Jedes Mal, wenn ich mit meinen Kindern mit Fahrrad und Laufrad zu Kindergarten und Schule fahre, bin ich danach verschwitzt. Nicht nur, weil ich selbst in die Pedale trete, sondern weil doch immer die Sorge mitschwingt, dass etwas passieren kann, ein unachtsamer Moment auf dem Radweg oder auf der vielbefahrenen Straße genügt. Die Kinder hindessen maulen rum, weil sie nicht so schnell fahren dürfen, wie sie möchten oder einer dem anderen vor der Nase herumfährt. Um jedem von uns dreien einmal gerecht zu werden, machen wir uns auf den Weg zum Verkehrsübungsplatz Markdorf.

Platz gibt es seit 30 Jahren

Betrieben wird er vom Verein für Verkehrserziehung und – ausbildung, kurz VEA. „Das Angebot gibt es eigentlich schon seit rund 30 Jahren“, erklärt die Vorsitzende Sylvia Dworak. Früher befand sich im dazugehörigen Gebäude die ADAC-Vertretung und somit war immer jemand da.

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Nach der Schließung der Geschäftsstelle 2015 wurde es schwieriger. „Wir sind alle ehrenamtlich tätig, aber es war uns einfach wichtig, dass es diese Möglichkeit des offenen Verkehrsübungsplatzes weiterhin gibt“, sagt Sylvia Dworak. Sie ist Mutter von drei Kindern und weiß, wie wichtig Übung für die Motorik der Kinder ist. „Kinder können hier unter realistischen Bedingungen fahren, ohne dass etwas passieren kann.“

Sylvia Dworak kümmert sich ehrenamtlich um den Platz.
Sylvia Dworak kümmert sich ehrenamtlich um den Platz. | Bild: Nicole Burkhart

Realistische Bedingungen bedeuten in diesem Fall zahlreiche Straßenschilder, Zebrastreifen, Kreuzungen und Ampeln. Die haben es meiner siebenjährigen Tochter Emma besonders angetan. „Puh, das dauert aber ganz schön lang“, stöhnt sie über die Rotphase. Moritz, ihr vierjähriger Bruder, saust währenddessen mit dem Laufrad hin und her – endlich mal so schnell es geht. „Das Angebot wird wirklich gut angenommen. Am ersten Tag waren direkt 20 Kinder da“, strahlt Sylvia Dworak.

Von April bis September geöffnet

Geöffnet hat der Verkehrsübungsplatz von April bis Ende September Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 17.30 Uhr. Heute treffen wir auf Lorenz Meindl mit seinem Sohn Raphael. „Ich kannte das Angebot bisher gar nicht, aber es ist toll, hier kann man üben, viel besser als im Straßenverkehr“, freut sich der Vater.

Gar nicht so einfach, keine Klötzchen umzufahren. Doch der neunjährige Boris hat es fast geschafft!
Gar nicht so einfach, keine Klötzchen umzufahren. Doch der neunjährige Boris hat es fast geschafft! | Bild: Nicole Burkhart

Wichtigste Regel: Helm an!

Der vierjährige Raphael inspiziert inzwischen die geöffnete Garage: Fahrräder, Laufräder, Kettcars und Bobbycars stehen neben Verkehrsschildern und Pylonen. „Man kann hier auch von uns ein Fahrzeug ausleihen, wenn man ohne kommt oder mal etwas ausprobieren möchte“, berichtet die Vereinsvorsitzende. Wichtigste Regel auf dem Platz lautet allerdings: Helm an! „Ich finde es wichtig, dass die Kinder den Helm als selbstverständlich ansehen und ihn hoffentlich auch „draußen“ im Alltag anziehen“, erklärt Sylvia Dworak.

Emma (7), Kim (9) und Moritz (4) freuen sich: hier gibt es nicht nur eine Spielstraße, sondern einen ganzen Platz für alle Kinder.
Emma (7), Kim (9) und Moritz (4) freuen sich: hier gibt es nicht nur eine Spielstraße, sondern einen ganzen Platz für alle Kinder. | Bild: Nicole Burkhart

Währenddessen fahren die zehnjährigen Zwillinge Eric und Tobias durch das Tor auf den Platz. „Ich übe hier mit meinem Bruder für die Fahrradprüfung“, erklärt Eric. Ihm gefällt, dass man hier lernen kann, wie man sich im Straßenverkehr verhalten muss. Fleißig üben die beiden Handzeichen geben und richtig die Kreuzung zu überqueren. Die zweijährige Helena ist noch etwas unsicher auf ihrem Laufrad und schaut sich erst einmal um.

„Sie hat das Laufrad zu Ostern bekommen. Wir wohnen am Berg und hier ist es einfach sicherer zu üben“, berichtet Mutter Annika Beck. Neben den Kleinen auf Bobbycar oder Laufrad kommen aber auch 12- bis 14-Jährige auf den Platz. „Dann spielen sie alle miteinander, sind auch mal Fußgänger oder Polizist“, erzählt Sylvia Dworak.

Schulklassen trainieren hier

Eine Woche später wird nicht nur gespielt, sondern fleißig trainiert. Die Viertklässler der Grundschule Kluftern sind zum Geschicklichkeitstest angetreten. Angeboten wird das Ganze vom Markdorfer Automobil – und Motorsportclub Gehrenberg im ADAC (AuMSC). „Ich finde den Geschicklichkeitstest für eine vierte Klasse ganz wichtig als Ergänzung zur Radfahrprüfung, um noch mehr Sicherheit auf dem Rad zu bekommen“, meint Britta Lutz, stellvertretende Schulleiterin. Die Kinder jedenfalls haben Spaß, während sie Slalom, im Kreis mit Kette in der Hand oder eine Acht fahren.

Konzentriert fährt die neunjährige Mia mit der Kette in der Hand im Kreis.
Konzentriert fährt die neunjährige Mia mit der Kette in der Hand im Kreis. | Bild: Nicole Burkhart

Viele sind mit ihren neuen Rädern da, die sie zu Ostern bekommen haben. Auch Mutter Stefanie Erhard ist die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Rad sehr wichtig. „Vor der Fahrradprüfung sind einige Familien auf Elterninitiative noch einmal mit den Kindern hergekommen zum Üben“ sagt sie und lobt das Konzept des offenen Verkehrsübungsplatzes.

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Sylvia Dworak strahlt ebenfalls: eben wurde die Straßenerneuerung auf dem Platz genehmigt. Und meine Kinder? Die sausen schon wieder über Ampeln und Zebrastreifen. Wir waren also sicherlich nicht das letzte Mal hier.