Vor zwei Wochen haben Mitglieder des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Ortsverein Markdorf, an der Kreisstraße von Markdorf nach Wittenhofen einen Krötenzaun ausgerollt. Sie tun dies seit mehr als einem Jahrzehnt, um die Erdrköten, die vom Gehrenberghang zu ihren Laichplätzen streben, auf einer Streckenlänge von rund 350 Metern vom Überqueren der Fahrbahn abzuhalten. Damit die Amphibien nicht überfahren werden, haben die BUND-Mitglieder einen Transportdienst organisiert. Früh morgens, aber auch am Abend tragen BUND-Aktive und nicht organisierte Naturschützer jene Kröten über die Kreisstraße, die sich in den Eimern angesammelt haben, weil sie den 40 Zentimeter hohen Amphibienzaun nicht überwinden konnten – und auf der Suche nach einem Durchlass in die Transporteimer gefallen sind, die alle eineinhalb Meter eingegraben sind.

Nummer 23 – Fehlanzeige, Nummer 22 – ebenso, auch Nummer 21 ist leer – wie auch die folgenden Eimer. Klaus Grünewald wundert sich allmählich. "Vielleicht war es ihnen ja zu kalt in der Nacht", überlegt der BUND-Unterstützer aus Markdorf. Tatsächlich zeigte das Thermometer an diesem Morgen gerade einmal sechs Grad an. Sehr viel wärmer war es in den Tagen zuvor aber auch nicht. Das hatte die Markdorfer Kröten jedoch nicht von ihrer Frühjahrswanderung abgehalten. "Seit einer Woche hält der Zug jetzt an", erzählt Klaus Grünewald, "und wir haben schon beinahe 80 Tiere gezählt". Erst am Montagmorgen habe ein BUND-Mitglied 27 Kröten vermeldet, die er auf den gegenüberliegenden Acker gebracht habe.

 

Klaus Grünewald freut sich über die amphibischen Gäste am BUND-Krötenzaun. Er setzt sie wieder in einen Plastikeimer, trägt sie über die Straße und lässt sie vorsichtig auf einem Acker frei. So gelangen sie zu ihren Laichplätzen, ohne überfahren zu werden.
Klaus Grünewald freut sich über die amphibischen Gäste am BUND-Krötenzaun. Er setzt sie wieder in einen Plastikeimer, trägt sie über die Straße und lässt sie vorsichtig auf einem Acker frei. So gelangen sie zu ihren Laichplätzen, ohne überfahren zu werden. | Bild: Jörg Büsche

Endlich – im Eimer mit der Nummer 11 sitzt eine Kröte. Sie drückt sich flach auf den Boden. Und im Nachbareimer mit der Nummer 10 sitzt sogar ein Pärchen. Näher gekommen sind sich die beiden aber nicht, sie hocken neben-, nicht aufeinander. Das Warten des Männchens auf eine Krötendame, auf deren Rücken es sich niederlassen kann, sei der Grund, weshalb so viele männliche Kröten überfahren werden. Anders als im Unterholz oder im Gras, gewinnen die Männchen auf der Straße eine gewisse Übersicht. Die vorbeikommenden Krötendamen sehen sie schon von Weitem. Doch diese Warteposition auf der Fahrbahn werde den Männchen zum Verhängnis, erläutert Grünewald.

Bei den beiden Weibchen und dem Krötenmann blieb es gestern. Alle weiteren Eimer waren leer. Das Trio wird behutsam auf dem Acker links der Straße gesetzt. Die Erdkröten bleiben reglos liegen. Erst ganz allmählich gewinnen ihre flachen Körper wieder mehr Volumen. "Wenn sie Glück haben, sieht sie kein Raubvogel oder Storch", hofft Klaus Grünewald.