ziegelpfannen abgeändert hatte. Bitzenhofers Vorschlag war umso willkommener, als sich die „immens angestiegenen Kosten“ durch den Verzicht auf Schiefer nicht unerheblich senken lassen, wie er darlegte. CDU-Rat Erich Wild signalisierte „200-prozentige Unterstützung“, eine „prima Idee“, fand auch UWG-Fraktionschef Joachim Mutschler.

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Zuvor hatte Riedmann angeboten, die gesamte Dacheindeckung zur Diskussion zu stellen. Er erklärte aber, dass eventuelle „Systemwechsel“, etwa bei der geplanten Photovoltaikanlage auf der Süd-, Ost-, und Westseite des Rathausdachs unter Umständen zu Einwänden der Denkmalbehörde führen könnten.

Das Denkmalamt hat einen Blick auf die Dachlandschaft. Gewachsene Strukturen müssen da erhalten werden.
Das Denkmalamt hat einen Blick auf die Dachlandschaft. Gewachsene Strukturen müssen da erhalten werden. | Bild: Jörg Büsche

Ein Hinweis, den SPD-Fraktionschef Uwe Achilles aufgriff: „Ziegel statt Schiefer, das werden wir mittragen.“ Das Vergabepaket Dacheindeckung aber komplett wieder aufzuschnüren, davon riet er ab. Zumal das Denkmalamt beim Thema Dachlandschaften „relativ enge Hosen“ trage. Zu groß, so hatte Riedmann zuvor ausgeführt, sei die Nähe zur St-Nikolaus-Kirche und anderen historischen Gebäuden.