Der erste Schultag nach den Sommerferien ist für Fahrer im Schüler- und Linienverkehr angesichts der derzeit in Markdorf herrschenden Dauerstaus zur nervigen Geduldsprobe geraten. Schüler sind zu spät zum Unterricht gekommen.

Diana Amann, koordinierende Schulleiterin am Bildungszentrum Markdorf (BZM), berichtet „es hat Verspätungen von bis zu 15 Minuten gegeben“. Die Schule sei am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr von der RAB darüber informiert worden, dass mit Verzögerungen zu rechnen sei.

Verzögerungen wirken wie ausgefallene Unterrichtsstunden

„Schlimm könnte es am Donnerstag werden“, befürchtet Amann. Denn am Donnerstag werden die Fünftklässler am Bildungszentrum eingeschult. Sie werden um 7.45 Uhr mit Bussen zum Gottesdienst in die Stadt und danach wieder zum BZM gefahren. „Hoffen wir, dass alles glatt geht und die Schüler zur Einschulungsfeier gegen 9 Uhr zurück sind.“ Und ein weiterer Aspekt spielt laut Amann eine Rolle: Es sei zu befürchten, dass die staubedingten Verspätungen für betroffene Schüler in der Summe ausgefallenen Unterrichtsstunden gleichkommen.

Busunternehmer: „Eine komplette Katastrophe“

Karl-Heinz Wegis, Seniorchef des gleichnamigen Unternehmens aus Bermatingen-Ahausen, klingt verärgert, als er berichtet: „Es ist eine komplette Katastrophe. Wir fahren im Linien- und Schülerverkehr. Die Anschlusszeiten können alle nicht mehr eingehalten werden.“ Wegis ist am Mittwochmorgen eine Tour von Bermatingen-Ahausen zum Bildungszentrum gefahren. „Ich bin um 7.22 Uhr in Ahausen los, habe an zwei Haltestellen die Schüler aufgenommen und war um 7.50 Uhr beim BZM. Normalerweise um 7.37 Uhr.“

Kreuzung in Stadtmitte kaum mehr richtig frei

Wegis ist vergleichsweise glimpflich davongekommen, was Route und Fahrzeit anbelangt. Denn er ist in Markdorf über die Ravensburger Straße, Bernhardstraße und Ensisheimer Straße, musste also nicht wie andere Fahrer auf der Bundesstraße 33 bleiben und in der Stadtmitte an der Kreuzung vorbei, die nach Wegis‘ Beobachtungen wegen des Verkehrsaufkommens kaum mehr richtig frei wird.

Versäumnisse bei Straßenplanungen

Karl-Heinz Wegis nimmt die Politik in die Pflicht: „Die Politiker in der Region haben es versäumt, die Straßenplanungen voranzutreiben. Jeder will auf der Straße fahren, aber niemand will Grundstücke hergeben. Das verstehe ich auch, aber das muss vernünftig geregelt werden.“ Das Verkehrs-Chaos sei schon lange da. „Aber so wie es derzeit ist, das haben wir noch nie gehabt, das ist unerreicht. Es gibt keine Straße, die so viel Verkehr aufnehmen kann.“

Stadtbuslinien 11 und 12 betroffen

Außerdem sind durch die Umleitungsstaus bei der Friedrichshafener Stadtverkehrsgesellschaft die Stadtbuslinien 11 und 12 betroffen, wie Pressesprecher Sebastian Dix bestätigt.

Sebastian Dix, Sprecher Stadtverkehrsgesellschaft Friedrichshafen: „Die Stadtbuslinien Linien 11 und 12 hatten schon bis zu 35 Minuten Verspätung.“
Sebastian Dix, Sprecher Stadtverkehrsgesellschaft Friedrichshafen: „Die Stadtbuslinien Linien 11 und 12 hatten schon bis zu 35 Minuten Verspätung.“ | Bild: Lisa Berger

Diese beiden genannten Stadtbuslinien bedienen auch Haltestellen in Markdorf. „Die Stadtbuslinien Linien 11 und 12 hatten schon bis zu 35 Minuten Verspätung„, erklärt Dix. Nach seinen Angaben liegt die Pünktlichkeitsquote je nach Verkehrsverhältnissen üblicherweise bei weit über 80 Prozent. „Derzeit liegt die Quote für die Stadtbuslinie 11 bei 55 Prozent und bei der Linie 12 bei 40 Prozent.“

Per Fahrrad zum Feuerwehrhaus

Bei der Freiwilligen Feuerwehr Markdorf macht man sich wegen der Staus ebenfalls Gedanken. Denn im Alarmfall sind die auch Einsatzkräfte aus dem Stadtgebiet während der Anfahrt zum Feuerwehrhaus von Staus betroffen.

