Wie ticken Markdorfs Jugendliche? Welche Ideen haben sie, welche Vorstellungen? Um all das detailliert zu erfassen und daraus neue Freizeitangebote zu kreieren, hat das kommunale Jugendreferat einen zwölfseitigen Fragebogen erstellt.

Der Fragebogen wurde an alle 2100 Kinder und Jugendlichen von Markdorf im Alter von zwölf bis 25 Jahren versandt und kann noch bis Freitag ausgefüllt an das Jugendreferat zurückgeschickt werden.Bis Anfang der Woche seien bereits mehr als 370 Antwortbögen in Papierform sowie über den Online-Weg zurückgekommen, berichtet der städtische Jugendbeauftragte Ralf Waldenmayer. "Es kommt uns aber bei dem Rücklauf nicht unbedingt auf die Quantität, sondern auf die Qualität an", sagt seine Kollegin Simone Neurohr.

Bereits mit der Beteiligungswerkstatt vor drei Jahren, an der 80 Jugendliche teilnahmen, wurde ersichtlich, dass die Jugend eigene Ideen und Meinungen zu den unterschiedlichsten Themen dieser Stadt hat und auch motiviert ist, sich an der Umsetzung zu beteiligen. Mit den vor über 25 Jahren von Wolfgang Butschan ins Leben gerufenen Ferienspielen auf der Weiherwiese wird das gelebte jugendliche Ehrenamt jedes Jahr durch die 60 betreuenden Jugendleiter sichtbar. "Wir möchten dieses Engagement auch gerne auf andere Bereiche der Jugendarbeit ausweiten und rufen die Jugendlichen auf, sich selbst in der Schaffung und Gestaltung von optimalen Angebotsstrukturen aktiv zu beteiligen. In welchen Rahmen und zu welchen Bedingungen sie sich das vorstellen, das möchten wir mit dieser Erhebung erfassen", sagt Waldenmayer. "Des Weiteren wollen wir erfahren, welche Themen die Teenies beschäftigen und wo genau sie Potenzial für sich und die Stadt sehen".

Shawaz, Ala und Malik zocken gemeinsam an der Spielkonsole im Zepp.
Bild: Kerstin Oettle

Shawaz, Ala und Malik zocken gemeinsam an der Spielkonsole im Zepp.

Die Mitarbeiter des Jugendreferats möchten die Jugendlichen durch die Befragung, aber vor allem auch danach, an demokratische Prozesse heranführen und sie auf ihrem Weg zu mündigen und reflektierten Bürgern unterstützend begleiten. Der Hintergrund: Das Land verlangt inzwischen von Gemeinden, dass sie die Jugendlichen stärker in den politischen Willensbildungsprozess einbinden. Dabei sollen die jungen Erwachsenen sich als aktives Mitglied der Gesellschaft sehen und durch sichtbare Ergebnisse einen Effekt ihres eigenen Handelns erleben. Darauf zielt auch die Frage im Fragebogen nach Interesse und Einrichtung eines Jugendgemeinderats oder eines beratenden Jugendausschusses ab.

Ziel der Stadt ist eine ernst zu nehmende Zusammenarbeit mit den Jugendlichen auf Augenhöhe, auch zu sehen als Wertschätzung ihres Engagements. Bisher werden bestehende Angebote und Einrichtungen wie das Jugendcafé Zepp, die Trendsportanlage oder das Jugendvereinsheim allerdings nicht konsequent genutzt, sagt Simone Neurohr, Leiterin des Zepp. Neurohr erklärt sich das damit, dass der größte Teil der Kinder und Jugendlichen fest in Vereinen verankert sei. Hinzu kämen die Ganztagsschule und das allgemeine Leistungsdenken der Gesellschaft, welches "konträr zum einfachen Chillen im Jugendclub steht, der als offener Treff ohne Leistungsanspruch zu verstehen ist".

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Eher ein Treff für die Jüngeren: Das "Zepp" des Jugendreferats. Bild: Kerstin Oettle

Eher ein Treff für die Jüngeren: Das "Zepp" des Jugendreferats. Bild: Kerstin Oettle

Bei der Neugestaltung des Jugendcafés und der Trendsportanlage im Spätsommer hoffen die Macher auf kreative Beteiligung der Jugendlichen. "Hier erhoffen wir uns kreative Beteiligung der jungen Menschen in der Schaffung ihrer eigenen Freizeiträume – gerne bis hin zur selbstverwaltenden Einrichtung durch die Jugendlichen", sagt Simone Neurohr. Gerade an der Trendsportanlage mit seiner Skateranlage sei seit 20 Jahren die "einzige wirkliche Szene in der Stadt erkennbar". Die Anlage sollte "als diese wahrgenommen, erhalten und ausgebaut werden", sagt Waldenmayer. "Wir erhoffen uns einfach von der Kinder- und Jugendbefragung ein aussagekräftiges Bild, was die Markdorfer Jugend außerschulisch macht und was sie gerne tun möchte." Die Ergebnisse seien entscheidend, um in Zukunft ein für und mit den Jugendlichen gestaltetes Freizeitprogramm in entsprechenden Einrichtungen in Markdorf anbieten zu können.

 

Studie und Umfrage

  • "Wie ticken Jugendliche 2016?" heißt eine neue Studie des Sinus-Instituts. Ein Ergebnis: Die großen Jugend-Subkulturen, die auf Abgrenzung und Provokation abzielen, gibt es so nicht mehr. Ganz im Gegenteil: "Mainstream" ist kein Schimpfwort mehr, sondern ein Schlüsselbegriff im Selbstverständnis der Jugendlichen. Die meisten möchten sein "wie alle" und sehnen sich in den unübersichtlichen Verhältnissen der Globalisierung nach Aufgehoben- und Akzeptiertsein, Geborgenheit, Halt sowie Orientierung. Die generelle Angepasstheit der Jugendlichen und ihre Akzeptanz von Leistungsnormen könnte ein Indiz für das teilweise Hinnehmen gegebener Umstände sein. Eine Konsequenz ist es, dass sie sich nicht selbst einbringen oder Veränderungen innerhalb des eigenen sozialen Umfelds einfordern.
  • Ergebnisse der Umfrage: Alle Kinder und Jugendlichen sind am 18. Mai um 15 Uhr ins Jugendvereinsheim in der Ensisheimer Straße zur Ergebnispräsentation der Kinder- und Jugendumfrage eingeladen. Alle, die noch einen Fragebogen ausfüllen möchten, können ihn unter www.markdorf.de abrufen und bis Freitag, 16. März, online oder per Post an das Jugendreferat, Zeppelinstr. 7, zurückschicken.