Die Gastronomen: Hoffen auf Veranstaltungen im Herbst

Die Spontaneität der Kundschaft ist noch nicht wieder zurück. Aber der Trend ist inzwischen deutlich positiver, bemerkt Gastronomin Magdalena Linnig vom „Ambasadorka“. Vor genau einem Jahr hat sie mit ihrem Mann Michael ihr neues Café mit Wohnzimmeratmosphäre in der Ulrichstraße eröffnet. Viele ihrer Kunden freuen sich, dass sie noch da sind und den Lockdown überstanden haben.

Magdalena und Michael Linnig haben sich im „Ambasadorka“, ihrem Café und Vinothek, Genuss und Gemütlichkeit auf die Fahnen geschrieben. (Archivbild)
Magdalena und Michael Linnig haben sich im „Ambasadorka“, ihrem Café und Vinothek, Genuss und Gemütlichkeit auf die Fahnen geschrieben. (Archivbild) | Bild: Toni Ganter

Dass sich ihre Gäste wohlfühlen und auch genießen können, genau das hat sich das Ehepaar Linnig auch auf die Fahnen geschrieben. Nicht umsonst trägt ihr Café den Namen „Ambasadorka“, was so viel heißt wie „Botschafterin für Genuss“. Dass manche Gäste es schon als „Bereicherung in Markdorf“ bezeichnet haben, ist für sie nicht nur ein sehr großes Lob, sondern auch ein Ausgleich für die emotional schwierige Lockdown-Zeit. Nun hoffen die Linnigs, dass sie im Herbst die Konzerte, Koch- und Winzerabende wie geplant durchführen können.

Der Einzelhändler: Ein erneuter Lockdown wäre „Gift“

„Befreit und erleichtert, dass es weiter geht“, ist Inhaber Nico Schneider von Wolfram S Männermode, dem Herren- und Hochzeitsausstatter im Proma. Denn auch bei ihm war während des Lockdowns die Situation sehr kritisch und angespannt. Fast ein halbes Jahr war sein Fachgeschäft geschlossen. Der Bedarf sei nach dem Lockdown besonders groß. „Deshalb läuft es bei uns sehr, sehr gut“, freut sich der Modefachmann. Schneider weiß um sein Alleinstellungsmerkmal.

Bei Nico Schneider von Wolfram S Männermode im Proma in Markdorf läuft das Geschäft wieder sehr gut.
Bei Nico Schneider von Wolfram S Männermode im Proma in Markdorf läuft das Geschäft wieder sehr gut. | Bild: Privat

„Wer Wert legt auf Qualität, und solche Kunden haben wir am Bodensee, sucht die Fachberatung und gibt durchaus auch viel Geld dafür aus. Das ist unser Vorteil“, ergänzt er. „Die Menschen sind seiner Ansicht nach „gottfroh und freuen sich, dass sie wieder bummeln und einkaufen gehen zu können“. Bei einem neuen Lockdown sähe der Einzelhändler allerdings schwarz: „Das verkraften 90 Prozent der Unternehmen nicht mehr, egal welche Branche und auch für unsere Gesellschaft wäre das Gift“.

Die Kosmetikerin: Kunden nehmen 3 G-Regel gut an

„Ich fühle mich erleichtert, dass ich wieder arbeiten darf. Das war für mich wie ein Berufsverbot“, so die staatlich geprüfte Kosmetikerin Doris Diamantidis vom Kosmetikstudio iremia in Stadel zur harten Zeit des Lockdowns. Nachdem sie ihr Kosmetikstudio seit 14 Jahren erfolgreich betreibt, war es für sie ein 'besonders merkwürdiges Gefühl, nicht selber für sich sorgen zu können“. Inzwischen läuft es bei ihr wieder sehr gut. „Meine Kunden kommen wie`s Uhrwerkle“, scherzt sie.

Doris Diamantidis blickt aus dem Fenster ihres Kosmetikstudio iremia in Stadel und freut sich auf Ihre Kunden
Doris Diamantidis blickt aus dem Fenster ihres Kosmetikstudio iremia in Stadel und freut sich auf Ihre Kunden | Bild: Privat

Auch mit den 3 G‘s (geimpft, genesen oder getestet) gibt es keinerlei Schwierigkeiten, denn die Kundschaft sei einfach nur glücklich, wieder in ihr Studio in Stadel kommen zu können. „Jeder sehnt sich doch auch nach Nähe, Zuwendung und Normalität“, ist die Unternehmerin überzeugt. Mit Ausblick auf den Herbst ist sie optimistisch: „Weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die noch mal alles dicht machen“.

Der Reiseunternehmer: Langfristige Planung noch nicht wieder möglich

„Es geht natürlich aufwärts und unsere Gäste sind happy, dass sie endlich wieder reisen dürfen und nicht mehr zuhause sitzen müssen“, so Christian Wegis von Busreisen Wegis in Ahausen. Der immense Schaden durch 15 Monate Stillstand werde ihn allerdings noch mehrere Jahre begleiten. „Sowas möchte man nie mehr haben“, so die Lockdown-Bilanz des erfahrenen Reiseunternehmers.

