Einfach weggeblasen. Nun gut, ein bisschen hat es schon gedauert, bis die Musiker der Markdorfer Stadtkapelle die Regenwolken vertrieben haben. Sie waren dabei jedoch nicht ganz auf sich gestellt. Schließlich waren viele ihrer treuen Anhänger da, um sich nach mehr als einem Jahr Zwangspause endlich wieder Blasmusik anhören zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Ob „Markdorf-Lied“ oder „Fischerin vom Bodensee“, ob Volkstümliches oder eher Schmissiges, ob Lieder zum Mitsingen oder Lieder zum Nur-Zuhören – von ihrer Fähigkeit, ihr Publikum hinzureißen hat die Stadtkapelle kein bisschen verloren. „Wir hoffen jetzt nur, dass wir Ende des Jahres wieder zu unserem festlichen Konzert einladen können“, erklärte Brigitte Waldenmaier, die Vorsitzende der Stadtkapelle.

Die Musiker der Stadtkapelle stehen nach über einem Jahr Zwangspause wieder auf der Bühne.
Die Musiker der Stadtkapelle stehen nach über einem Jahr Zwangspause wieder auf der Bühne. | Bild: Jörg Büsche

Beste Laune – auch bei miesem Wetter

In der Hand hat Organisator Jens Neumann ein unverzichtbares Utensil bei diesem Wetter: den Abzieher, mit denen er die Wasserlachen von den Bierbänken und -Tischen wischt. „Am Donnerstag und am Freitag hatten wir viel Glück mit dem Wetter. Das Jazz-Konzert am Freitagabend verlief dann schon weniger trocken.“ Aber der Familientag mit ökumenischem Gottesdienst und einem Auftritt der Stadtkapelle, der war schon gar nicht mehr zu denken ohne Regenschirm und -kleidung.

Das Publikum beim Gottesdienst unter Regenschirmen.
Das Publikum beim Gottesdienst unter Regenschirmen. | Bild: Jörg Büsche

Das Publikum hat die Nässe kaum gestört. „Da waren vielleicht vier Dutzend“, so Brigitte Waldenmaier, „Applaus und Stimmung gab es aber, als wären vier, fünf Mal so viele da gewesen.“ Eine Wohltat für die Musiker der Stadtkapelle, die am Sonntag ihren ersten öffentlichen Auftritt sei einem Jahr hatten.

Das bisschen Regen macht doch gar nichts.
Das bisschen Regen macht doch gar nichts. | Bild: Jörg Büsche

Ein Herz für Musiker und andere Künstler

Womit beginnt ein „Familientag“ in Markdorf? Mit einem Gottesdienst, aber mit einem ökumenischen – den Pfarrerin Kristina Wagner und Pfarrer Ulrich Hund gehalten haben. Begleitet wurden sie dabei von der Stadtkapelle. Musik stand dann aber auch im Zentrum der Predigten. Weil Musik verbindet. Weil Musik aufschließt, empfänglich macht für Höheres, so erklärte Pfarrerin Wagner. Die Geistlichen erinnerten jedoch auch an die Situation der Musiker. Wegen der pandemiebedingten Einschränkungen befänden sich die allermeisten in prekärer Lage. Doch nicht nur sie, Künstler aus allen Bereichen hätten unter der Schließung von Konzerthäusern und Galerien gelitten.

Kristina Wagner und Ulrich Hund leiten den ökumenischen Gottesdienst.
Kristina Wagner und Ulrich Hund leiten den ökumenischen Gottesdienst. | Bild: Jörg Büsche

Ein Halleluja für Singer-Songwriter Tommy Haug

Halleluja“, laut, freudig – und langgezogen. Tommy Haug hält den Ton. Unfassbar lang, sodass es keinen wundern sollte, dass das Publikum da kaum noch mithalten kann. Ein paar Hallelujas haben die Zuhörer des Liedermachers mit Gitarre, Basecap und grünem Parka schon geschafft. Sie haben eingestimmt. Es ist offensichtlich: Hier ist der Funke übergesprungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Zuhörer finden den jungen Mann auf der Bühne sympathisch. Sie mögen ihn. Vielleicht, weil er sein Publikum nicht spüren lässt, dass nur so wenig da sind. Aber wem ist das auch zu verdenken – bei dem Wetter! Tommy Haug jedenfalls gibt alles, singt in der Zugabe ein Hoch aus: auf den Moment, auf dieses Leben, „ein Hoch auf das, was uns vereint“.

Hat in Markdorfs neue Fans gefunden: Singer-Songwriter Tommy Haug.
Hat in Markdorfs neue Fans gefunden: Singer-Songwriter Tommy Haug. | Bild: Jörg Büsche

Da staunten nicht nur die jungen Fußballfans

Hannes kann‘s. So gut sogar, dass ihm die Menge applaudiert. Und nicht nur die, auch Fußball-Freestyle-Profi Patrick Bäurer klatscht anerkennend. Weil der junge Ballkünstler sich auf die Bühne gewagt hat, nun wie selbstverständlich einen Ball auf dem Spann hüpfen lässt. Wie viele von den staunenden Jungs und Mädchen drunten auf dem Marktplatz stünden wohl auch gern dort oben. Und wie viele von ihnen wünschen sich, ebenso gut mit dem Ball – oder gar mit zwei Bällen – umgehen zu können wie Bäurer. Er steht Kopf, er sitzt, er sitzt – aus allen Körperlagen lässt er das Rund drehen, springen, schweben. Keine Frage: auch das war eine der Hauptattraktionen beim Familientag.

Fussball-Akrobatik muss einfach gut ankommen.
Fussball-Akrobatik muss einfach gut ankommen. | Bild: Jörg Büsche

Erst eine, dann zwei, drei, ganz viele...

„Nicht einmal mit einer“ hatte Tommy Haug gesagt, als er Moritz Rosner angekündigte. Der junge Liedermacher, dem seine Zuhörer so ausgiebig applaudiert hatten, war beeindruckt. Beeindruckt von den Künsten des Jongleurs. Und tatsächlich macht das Können Moritz Rosners staunen. Statt nur einer Keule wirbelt Rosner drei, vier, fünf davon in der Luft. Er lässt sie hinter seinem Rücken auf und ab fliegen. Er kreiselt sie in die Höhe, in sehr große Höhe. Und all das wirkt stets mühelos und darüber hinaus auch noch überraschend elegant. Das wegen des zunächst spärlicher werdenden dann ausbleibenden Regens wachsenden Publikum auf dem Marktplatz staunt und zeigt sich begeistert.

Meister der vielen Keulen: Moritz Roser.
Meister der vielen Keulen: Moritz Roser. | Bild: Jörg Büsche