"Die Tat war eiskalt geplant, durchdacht, von hoher krimineller Energie getrieben und es ist ein hoher Schaden entstanden", bilanzierte Richter Alexander von Kennel nach der Verhandlung vor dem Überlinger Amtsgericht. Angeklagt waren zwei in Meersburg wohnende 23-Jährige wegen gemeinschaftlichen Diebstahls. Dabei entstand einer Tankstelle in Markdorf ein Schaden von über 9500 Euro. Während der eine die Tat bestritt, schwieg der andere beharrlich.

Doch die Beweislage war eindeutig: Der ehemalige Mitarbeiter der später ins Visier genommenen Tankstelle wurde von einer Überwachungskamera gefilmt, als er an seinem letzten Arbeitstag den Schlüssel aus der Jacke des Betreibers entwendete. Auch zeigen die Aufnahmen, dass wenige Stunden später, als die Tankstelle bereits geschlossen war, ein anderer Mann die Eingangstür öffnete. Vermutlich mit einem Schlüssel, da keine Einbruchsspuren entstanden. Der Dieb, so filmte es die Kamera, robbte gezielt zum Ort, an dem das Geld aufbewahrt wurde.

Kein Zweifel für den Richter

Recherchen ergaben, dass sich die beiden Täter zwischen Schlüssel- und Gelddiebstahl trafen. Als weitere Indizien führte der Richter die Nachfragen des ehemaligen Tankstellen-Mitarbeiters bei seinem Chef an, wie die Videoüberwachung funktioniere. Außerdem fand von Kennel viele optische Übereinstimmung beim Komplizen: Größe, Statur und Frisur glichen extrem dem Erscheinungsbild des Gefilmten. Für den Richter war "ohne den geringsten Zweifel klar", dass es sich bei den Angeklagten um die Täter handelt. Das versuchten die Verteidiger in Abrede zu stellen. Auf dem schlechten Video könne man nicht feststellen, dass es sich um seinen Mandanten handle, der das Geld entwendete, sagte einer der Anwälte. Ähnlichkeiten bezüglich des Aussehens und der Gangart könne der Rechtsanwalt im Gegensatz zu von Kennel nicht entdecken. Ebenso habe man in Wohnung des Mandanten und im Spind an seiner Arbeitsstelle nichts gefunden, was auf die Tat hindeute.

Uneindeutig für den Verteidiger

"Meinetwegen verurteilen Sie meinen Mandanten zu 400 Euro Geldstrafe für den Schlüsselklau", sagte der Verteidiger des weiteren Angeklagten. Ansonsten könne man ihm nichts nachweisen, auch andere hätten sich einen Schlüssel aneignen können. Die Indizien seien nach Ansicht des Verteidigers nicht eindeutig. Das sah der Richter jedoch anders und verwies noch auf einen nicht erschienenen Zeugen: "Der wusste schon, warum er nicht zur Polizei ist: Weil er kein Alibi hätte geben können." Ein Nachschlüssel hätte auch nicht so leicht dupliziert werden können.

Obwohl die beiden Angeklagten sich bisher noch nicht viel zuschulden kommen ließen, beruflich und sozial integriert seien, hielt der Richter jeweils zehn Monate Freiheitsstrafe, für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, für angemessen. Zudem müssen die beiden je 1000 Euro an den Bezirksverein für Soziale Rechtspflege zahlen.