Christian Wegis von Busreisen Wegis in Ahausen hofft, dass das Leben bald wie früher sein wird und er dann wieder genauso reisen und planen kann.
Christian Wegis von Busreisen Wegis in Ahausen hofft, dass das Leben bald wie früher sein wird und er dann wieder genauso reisen und planen kann. | Bild: Privat

Nach wie vor ist auch sein Team in Kurzarbeit. Denn das Busunternehmen muss noch immer viele Stornos und Ausfälle verkraften. „Die Kunden sind vorsichtig und buchen relativ kurzfristig, oft mit nur drei bis fünf Tagen vor Abreise. „Das macht es für uns sehr schwierig zu planen und man weiß ja nicht, was kommt im Herbst“, sagt Wegis. Seine Hoffnung: „dass das Leben bald wieder wie früher sein wird – mit oder ohne Corona“ – und er dann genauso reisen und auch wieder längerfristig planen kann.

Der Musiker: Leerer Auftragskalender bis Mitte 2022

„Im Bereich Musik ist die Lage nach wie vor verheerend“, klagt Musiker Tom Wagener aus Markdorf. Insgesamt sind während des Lockdowns rund 100 Auftritte bei ihm ausgefallen. „Normalerweise ist mein Terminkalender zwölf bis 13 Monate im Voraus voll. Diesmal hat er bis zum Jahresende gerade mal acht Auftritte und diese in Holland oder Italien“, fügt der in der Szene begehrte Drummer hinzu. Veranstalter, so sie überhaupt noch existierten, brauchen Planungssicherheit, weiß der Mann, der darüber hinaus Produzent, Promoter und Tontechniker ist.

Schlagzeuger Tom Wagener aus Markdorf hofft, dass die Abstandsregeln für die Kulturschaffenden bald fallen.
Schlagzeuger Tom Wagener aus Markdorf hofft, dass die Abstandsregeln für die Kulturschaffenden bald fallen. | Bild: Johan Breij

Doch weil es diese Sicherheit nicht gebe und das Damoklesschwert eines vierten Lockdowns nach wie vor über den Kulturschaffenden hänge, zieht sich auch sein leerer Auftragskalender noch bis in die Mitte des nächsten Jahres: „Keiner bucht derzeit Künstler fürs Winterhalbjahr. Kulturangebote, die für den Frühling 2022 geplant waren, werden von Veranstaltern schon jetzt auf Sommer und Herbst im kommenden Jahr verschoben. Die Zitterpartie will niemand mehr mitmachen“, schimpft der Musiker und fügt hinzu, dass Kulturschaffende in der Politik leider keine Lobby hätten. Für ihn ganz wichtig: dass vor allem bei Kulturveranstaltungen die Abstandsregeln bald fallen. Glücklicherweise geht es in seinem Kopierladen in Markdorf inzwischen wieder bergauf und so kann er sich über Wasser halten.

Der Veranstalter: Dem Team wieder eine Perspektive geben

„Der ganze Veranstaltungsbereich ist der, den es am härtesten erwischt hat und der auch als letztes wieder in Betrieb gehen wird“, so die Überzeugung von Jens Gießler, dem Inhaber der Firma organissimo. Die Agentur mit Sitz in Markdorf ist abhängig von Veranstaltungen und Events, die die Firmen und Industriebetriebe durchführen. „Für dieses Jahr waren nahezu alle klassischen Veranstaltungen wie Jubiläen, Kongresse oder Konferenzen abgesagt“, so Gießler. Nach wie vor seien seine Kunden zurückhaltend, da sie nicht wissen, ob sie die geplante Veranstaltung auch durchführen können. Zwar finden inzwischen wieder die ersten Messen statt, aber in einem deutlich geringeren Umfang mit nur noch 40 bis 50 Prozent.

Jens Gießler von der Veranstaltungsfirma organissimo möchte seinem Team wieder eine Perspektive geben.
Jens Gießler von der Veranstaltungsfirma organissimo möchte seinem Team wieder eine Perspektive geben. | Bild: privat

Deshalb schwingt für den Veranstaltungsmanager immer auch die Frage mit: „Wie weit fahre ich den Laden wieder hoch, was ist verkraftbar, ohne zu wissen, ob es auch zu entsprechenden Aufträgen kommt?“. Und dann ist da die Frage: „Wird die Kurzarbeit nochmals verlängert oder nicht? Wenn es so weiter geht, müssen sich viele in unserer Branche spätestens Ende des Jahres fragen, wie viele Menschen entlassen wir?“, so der Unternehmer. „In unserem Bereich fehlt ganz klar jegliche Planbarkeit und wenn sich die Auftragslage nicht bessert, sind wir tatsächlich wieder auf den Staat angewiesen“, ist sich Gießler sicher. In seinem Unternehmen hat er die Kurzarbeit am 1. August beendet, um seinem Team wieder eine Perspektive zu geben.