Die 39-jährige Sonja Straub ist in der Landwirtschaft groß geworden und hat bereits mit 16 Jahren ihren späteren Mann – einen Landwirt – kennengelernt. Ihr Weg war schon als junges Mädchen vorgezeichnet, in das Poesiealbum einer Schulfreundin, schrieb sie, auf die Frage, was sie später einmal werden möchte: Bäuerin.

Straub ist studierte Agraswissenschaftlerin

Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie den Negelhof in Überlingen-Bonndorf. Sie betreiben Milchwirtschaft, eine Biogasanlage und Zucht. Für Sonja Straub, die in Hohenheim Agrarwissenschaften studiert und mit den Bachelor of Science abgeschlossen hat, beginnt der Tag gegen 6.30 Uhr. Ganz wichtig: Das gemeinsame Frühstück mit den Kindern, die neun und elf Jahre alt sind. Vier feste Mahlzeiten gibt es im Hause Straub, die die Familie gemeinsam mit den zwei Auszubildenden einnimmt.

Sonja Straub vom Negelhof in Überlingen-Bonndorf in ihrem Garten.
Sonja Straub vom Negelhof in Überlingen-Bonndorf in ihrem Garten. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Straub kümmert sich auf dem landwirtschaftlichen Betrieb unter anderem um die Büroarbeit, hauswirtschaftliche Dinge und den Garten. Im Stall hilft sie aus, wenn die Auszubildenden frei haben. „Ich bin die stille Reserve“, sagt sie und lacht. Gegen 20.30 Uhr hat sie meist Feierabend, dann genießt sie die freie Zeit mit dem Lesen eines historischen Romans. Straub ist Kassiererin im Überlinger Landfrauen-Ortsverein, kandidiert für die CDU für den Ortschaftsrat, Gemeinderat und Kreistag, spielt im Musikverein Bonndorf sowie der Bauernkapelle Oberschwaben Posaune oder Flügelhorn.

Viel Arbeit, viel Zeit mit der Familie

Ihre wöchentliche Arbeitsbelastung inklusive Ehrenamt schätzt sie auf rund 60 Stunden. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Straub. „Wir arbeiten viel, aber wir verbringen auch sehr viel Zeit als Familie miteinander“, so die Zweifach-Mama. Der Sonntag sei als Familientag wichtig, das werde gepflegt. Dagegen sei ein zweiwöchiger Sommerurlaub nicht realisierbar, da ist ein Ausflug an die Promenade nach Überlingen mit Eis essen ein kleiner Urlaub.

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Im Winter nimmt sich die Familie ein paar Tage Auszeit beim Skifahren. „Mich zieht es nicht in die Ferne“, sagt Straub. Als Landwirtin sei sie einfach ortsgebunden. Daher auch ihr kommunalpolitisches Engagement. „Wir werden hier auf dem Hof alt werden, daher ist es wichtig, dass sich der Ort weiterentwickelt und ich hier etwas bewirken kann.“

Beate Riebsamen

Der 52-jährigen Beate Riebsamen macht es nichts aus, jeden Morgen um halb sechs im Stall zu stehen und die Kühe zu melken. Auch freitags ab 4 Uhr rund 36 Brote in den Steinbackofen zu schieben, dazu Dinnele, Weckle und Zopfbrot, ist für sie keine Last. „Ich bin auf dem Land geboren, auf einer Landwirtschaft aufgewachsen und habe dann hier auf den Bauernhof in Schwäblishausen eingeheiratet.

Beate Riebsamen steht jeden Freitag in ihrem Hofladen und verkauft selbstgebackenes Brot, hausgemachte Marmeladen, Eier, Gemüse und was der Hof saisonal so hergibt.
Beate Riebsamen steht jeden Freitag in ihrem Hofladen und verkauft selbstgebackenes Brot, hausgemachte Marmeladen, Eier, Gemüse und was der Hof saisonal so hergibt. | Bild: Johanson, Kirsten

Zum Glück, denn so konnten unsere drei Kinder in der Natur und mit Tieren aufwachsen. Wir sind hier per du mit der Kuh“, lacht die Landfrau. „Jede hat einen Namen.“ Der jüngste Sohn ist 18 – und das Landleben ist ihm nicht verleidet. Wie seine Geschwister kann auch er sich vorstellen, den Hof einmal zu übernehmen. Familie Riebsamen betreibt eine Nebenerwerbslandwirtschaft mit 25 Kühen, einigen Schweinen und Hühnern, Enten und einer Gans. Sie baut Getreide und Kartoffeln an.

Beate Riebsamen mit den Eseln.
Beate Riebsamen mit den Eseln. | Bild: Johanson, Kirsten

Die beiden Esel Lina und Lulu sind die Lieblinge der Feriengäste. Denn die Landwirtschaft basiert auf drei Standbeinen: Urlaub auf dem Bauernhof, Hofladen und Milchverkauf. „Allein von den Kühen könnten wir nicht überleben“, so Beate Riebsamen.

Doris Karrer

Auf dem Zühnehof in Azenweiler hat Doris Karrer ihr Glück gefunden. Die 48-jährige Vorsitzende der Landfrauen Deggenhausertal lebt dort seit 25 Jahren. 2007 hat die Familie Karrer den Hühnerhof ins Leben gerufen, zuvor hatte sie einen Milchviehbetrieb geführt.

