18,4 Millionen Euro. Bei dieser Summe für den Umbau des Bischofsschlosses zum Rathaus ist das Architekturbüro Braunger Wörtz nach ungemein akribischen Untersuchungen und Analysen gelandet. Diese Summe ist belastbar. Das zeigt ein Blick auf die in Dutzende Einzelpositionen aufgeschlüsselte Kostenberechnung. Die 11,8 Millionen Euro mit plus/minus 25 Prozent Unschärfe, die die Stuttgarter Kommunalentwicklung geschätzt hatte, war hingegen ein Schuss ins Ungefähre.

Eine gewaltige Zahl, auf den ersten Blick. Andererseits sind die Befürchtungen, die auch manche Stadträte im Vorfeld geäußert hatten, nicht eingetreten. Auch wir hatten mit einer Summe von 20 Millionen Euro plus gerechnet, angesichts der immensen Anforderungen des Denkmalschutzes. Nun kommt es zugute, dass bei der Sanierung in den 80er-Jahren offenbar gute Arbeit geleistet wurde und die Substanz des Gebäudes offenbar doch besser ist, als angenommen werden konnte.

Von der Mehrheit im Gemeinderat hat die Stadtverwaltung am Mittwochabend Rückenwind signalisiert bekommen. Was wäre auch die Alternative gewesen? Bei 15 Millionen ja sagen und bei 18 Millionen nein? Dass das Projekt durch die Kostenberechnung keinen Stopp erfahren würde, davon konnte man ausgehen. Nun haben also alle Seiten noch einmal sechs Wochen Zeit, um in sich zu gehen, bevor am 24. Juli der Baubeschluss ansteht. Auch dann, diese Prognose wagen wir einfach einmal, wird sich die Mehrheit im Rat für das Vorhaben Rathaus ins Bischofsschloss aussprechen.

Ist der Beschluss gefällt, stellt sich eine andere Frage und könnten die Karten neu gemischt werden. Spätestens dann nämlich sind die Kritiker am Zuge, die das Projekt ablehnen und einen Bürgerentscheid anstreben. Dieses Ansinnen ist grundsätzlich absolut legitim. Gerade, wenn es um eine solch hohe Summe geht, die die Haushalte der Stadt in den kommenden Jahren mitprägen wird, muss der Bürger eine Möglichkeit haben, nicht nur mitzureden, sondern auch mitzuentscheiden.

Doch spätestens dann müssen die Kritiker auch Ross und Reiter nennen und sich vor allem ehrlich machen: Die Behauptung, mit dem Verzicht auf den Rathausumzug könnte die Stadt 18 Millionen einsparen, die sie dann anderweitig besser und bürgergerechter investieren könnte, ist schlicht falsch. Denn: Wenn das Rathaus nicht ins Bischofsschloss umzieht, muss es an seinem jetzigen Standort um- und neugebaut werden. Dafür wurden, als diese Absicht vor vier Jahren bis zum Wettbewerb entwickelt wurde, zwischen 12 und 15 Millionen Euro aufgerufen. Investiert die Stadt aber 15 Millionen Euro in ein Rathaus am bisherigen Standort, muss sie immer noch das Bischofsschloss sanieren, umbauen und mit einer alternativen Nutzung füllen. Die 3,6 Millionen Euro Grundkosten inklusive Sanierungen und Restaurierungen werden dafür auf alle Fälle fällig. Hinzu kommen noch die Kosten für den Umbau für die alternative Nutzung, sei es als Museum, Musikschule oder was auch immer. Am Ende wird man also auch dafür bei günstigstenfalls acht bis zehn Millionen Euro landen – das macht in Summe dann auch eine Gesamtinvestition in Höhe von rund 25 Millionen Euro erforderlich. Günstiger für die Stadt und ihre Bürger dürfte der Verzicht auf ein Rathaus im Bischofsschloss also kaum werden.

Bislang haben die Kritiker noch keine konkreten Alternativen für eine andere Nutzung des Bischofsschlosses aufgezeigt. Sie haben lediglich dargelegt, dass sie das Rathaus nicht im Schloss sehen wollen und weshalb sie es nicht wollen. Will der Bürger bei einem Bürgerentscheid aber eine ernsthafte Wahl haben, muss ihm auch eine realistische Alternative geboten werden. Die ist bislang noch nicht in Sicht. Also: Ein Bürgerentscheid wäre grundsätzlich dem Vorhaben angemessen, dann aber seriös vorbereitet und ausgearbeitet.

helmar.grupp@suedkurier.de