Der Markdorfer Friedhof soll umgestaltet werden. Und die Stadt möchte wissen, was sich die Bürger wünschen. Was sich dort ändern soll oder was sie auf ihrem Friedhof unbedingt erhalten möchten. Bei einer Informationsveranstaltung in der Aussegnungshalle bekamen Interessierte einen Eindruck von den vorläufigen Plänen der Stadtverwaltung.

Jacqueline Leyers und Angelika Websky aus der Stadtverwaltung bereiten den Informationsabend vor.
Jacqueline Leyers und Angelika Websky aus der Stadtverwaltung bereiten den Informationsabend vor. | Bild: Jörg Büsche

Gregor Depta, Landschaftsarchitekt beim Überlinger Büro Freiraumwerkstadt, stellte vor, was seine Kollegen als erste Leitlinien erarbeitet haben. Bauamtsleiter Michael Schlegel und Jacqueline Leyers, Freiraumgestalterin im Stadtbauamt, erläuterten, wie das Konzept umgesetzt werden soll.

„Wir starten in den nächsten Wochen“, kündigte Michael Schlegel an. In den Haushalt sind 150 000 Euro eingestellt, damit ab Mitte Mai die Wege im nördlichen Teil des Friedhofs saniert werden. Sie bekommen einen neuen Asphaltbelag. Dies sei dringend erforderlich, um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen, so Schlegel. Diese Arbeiten haben noch wenig mit der geplanten Umgestaltung des Geländes zu tun.

Der rückwärtige Bereich des Kriegerdenkmals harrt der Aufwertung.
Der rückwärtige Bereich des Kriegerdenkmals harrt der Aufwertung. | Bild: Jörg Büsche

Umgestaltung in kleinen Schritten

„Die Wege befinden sich einfach in einem verheerenden Zustand“, bedauert Bürgermeister Georg Riedmann. Er stellt klar, dass der Markdorfer Friedhof keineswegs in den kommenden anderthalb Jahren komplett umgestaltet werden soll. Vieles bleibe so wie es ist – gerade auf den historischen Bereichen des Geländes, das an manchen Stellen unter Denkmalschutz steht.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Wege müssen saniert werden.
Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Die Wege müssen saniert werden. | Bild: Jörg Büsche
Soll ansprechender werden: der Eingangsbereich des Friedhofs.
Soll ansprechender werden: der Eingangsbereich des Friedhofs. | Bild: Jörg Büsche

Immer mehr alternative Bestattungsformen

Grundsätzlich gilt es auf den Wandel der Bestattungskultur zu reagieren. Bauamtsleiter Michael Schlegel nannte die Stichwörter Baumbestattung, Urnenwand, anonymes Rasenurnengrab. Formen, die die herkömmlichen Reihengräber immer öfter ersetzen. Auf diese Weise bleibt manche Fläche unbelegt. In diesem Zusammenhang kündigte Schlegel an, dass demnächst eine dritte Mauer mit weiteren Urnenkammern errichtet werden soll.

Der Friedhof bekommt eine dritte Urnenwand.
Der Friedhof bekommt eine dritte Urnenwand. | Bild: Jörg Büsche

Manchen Wandel bedingen indes ganz andere Faktoren, erläuterte Michael Schlegel. Konnten Kies- und Schotterflächen bislang durch den Einsatz chemischer Mittel von Unkraut freigehalten werden, so heißt es nun, den Einsatz von Herbiziden zu vermeiden. Die Folge ist, dass in Zukunft vermehr sogenannte Schotterrasenflächen angelegt werden sollen. Das Grün sprießt zwischen dem Gestein empor, kann aber gemäht werden. Für Rollatoren stellt Schotterrasen kein Hindernis da, versicherte Schlegel.

Ausbau zu einer Parkanlage

Landschaftsarchitekt Gregor Depta stellte die Planentwürfe für die mittel- und langfristigen Veränderungen auf dem Friedhof vor. Ein Kernpunkt ist, im mittleren Geländebereich die bereits in Ansätzen vorhandene parkähnliche Struktur weiter auszubauen.

Gregor Depta, Landschaftsarchitekt beim Überlinger Büro Freiraumwerkstadt, präsentiert die Planungen.
Gregor Depta, Landschaftsarchitekt beim Überlinger Büro Freiraumwerkstadt, präsentiert die Planungen. | Bild: Jörg Büsche

Wie Depta erklärte, werden dort auch weiterhin Gräber bleiben, aber deutlich weniger als bisher. So kann dort der Fuß- beziehungsweise irgendwann auch der Radverkehr entlang geführt werden. Zwischen durchaus wertvollem Baumbestand, auf den bestehenden stattlichen Grünflächen sollen Sichtachsen geschaffen werden.

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Grüne Oase im Norden der Stadt

Albin Ströbele, Vorstandsmitglied des Markdorfer BUND-Ortverbands merkte an, dass der Friedhof „eine ausgesprochen reiche Vogelwelt besitzt“. Auch dies sei ein Grund, bei allen Veränderungsplänen auf den Naturschutz zu achten. „Der Friedhof wäre doch ein geeigneter Platz, um dort Blühwiesen anzupflanzen.“ Diesen und weitere Gestaltungsvorschläge nahm Michael Schlegel gerne mit. Gleichwohl ließ er eine gewisse Skepsis durchblicken. „Auf dem Friedhof muss uns der Spagat gelingen“, so der Bauamtsleiter.

Auch die Wasserentnahmestellen werden langfristig umgestaltet.
Auch die Wasserentnahmestellen werden langfristig umgestaltet. | Bild: Jörg Büsche
Auf dem Friedhof gibt es schon jetzt wertvollen Gehölzbestand.
Auf dem Friedhof gibt es schon jetzt wertvollen Gehölzbestand. | Bild: Jörg Büsche

Dialog mit den Bürgern wichtig

Herkömmliche Vorstellungen, wie es rund um die Gräber auszusehen habe und wie mit neue Gestaltungsmöglichkeiten experimentiert werden kann, zu verbinden, ist die Herausforderung. Michael Schlegel und Bürgermeister Georg Riedmann betonten, dass der Dialog mit den Bürgern wichtig sei. Sie versicherten, dass vor jedem weiteren Schritt der Gemeinderat beteiligt und die Bürger befragt werden.