„Armut ist alles andere als sexy, sondern einfach bitter“, erinnert Renate Hold vom Leitungsteam des Markdorfer Mehrgenerationenhauses (MGH) an einen Spruch Klaus Wowereits bezogen auf die Stadt Berlin. Die fünf Buchstaben des neuen Projekts „Dabei“ stehen für Demokratie, Armut, Beteiligung, Empowerment (deutsch: Befähigung, Stärkung) und Impulse.

Menschen ansprechen, die finanzielle Sorgen haben

Hold und ihre Mitstreiterinnen wollen Menschen ansprechen, die finanzielle Sorgen haben, trotz Rente arbeiten müssen, auf die Tafel angewiesen sind, sich keine Kulturveranstaltungen leisten können oder das Gefühl haben, von der Politik nicht wahrgenommen zu werden. Bei „Dabei“ gehe es nicht nur um die offiziell als arm geltenden Menschen im Leistungsbezug, sondern auch um diejenigen, die von Armut bedroht seien oder sich arm fühlen.

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Im Mai waren laut Statistischem Bundesamt landesweit 16,4 Prozent der Menschen armutsgefährdet. „Dies entspricht 2500 Markdorfer Bürgern“, rechnet Hold vor. Durch die Inflation und die gestiegenen Energiekosten könne aktuell von einer noch höheren Zahl ausgegangen werden. Bitter sei beispielsweise, wenn sich eine Seniorin mit 900 Euro Rente nach Abzug ihrer Wohnungskosten keinen Besuch im Café oder eines Konzerts leisten könne. „Die aktuellen Teuerungen treffen zunehmend auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“, ergänzt Christin Jungblut, Leiterin des Familientreffs.

„Wir möchten wissen, was ihnen unter den Nägeln brennt.“
Irmgard Teske

Beim ersten Treffen am 9. Dezember um 15 Uhr im Wohnzimmer des MGH will das Team um Projektkoordinatorin Berta Arjona Ideen der Gäste aufnehmen. „Wir möchten wissen, was ihnen unter den Nägeln brennt“, sagt Irmgard Teske, die sich im MGH ehrenamtlich engagiert. Auf dem Plan stehen bereits drei Module: Kultur und gesellschaftliche Teilhabe, demokratische Strukturen und Wirtschaft erlebbar machen sowie aktive Gesundheitsvorsorge. „

Wir planen zum Beispiel den Besuch einer Gemeinderatssitzung und eine Fahrt in den Landtag“, nennt Hold Beispiele. Ziel sei, den Menschen das Selbstbewusstsein zu geben, dass sie Teil der Gesellschaft seien. „Außerdem wollen wir ihnen die Möglichkeit eröffnen, selbst an kleinen Stellschrauben zu drehen“, ergänzt Teske. Das Projekt hat eine Laufzeit von einem Jahr. Gefördert wird es durch das Sozialministerium mit 15 000 Euro. Der Betrag dient vor allem dazu, die Projektkoordination zu finanzieren.