Eine aktuelle Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zeigt: Die Führerscheinprüfung wird für viele Fahrschüler zunehmend zur Herausforderung. Laut den Zahlen für 2017 fiel in Deutschland etwa jeder Dritte durch. Die größten Probleme bereitete die Theorieprüfung. Worauf die schlechten Zahlen zurückzuführen sind, lässt die Statistik allerdings offen. Die Markdorfer Fahrlehrer und ihre Schüler haben dazu eigene Theorien.

Das könnte Sie auch interessieren

Schüler mit generellen Lernproblemen tun sich schwer

Manche Fahrschüler, so stellt Berti Kappenstein von der Fahrschule FahrFit fest, nehmen die Theorieprüfung einfach zu locker. Es gebe aber auch Fahrschüler, die generell Lernprobleme hätten und sich deshalb schwertun. Der Fahrlehrer sieht die Durchfallquote bei seinen Schützlingen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. "Wir bereiten unsere Fahrschüler gründlich auf die Prüfung vor und melden sie erst an, wenn sie unserer Einschätzung nach den Anforderungen genügen können", erklärt er.

„Fahrschüler, die in der Schule Lernschwierigkeiten haben, tun sich auch in der theoretischen Führerscheinprüfung schwer.“ – Berti Kappenstein, Fahrschule FahrFit
„Fahrschüler, die in der Schule Lernschwierigkeiten haben, tun sich auch in der theoretischen Führerscheinprüfung schwer.“ – Berti Kappenstein, Fahrschule FahrFit | Bild: Gabriele Münzer

Mit Fleiß und logischem Denken zum Ziel

Mirko Behnke aus Immenstaad hat den Führerschein bereits und begleitet seinen Bruder in die Fahrschule. "Mit ein bisschen Lernen und logischem Denken ist die Theorieprüfung gut zu schaffen", sagt er.

„Mit ein bisschen Lernen und logischem Denken ist die Theorieprüfung meiner Ansicht nach gut zu schaffen.“ – Mirko Behnke (18), Immenstaad
„Mit ein bisschen Lernen und logischem Denken ist die Theorieprüfung meiner Ansicht nach gut zu schaffen.“ – Mirko Behnke (18), Immenstaad | Bild: Gabriele Münzer

Probleme mit der Lernmotivation

Martin Kuon von der gleichnamigen Fahrschule ist überzeugt: Die hohen Durchfallquoten lassen sich nicht auf eine schlechte Ausbildung in den Fahrschulen zurückführen. Dennoch, so schätzt er, schaffen auch bei ihm etwa ein Drittel der Fahrschüler die Theorieprüfung im ersten Anlauf nicht. "Die Lernmotivation ist häufig eingeschränkt, viele nehmen die Prüfung zu sehr auf die leichte Schulter", sagt er.

Schüler empfinden Trainings-App als sehr hilfreich

Der 18-jährige Dennis hat schon einige Theoriestunden bei Kuon hinter sich. Er fand die Prüfungsaufgaben anfangs ziemlich schwer. Inzwischen hat er auf seiner Trainings-App 33 Stunden geübt und 5500 Fragen beantwortet. Er freut sich auf den Führerschein, erzählt er, denn dann könne er mit dem Auto zur Schule fahren. Seine Mitstreiterin Hasret wird demnächst 17 und möchte den Führerschein in der Tasche haben, bevor der Lernstress für das Abitur startet. "Manche Fragen haben es in sich, aber mithilfe der Lern-App sind die irgendwann kein Problem mehr", sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Defizite in der Feinmotorik

Nach Ansicht von Michael Ruff, Inhaber der Fahrschule Schmid, spiele bei den hohen Durchfallquoten in der Theorie auch der fehlende Druck, die Prüfung zu bestehen, eine Rolle. Man könne schließlich so oft antreten, wie man wolle. Dazu seien für viele Fahrschüler Freizeitaktivitäten wichtiger, als für die Prüfung zu lernen. Die sogenannte Generation Z der Jahrgänge 1997 bis 2012 würde auch mehr Zeit an Tablet, Computer oder Handy verbringen. "Dies führt zu Defiziten in der Feinmotorik, die sich mitunter in mangelndem Gefühl für Lenkbewegungen zeigen, gerade beim Rückwärtsfahren."

"Die Lernmotivation ist häufig eingeschränkt, viele nehmen die Prüfung zu sehr auf die leichte Schulter und lernen einfach zu wenig." – Martin Kuon, Fahrschule Kuon
"Die Lernmotivation ist häufig eingeschränkt, viele nehmen die Prüfung zu sehr auf die leichte Schulter und lernen einfach zu wenig." – Martin Kuon, Fahrschule Kuon | Bild: Gabriele Münzer

Fahrlehrer Ruff rät: Nicht zu früh zur Prüfung antreten

Ruff vermutet weiter, dass viele Fahrschulen die Schüler zu früh zur Prüfung anmelden. Ein Scheitern sei dann vorprogrammiert. Sein Credo: "Lieber zwei Fahrstunden mehr und entspannt in die Prüfung gehen." So wie Amelie Freibott, die nach bestandener Theorieprüfung kurz vor der praktischen Fahrprüfung steht. "Die meisten meiner Freunde haben beim ersten Mal bestanden", erzählt sie. Ruff ist stolz auf seine Fahrschüler. Die Durchfallquote in der praktischen Prüfung liege bei nur etwa zehn Prozent.