Daniel Kneule, Kommandant Freiwillige Feuerwehr Markdorf: „Zum Glück haben wir noch keinen Einsatz gehabt. Wir müssen sehen, wie wir im Einsatzfall zum Feuerwehrhaus kommen. Jene, die es nicht weit haben, werden das Fahrrad nutzen.“
Daniel Kneule, Kommandant Freiwillige Feuerwehr Markdorf: „Zum Glück haben wir noch keinen Einsatz gehabt. Wir müssen sehen, wie wir im Einsatzfall zum Feuerwehrhaus kommen. Jene, die es nicht weit haben, werden das Fahrrad nutzen.“ | Bild: Andreas Lang

„Zum Glück haben wir noch keinen Einsatz gehabt. Wir müssen sehen, wie wir im Einsatzfall zum Feuerwehrhaus kommen. Jene, die es nicht weit haben, werden das Fahrrad nutzen“, erklärt Gesamtkommandant Daniel Kneule. Er ergänzt: „Beim Ausrücken müssen wir dann je nach Situation entscheiden, welche Fahrzeuge wir einsetzen und welche Route den größten Erfolg für möglichst kurze Ausrückzeiten verspricht.“

Appell an Verkehrsteilnehmer

Feuerwehrsprecher Martin Scheerer appelliert an alle Verkehrsteilnehmer: „Falls ein Feuerwehrangehöriger erkennbar zum Einsatz muss, lasst ihn bitte durch, zum Beispiel beim Überqueren der B 33 im Bereich Bernhardstraße. Bitte schafft im Alarmfall, wenn sich ein Einsatzfahrzeug mit Sondersignal, Blaulicht und Martinshorn nähert, zügig Platz und haltet diesen Platz für nachrückende Fahrzeuge frei. Wir kommen meist mit mehr als nur mit einem.“

Andere Umleitung vorgeschlagen

Bürgermeister Georg Riedmann: „Die Stadt Markdorf hat bereits im Rahmen der Anhörung im August darauf hingewiesen, dass eine andere Umleitungsstrecke im vorliegenden Fall zielführender gewesen wäre.“
Bürgermeister Georg Riedmann: „Die Stadt Markdorf hat bereits im Rahmen der Anhörung im August darauf hingewiesen, dass eine andere Umleitungsstrecke im vorliegenden Fall zielführender gewesen wäre.“ | Bild: Andreas Lang

Bürgermeister Georg Riedmann verweist darauf, dass die Stadtverwaltung Markdorf schon im Vorfeld für eine ganz andere Verkehrsführung plädiert hat: „Die Stadt Markdorf hat bereits im Rahmen der Anhörung im August darauf hingewiesen, dass eine andere Umleitungsstrecke im vorliegenden Fall zielführender gewesen wäre.“ Wenn eine Umleitung zwischen Meersburg und Immenstaad notwendig sei, gebe es zu Markdorf keine Alternative. „Das tragen wir dann auch solidarisch mit“, sagt Riedmann.

B31-Baustelle östlich des Dornier-Knotens

Nun ist laut Riedmann die Situation aber so, dass die B 31-Baustelle östlich des so genannten Dornier-Knotens liegt. „Also hätte man den Verkehr problemlos über Immenstaad, Kluftern und Friedrichshafen umleiten können“, argumentiert Markdorfs Bürgermeister. Und: „Wenn tatsächlich zwischen Kluftern und Efrizweiler die Bahnunterführung nicht für den Schwerlastverkehr geeignet ist, so hätte man diesen Verkehr über Kluftern und den Markdorfer Turbokreisel leiten können. Dann wäre wenigstens die Markdorfer Innenstadt einigermaßen verschont geblieben. Das war unser Vorschlag.“