Ein weiteres Standbein ist der Anbau und Verkauf von Rollrasen. 1500 Hühner leben auf dem Zühnehof, 1200 Eier legen sie täglich. Doris Karrer kümmert sich um die Sortierung der Eier, die Beschriftung, den Verkauf und die Auslieferung. „Wir haben die Aufgaben klar aufgeteilt, ich bin für alles rund ums Ei und die hauswirtschaftlichen Arbeiten zuständig“, so Karrer.

Doris Karrer betreibt mit ihrem Mann den Zühnehof in Azenweiler im Deggenhausertal. Sie kümmert sich täglich um die Sortierung der Eier. Bilder: Stefanie Nosswitz
Doris Karrer betreibt mit ihrem Mann den Zühnehof in Azenweiler im Deggenhausertal. Sie kümmert sich täglich um die Sortierung der Eier. Bilder: Stefanie Nosswitz | Bild: Nosswitz, Stefanie

Doch die Mutter von drei Söhnen im Alter von 23, 21 und 19 Jahren arbeitet nicht nur auf dem Hof. Die gelernte Köchin ist seit 25 Jahren am Berggasthof Höchsten tätig – als „Mädchen für alles“ sagt sie. Das gehöre zu ihrem Lebensinhalt dazu und sei wichtig: „So komme ich raus aus dem Alltag und habe andere Menschen um mich herum“.

Sie schätzt das Leben auf dem Land

Jeden zweiten Sonntag arbeitet sie in dem Berggasthof. Der Tag beginnt für sie um 6 Uhr, Feierabend sei so gegen 19 Uhr. Dass Landfrauen eine hohe wöchentliche Arbeitsbelastung haben, die durchschnittlich bei 55 Stunden liegt, wundert sie nicht: „Wir kennen es nicht anders.“ Sie schätzt das Leben auf dem Land, den Zusammenhalt, die Nähe, das Umfeld. Die Landfrauen treffen sich regelmäßig, allerdings fehle der Nachwuchs.

Doris Karrer lebt mit ihrer Familie auf dem Zühnehof in Azenweiler.
Doris Karrer lebt mit ihrer Familie auf dem Zühnehof in Azenweiler. | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Ich gehöre noch zu den Jüngeren“, sagt sie und lacht. Um die Zukunft des Hofes macht sie sich keine Sorgen, ein Sohn wird diesen übernehmen. „Aber es wird schwierger, vor allem das unberechenbare Wetter wird zur Belastung.“

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In ihrer Freizeit erkundet sie mit ihrem Mann und Freunden auf dem E-Bike die Region, Urlaub spielt in ihrem Leben keine große Rolle. „Unsere Jungs schenken uns immer zu Weihnachten eine Reise“, erzählt sie. Sie müssen nicht zwei Wochen weg sein. Ein paar Tage in Südtirol oder im Berchtesgadner Land reichen, um den Akku wieder aufzuladen.

Regina Buchmann

Die 54-jährige Regina Buchmann ist auf einem kleinen Hof in Salem aufgewachsen und lebt mit ihrem Mann und den 19 und 22 Jahre alten Kindern auf dem Wattenberghof im Deggenhausertal. Schweinemast und Biogas sind die zwei Eckpfeiler des Betriebes. Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitet 30 Stunden die Woche im Dtal-Markt in Untersiggingen.

Regina Buchmann arbeitet 30 Stunden in der Woche im D'tal-Markt in Untersiggingen. Die restliche Zeit unterstützt sie ihren Mann auf dem Hof.
Regina Buchmann arbeitet 30 Stunden in der Woche im D'tal-Markt in Untersiggingen. Die restliche Zeit unterstützt sie ihren Mann auf dem Hof. | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Ich brauche diese Arbeit für mich, das ist wichtig“,sagt Buchmann, die bei den Landfrauen Deggenhausertal aktiv ist. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit, so schätzt sie, kommen dem Hof zugute. „Egal was anfällt, ich helfe überall mit“, sagt Buchmann. Für eine Frau, die auf einem Hof lebt, falle viel Arbeit an, die bewältigt werden müssen.

Frauen sind wichtige Stütze

„Wir Frauen managen viel und sind eine wichtige Stütze für unsere Männer“, so Buchmann. Besonders als die Kinder noch klein waren, sei der Spagat zwischen Hof, Beruf und Familie nicht immer einfach gewesen.

Regina Buchmann bei ihrer Arbeit im Dtal-Markt, hier an der Kasse.
Regina Buchmann bei ihrer Arbeit im Dtal-Markt, hier an der Kasse. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Bei Buchmanns leben auch ihre Schwiegereltern noch mit auf dem Hof, die ebenfalls anpacken, wenn Hilfe benötigt wird. Als Landwirtin bezeichnet sie sich nicht, aber als Landfrau. „Wir Landfrauen stehen mitten im Leben und wissen, was wir möchten.“ Im Verein zeige sich dies in einer tollen Gemeinschaft und einem guten Zusammenhalt.

Regina Buchmann geht in ihrer Freizeit gerne Laufen, da könne sie sehr gut Stress abbauen. Bei Buchmanns könnte der Sohn später einmal den Hof übernehmen, sie freut sich, wenn „junge Menschen“ nachkommen und Verantwortung übernehmen. Auch bei den Landfrauen.