Am Tag des offenen Denkmals ist Hermann Zizlsperger immer gefordert. Dieses Jahr erläuterte der Regionalhistoriker sowohl in Markdorf als auch im benachbarten Bermatingen, was sich aus „Wappen, Schildern, Hauszeichen und Fassadengestaltungen“ herauslesen lässt, sofern der Betrachter in der Lage ist, „Kultur-Spuren“ zu lesen. Bermatingens Bürgermeister Martin Rupp staunte, „wie viele Interessierte gekommen sind“, wusste aber: „Hermann Zitzlspergers Führungen sind ja legendär“.

Das Wappen am Haus des Amanns in Bermatingen zeigt die Symbole des Salemer Klosters.
Das Wappen am Haus des Amanns in Bermatingen zeigt die Symbole des Salemer Klosters. | Bild: Jörg Büsche

Ohne Zeichen keine Orientierung: Historiker Zitzlsperger erklärte das anhand des Bären-Wappens am historischen Rathaus. Zunächst aber schilderte er, wie sehr unsere Vorfahren auf deutliche Markierungen angewiesen waren. Ortsunkundige hätten die Ortsschilder erst gar nicht lesen können. Ebenso wenig wie Straßennamen oder Hausnummern. Ziffern und Buchstaben waren der übergroßen Mehrheit gänzlich fremd, konnten die doch in der Regel weder lesen noch schreiben.

Zeichen bieten Orientierung

Am Vormittag hatte der pensionierte Realoberlehrer seinen Zuhörern in Markdorf mithilfe eines fotografierten und an Räuberzinken erinnernden Strichgebildes erklärt, zu welchen Auswegen man griff, um doch noch den richtigen Weg zu finden. Die Strichzeichnung markierte, wie viele Straßen zu kreuzen waren, bis jener Ort erreicht war, wo der Bedürftige zu seiner Suppe kam. Zeichen bieten Orientierung. Besonders wichtig wurde das bei den Kreuzzügen.

Im Gewimmel der Heerhaufen, so malte Zitzlsperger aus, boten bunte Zeichen Anhalt, wo die Kameraden stehen, mit denen man gemeinsam kämpfen wollte und musste. Von Kampf und Krieg war indes nur selten die Rede – weder in Bermatingen, noch in Markdorf. Dafür erklärte Zitzlsperger, welche Rolle die Wappen einst bei der adligen Selbstdarstellung spielten – bei Turnieren und kaum minder wichtig für die Markierung von Besitz.

Nicht nur Wappen und Hauszeichen, sondern auch Skulpturen wie die beiden jungen Männer auf dem Latscheplatz stehen auf dem Programm.
Nicht nur Wappen und Hauszeichen, sondern auch Skulpturen wie die beiden jungen Männer auf dem Latscheplatz stehen auf dem Programm. | Bild: Jörg Büsche

„Woher kommt eigentlich der Adel?“ Die Frage in die Runde blieb unbeantwortet – bis der pensionierte Schulmann endlich selbst einen Ausflug in die Sozialgeschichte unternahm. Je mehr überlebende Kinder, so Zitzlspergers These, je mehr Sippe, desto mehr Macht. Und je mehr Macht, desto größer die Chance zum Repräsentanten eines wirklich Mächtigen zu werden: zum Beispiel eines Bischofs.

Bild 3: Auf der Spur geheimnisvoller Zeichen beim Tag des offenen Denkmals
Bild: Jörg Büsche

Dass die Eigentümer des Bischofsschlosses, die Fürstbischöfe von Konstanz, allesamt aus Adelsfamilie stammten, deshalb ihre Familienwappen im Bischofswappen am Schloss auftauchen, verwunderte die Zuhörer kaum. Schon hellhöriger machte sie, dass Erasmus von Rotterdam den Erbauer des Schlossturms, Hugo von Landeberg, als wenig kriegerischen, dafür um so kunstsinnigeren Mann pries. Kunstsinnig im Sinne großer literarischer Bildung war auch Jakob Gretser, der große Sohn Markdorfs.

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Er habe sogar ein Stück geschrieben, so Zitzlsperger, drall und prall und voller Ausfälle gegen die Protestanten, „dass ich dessen Aufführung hier in Markdorf wohl nie mehr erleben werde“. Durchaus noch erleben dürfte er, wo der Stadtsoldat mit den beiden Wappenschildern wieder aufgestellt wird. „Er ist seit einiger Zeit verschwunden“, erkundigte sich ein Zuhörer nach dem Verbleib des Denkmals. Hauptamtsleiter Klaus Schiele konnte beruhigen: „Wir suchen nach einem geeigneten Platz.“