Er hat das Gesicht der heutigen Markdorfer Innenstadt wesentlich mitgeprägt, vergangene Woche ist er im Alter von 84 Jahren gestorben: Der Architekt Alfred Kästle hat den Ochsenplatz entworfen und mit seinem Büro in der Gehrenbergstadt vor rund 40 Jahren die Renovierungen und Umbauten am Bischofschloss geplant und gestaltet. Von den 70er-Jahren an galt Kästle in der Region als Koryphäe für moderne Architekturlösungen, auch die ersten Hochhausbauten in Markdorf stammen aus seiner Feder.

Eines der wenigen Fotos von Alfred Kästle. Der Architekt lebte zuletzt zurückgezogen in Lindau am Bodensee.
Eines der wenigen Fotos von Alfred Kästle. Der Architekt lebte zuletzt zurückgezogen in Lindau am Bodensee. | Bild: Archiv Felix Kästle

Beim Stararchitekten Egon Eiermann gelernt

Seinerzeit war er nach Studiums- und ersten Arbeitsjahren in Karlsruhe an den Bodensee zurückgekehrt. Nach dem Tod seines Bruders Otto hatte er 1969 von Otto Kästles Ehefrau Ingrid dessen Büro in Markdorf übernommen. Ingrid Kästle blieb auch in den Folgejahren als Büroleiterin seine rechte Hand und wertvolle Ratgeberin. „Mein Vater kam vom Stararchitekten Egon Eiermann, der unter anderem die Gedächtniskirche in Berlin gebaut hatte, aus Karlsruhe zurück und wollte hier Großes bewegen“, erinnert sich heute sein Sohn Felix Kästle, der für die Presseagentur dpa als Fotograf arbeitet. Geprägt war Alfred Kästle ohnehin bereits durch seine Herkunft: Auch sein Vater Heinrich war schon Architekt gewesen.

Der von Alfred Kästle entworfene Ochsenplatz wurde zum Stadtfest 1981 als neue moderne Mitte Markdorfs eingeweiht. Seine klare Architektursprache galt damals als vorbildhaft für eine geglückte Innenstadtgestaltung.
Der von Alfred Kästle entworfene Ochsenplatz wurde zum Stadtfest 1981 als neue moderne Mitte Markdorfs eingeweiht. Seine klare Architektursprache galt damals als vorbildhaft für eine geglückte Innenstadtgestaltung. | Bild: Helmar Grupp

Das Markdorfer Schloss-Areal neu entworfen

Markdorfs früherer Stadtbaumeister Gebhard Geiger erinnert sich noch gut an die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit Alfred Kästle, der in den 70er- und 80er-Jahren im Rathaus ein und aus ging. „Neben dem Ochsenplatz als neuer und moderner Mitte Markdorfs hat Kästle den gesamten Bereich ums Schloss neu entworfen, darunter auch das komplette Gebäude-Areal an der Kleinen Steige“, berichtet Geiger.

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Mit seinem Büro habe Kästle den Neubau der Schlossscheuer, die zuletzt im Zuge der Rathausumzugspläne kontrovers in der Diskussion war, die Renovierung des Schlossturms und den Bau der Bischofschloss-Tiefgarage verantwortet. „Mit all diesen Projekten hat Alfred Kästle zwischen 1977 und 1985 ganz wesentliche Bereiche der Innenstadtentwicklung durchgeplant und mitgeprägt“, sagt Geiger. Ein Kästle-Entwurf ist nicht zuletzt auch die Aussegnungshalle am Friedhof.

Alfred Kästles letztes großes Markdorfer Projekt war der Neubau des Weber-Firmensitzes Ende der 90er-Jahre.
Alfred Kästles letztes großes Markdorfer Projekt war der Neubau des Weber-Firmensitzes Ende der 90er-Jahre. | Bild: Henry M.Linder

Weber-Neubau mit dem markanten Turm

Sein letztes großes und vielleicht markantestes Markdorfer Projekt war 1998/99 der Neubau des Technologiezentrums von Weber Automotive, mit dem weithin sichtbaren Rundturmbau der Verwaltung. Das Projekt im seinerzeitigen unteren dreistelligen Millionen-Mark-Bereich umfasste neben den Neubauten der Verwaltung auch die neue und damals hochmoderne Produktionshalle mit den innovativen Lkw-Hubtischen. Der Markdorfer Architekt Gerhard Lallinger, damals Anfang Dreißig, hatte für das Weber-Vorhaben die Projektleitung übertragen bekommen.

Ex-Bürgermeister Bernd Gerber: „Alfred Kästle hat Großes für die Stadt geleistet, seine Spuren sind seit den 80er-Jahren überall in Markdorf anzutreffen.“
Ex-Bürgermeister Bernd Gerber: „Alfred Kästle hat Großes für die Stadt geleistet, seine Spuren sind seit den 80er-Jahren überall in Markdorf anzutreffen.“ | Bild: Freie Wähler

Ex-Bürgermeister Gerber: Großes für die Stadt geleistet

Für die Stadt Markdorf habe Kästle Großes geleistet, sagt auch Ex-Bürgermeister Bernd Gerber. Sein Wirken sei zwar noch zuzeiten von Bürgermeister Eugen Baur und damit vor Beginn seiner eigenen Amtszeit gewesen, doch Kästles Spuren seien seit den Achtzigern überall in Markdorf anzutreffen und sichtbar gewesen, würdigt Gerber den Innenstadt-Planer.

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Alfred Kästle lebte in den vergangenen Jahren zurückgezogen in Lindau, mit seiner vor eineinhalb Jahren verstorbenen Frau Waltraud. Er hinterlässt drei Söhne, Florian, Simon und Felix. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.