Vor zweieinhalb Jahren wurden im Gemeinderat die Gedankenspiele für einen dritten Schulstandort in Markdorf begraben, nun leben sie wieder auf: Am Dienstagabend, 15. Oktober, soll der Gemeinderat das weitere Vorgehen zum ursprünglich geplanten Umbau mit Erweiterung der Jakob-Gretser-Grundschule beschließen. Dort waren zuletzt die Kosten aus dem Ruder gelaufen, weshalb Stadt und Rat in der Sitzung vor der Sommerpause alle weiteren Planungen zurückgestellt hatten.

Stadt: „Finanzierung schwer realisierbar“

Nun soll es also weitergehen. Aber wie? In der Vorlage für die Sitzung am Dienstag heißt es zur aktuellen Kostenschätzung von knapp 28 Millionen Euro: „Eine kurzfristige Finanzierung dieser Summe erscheint vor dem Hintergrund weiterer wichtiger Aufgabenstellungen der Stadt schwer realisierbar.“ Im Entwicklungskonzept 2017 waren die Kosten noch auf rund 20 Millionen Euro taxiert worden – es liegt also eine Kostensteigerung um satte 40 Prozent vor.

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Einsparung würde pädagogisches Konzept zum Opfer fallen

Über den Sommer ließ die Stadt das beauftragte Architektenbüro Weinbrenner.Single.Arabzadeh Einsparungsmöglichkeiten prüfen. Von drei Vorschlägen zur Kostenreduzierung käme eigentlich nur eine in Frage. Die anderen beiden würden gerade einmal 410 000 respektive 100 000 Euro einsparen, womit natürlich nichts gewonnen wäre.

Der dritte Vorschlag würde den geplanten Neubau um ein komplettes Geschoss reduzieren, Einsparpotenzial 1,8 Millionen Euro. Damit müsste man aber das in den vergangenen beiden Jahren von Stadt und Schulkollegium ausgearbeitete pädagogische Konzept über Bord werfen – womit man auch mit dieser Planung wieder von vorne beginnen müsste.

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Leimbach wieder vorziehen?

Nun empfiehlt die Verwaltung, weitere Alternativen zu prüfen, inklusive eines dritten Schulstandortes wie auch eines vorgezogenen Ausbaus der Grundschule Leimbach. Den hatte man eigentlich vor knapp zwei Jahren nach hinten gestellt – ein Grund übrigens, weshalb es Ex-Rektorin Julie Adam wieder aus Markdorf weggezogen hatte.

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Alternative: Zweizügiger Neubau im Süden

Über eine Alternative hat man sich im Rathaus bereits Gedanken gemacht: Die GS Leimbach wird im Bestand ertüchtigt für ein bis 1,5 Züge, eine zweizügige Grundschule könnte im Süden der Stadt gebaut werden – die Stadt hätte dafür vier Standorte im Blick –, und die Gretser-Schule würde im Bestand saniert und auf drei Züge reduziert. Zeithorizont: Sieben bis zehn Jahre.

Rektor Andreas Geiger: „Wir haben unsere Arbeit gemacht, nun brauchen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen.“
Rektor Andreas Geiger: „Wir haben unsere Arbeit gemacht, nun brauchen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen.“ | Bild: Jörg Büsche

Rektor Geiger wünscht sich Perspektive für die Zukunft der Schule

Rektor Andreas Geiger, der aufgrund einer parallel stattfindenden Informationsveranstaltung in der Stadthalle an der Gemeinderatssitzung am Dienstag nicht persönlich teilnehmen kann, ist auf die Diskussion gespannt. „Wir sichern die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und dem Schulträger zu, um dann entsprechende organisatorische Maßnahmen ergreifen zu können“, sagt er.

Geiger ist es wichtig, dass nicht nur der finanzielle Aspekt, sondern auch die Perspektiven für die Jakob-Gretser-Schule mitberücksichtigt werden. „Wir haben einen Abmangel an Flächen und wir haben eine Sporthalle, die nicht mehr tragfähig ist“, sagt der Rektor.

Zwei Jahre lang ein gutes Konzept entwickelt

Er und sein Kollegium haben gemeinsam mit Experten zwei Jahre lang ein „nachhaltiges, zukunftsfähiges, pädagogisches und räumliches Konzept entwickelt“, an dem es nichts zu rütteln gebe. „Wir haben unsere Arbeit gemacht, nun brauchen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen“, sagt Geiger, der nicht so weitermachen möchte wie bisher. Eine klare Linie müsse her. Es gehe nun darum, eine Lösung für die Übergangsphase zu schaffen. „Bei allen Bedenken, die die Finanzierung bedeutet, sollte man nicht alles über Bord werfen.“

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Die Sitzung

Die öffentliche Sitzung des Gemeinderates im Rathaus am Dienstag, 15. Oktober, beginnt bereits um 17 Uhr, nicht wie üblich um 18 Uhr. Die Gretser-Schule wurde als Tagesordnungspunkt 6 auf die zweite Hälfte der Sitzung gelegt.