Heike Obergasser von der Gangolf-Apotheke in Friedrichshafen-Kluftern möchte sich in Sachen Impfung fortbilden. Zum zwölfstündigen Lehrgang der Landesapothekerkammer mit Online- und Präsenzterminen kommen die Auffrischung der Ersthelfer-Ausbildung und eine Lernzielkontrolle.

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„Damit wir die Impfung selbst anbieten können, müssten wir betrieblich erst einige Voraussetzungen schaffen“, stellt Obergasser fest. So seien ein komplett abgeschlossenes und nicht einsehbares Beratungszimmer sowie eine Liege notwendig, falls es zu unerwarteten Impfreaktionen komme. „Einfach mal pieksen ist nicht möglich.“ Auch der hohe Dokumentationsaufwand lohne sich nur im Zusammenhang mit größeren Impfaktionen, sagt Obergasser.

Heike Obergasser von der Gangolf-Apotheke in Kluftern hat sich zur Impfschulung angemeldet und kann sich vorstellen, bei Bedarf im ...
Heike Obergasser von der Gangolf-Apotheke in Kluftern hat sich zur Impfschulung angemeldet und kann sich vorstellen, bei Bedarf im Impfzentrum auszuhelfen (Archivbild). | Bild: Ruess, Sonja

Apothekerin Obergasser fügt außerdem hinzu, dass die Impfzentren aktuell nicht ausgelastet seien. „Deshalb ist es fraglich, ob es überhaupt Sinn macht, dass wir die Impfung ebenfalls anbieten.“ Die Schulung möchte die Apothekerin trotzdem machen, da sie es grundsätzlich für eine gute Sache hält, wenn auch die Apotheker ihren Beitrag leisten. „Auch wenn das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht in den Räumen der Gangolf-Apotheke sein wird.“ Sie könne sich aber zum Beispiel vorstellen, in einem Impfzentrum tätig zu sein.

„Es könnte eine Möglichkeit sein, um den Menschen einen leichteren Zugang zur Impfung zu bieten.“
Julia Keller, Tal-Apotheke, Wittenhofen

Von einer generell guten Sache spricht Julia Keller von der Tal-Apotheke in Deggenhausertal-Wittenhofen, die sich ebenfalls zur Schulung angemeldet hat. „Es könnte eine Möglichkeit sein, um den Menschen einen leichteren Zugang zur Impfung zu bieten“, so ihr Argument. Für noch wichtiger hält sie allerdings, dass die verfügbaren Impfstoffe zuerst den impfenden Ärzten angeboten werden. Ein Raum und eine Liege seien in ihrer Apotheke vorhanden, Thema sei jedoch ein getrennter Zugang. „Vor allem wegen eines personellen Engpasses werden wir die Impfung aber in nächster Zeit sicher nicht anbieten können“, sagt Keller.

Skepsis bei Apotheken-Impfungen hat eher zugenommen

Die anfängliche Skepsis von Matthias Maunz, Inhaber der Panda-Apotheke und der Bären-Apotheke in Markdorf, hat eher zugenommen. „Wenn an noch mehr Stellen geimpft wird, verkompliziert sich die Logistik noch mehr“, lautet seine Vermutung. Wenn die Ärzte den notwendigen Impfstoff hätten, seien sie sehr effektiv. Ein anderes Thema wäre es, wenn die Ärzte überfordert wären. „Ich verstehe nicht, wo der Mehrwert für die Pandemiebekämpfung liegt, wenn wir jetzt auch noch impfen“, sagt Maunz.

Matthias Maunz, Leiter der Panda-Apotheke und der Bären-Apotheke in Markdorf, hält nichts davon, wenn sich die Aufgaben von Ärzten und ...
Matthias Maunz, Leiter der Panda-Apotheke und der Bären-Apotheke in Markdorf, hält nichts davon, wenn sich die Aufgaben von Ärzten und Apothekern vermischen. | Bild: privat

Das Thema Impfung hält Maunz für so heikel, dass es mit Blick auf die Sicherheit in jedem Fall sinnvoll sei, dass ein Arzt vor Ort sei. Wer jetzt noch nicht geimpft sei, habe ja in vielen Fällen Angst und es bestehe die Gefahr einer Panikattacke. „Und was mache ich dann?“, fragt Maunz. Eine Gefahr sieht der Apotheker auch darin, Strukturen einzureißen, die das Gesundheitssystem stark gemacht hätten. „Die Trennung zwischen den Bereichen des Arztes und des Apothekers mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und Fähigkeiten hat ja ihren Sinn und ich halte nichts davon, diese Trennung aufzuweichen.“

Davon abgesehen hätte Maunz in seinen Apotheken aktuell keine geeigneten Räume. „Und wir können deshalb nicht komplett umbauen.“ Einziger Grund für Maunz, die Impfung doch noch anzubieten, wäre ein steigender Wettbewerbsdruck, das heißt, alle anderen Apotheken würden diesen Dienst anbieten.

„Räumlich und personell können wir das nicht stemmen“, sagt Susanna Koch, Inhaberin der Rotach-Apotheke in Oberteuringen kurz und bündig. Da sie in ihrem Haus die einzige approbierte Apothekerin sei, müsste sie zusätzlich zu Notdiensten und anderen Aufgaben auch die Impfungen selbst übernehmen.

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