UWG-Stadträtin Christiane Oßwald ärgerte sich mächtig über ihre Ratskollegen und nahm kein Blatt vor den Mund: „Es ist ein peinliches Zeichen für Markdorf, dass wir gerade mal elf Stimmen zusammenbekommen, angesichts der Klimadebatte!“, wetterte die streitbare Lehrerin. Kurz zuvor war im Gemeinderat mit Ach und Krach der Vorschlag der Verwaltung durchgegangen, dass die Stadt sich zur Teilnahme am Umweltzertifizierungssystem European Energy Award (eea) anmeldet – die Kritiker im Rat sahen zu viele Gegenargumente bei fraglichem Nutzen. Elf Räte stimmten mit Ja, fünf enthielten sich, sieben votierten dagegen.

Alle Bereiche der Kommune

Der eea ist ein Umweltzertifizierungssystem, das alle Klimaschutzaktivitäten einer Kommune erfasst, bewertet und wo möglich optimiert. Im Kleinen hat die Stadt bereits ein ähnliches Managementsystem, das Kommunale Energiemanagement-System (Kom.EMS), für das sie in diesem Jahr auch ausgezeichnet wurde. Doch anders als der eea, der die verschiedensten Bereiche abdeckt, bezieht sich das Kom.EMS nur auf die städtischen Liegenschaften – also einen Teilbereich des eea. Laut Verwaltung sei der eea mit Blick auf die Erarbeitung eines ganzheitlichen Stadtentwicklungsprozesses wichtig, weil es nachhaltiges Handeln fördere.

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24.000 Euro für vier Jahre

Die Stadt muss, um für 2020 aufgenommen werden zu können, bis 30. November einen Förderantrag beim Land stellen. Geht dieser durch, wird die Zertifizierung vom Umweltministerium mit einmalig 10.000 Euro gefördert. Die Gesamtkosten für vier Jahre, für die sich die Stadt verpflichten würde, werden von der Stadt auf 24.000 Euro beziffert. Rund zwei Drittel davon bekommt die Energieagentur Bodensee-Oberschwaben (Ravensburg), die die Stadt – wie bereits zuvor und aktuell schon andere Kommunen in der Region – berät und auf dem Weg zur Zertifizierung begleitet. Deren Geschäftsführer Walter Göppel stellte den eea im Rat auch vor.

Alle Bereiche einer Kommune sollen im Zuge der vierjährigen Vorarbeit für den European Energy Award unter die Lupe genommen werden – auch die Mobilität.
Alle Bereiche einer Kommune sollen im Zuge der vierjährigen Vorarbeit für den European Energy Award unter die Lupe genommen werden – auch die Mobilität. | Bild: Jörg Büsche

Jede Menge Kritik

Dort stieß die Präsentation aber vor allem bei den Freien Wählern und der CDU auf große Skepsis. Wieso, so der Tenor, brauche man noch den eea, wenn man bereits das Kommunale Energiemanagement-System habe, so der Tenor. „Was kann der eea besser?“, fragte etwa FW-Chef Dietmar Bitzenhofer. Weil es überall Einspartpotenziale gebe, nicht nur bei den städtischen Liegenschaften, erwiderte Göppel. „So schlau sind wir schon selbst noch“, kommentierte Erich Wild für die CDU. Das Kom.EMS sei erfolgreich, darauf solle auch künftig der Fokus gelegt werden, so Wild. Vor allem der für den eea nötige Personaleinsatz aus dem Stadtbauamt rief die Kritiker auf den Plan. Das Amt sei ohnehin bereits über die Gebühr ausgelastet, so Bitzenhofer. Noch mehr draufpacken sei nicht möglich. In die Zuarbeit für den eea würden alle Ämter eingebunden werden, entgegnete Bürgermeister Georg Riedmann. „Warum soll man es nicht versuchen, wenn der finanzielle Aufwand so gering ist?“, fragte er.

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Oßwald platzt der Kragen

Laut Göppel seien drei bis vier Sitzungen jährlich nötig, an denen Rathausmitarbeiter eingebunden wären. Darauf zeigte sich auch Markus Gantert (FW) skeptisch. Angesichts dessen, dass das Kom.EMS noch zwei Jahre laufe und die Stadt auch noch das Entwicklungskonzept Isek auf der Agenda habe, könne man sich „auch überfrachten mit Programmen“. Während auch Arnold Holstein (FW) und Alfons Viellieber Kritik äußerten, kam vehemente Fürsprache von UWG-Rat Joachim Mutschler: „Wir haben alle auch eine kommunale Verantwortung für das globale Klima“, mahnte er. Christiane Oßwald war die letzte Rednerin: Ihr platzte nach all der Kritik der Kragen. Mit dem knappen Ja-Votum im Rücken wird sich die Stadt nun um die Teilnahme am eea bewerben.

European Energy Award

Der Award ist ein Qualitätsmanagement- und Zertifizierungssystem, das helfen soll, eine Kommune ganzheitlich nachhaltiger zu entwickeln. Analysiert, bewertet und bearbeitet werden Handlungsfelder wie Entwicklungsplanung, kommunale Gebäude, Versorgung und Entsorgung, Mobilität, interne Organisation der Verwaltung und Kommunikation. Diese Arbeit muss im Falle Markdorfs von Mitarbeitern im Stadtbauamt gemacht werden, die sich zu Arbeitssitzungen mit Vertretern der Energieagentur treffen, in denen die Maßnahmen erarbeitet werden. Werden 50 oder mehr Prozent der Ziele erreicht, wird der Award nach vier Jahren erstmals verliehen. Anschließend ist ein jährliches Audit nötig.