In Biberach, in Schorndorf, in Villingen-Schwenningen, in Stuttgart, in Titisee-Neustadt werden sie derzeit gesucht: Notärzte. In den einschlägigen Jobportalen für Mediziner inserieren die Kliniken. Sie suchen – zum Teil händeringend – nach Medizinern, die über eine dahingehende Zusatzqualifikation verfügen. Sodass sie Menschen in Akutsituationen behandeln, notwendige lebensrettende Maßnahmen ergreifen oder den Transport von Patienten ins Krankenhaus vorbereiten können.

Landesweite Personalprobleme

Gleichzeitig steht die globale Diagnose im Raum, dass es um den Rettungsdienst hierzulande keineswegs zum Besten stehe. Bereits seit Jahren gilt er als angeschlagen. Allerorten tönt die Klage, Notärzte seien chronisch überfordert. Zu wenige seien durch zu viele Einsätze gefordert. Die Folge: Die gesetzlich festgelegte 15-Minuten-Frist, in der gerufene Einsatzkräfte eintreffen müssen, kann oftmals nicht eingehalten werden.

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Notärzteverein in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen im Einsatz

In Markdorf ist die Versorgungslage vergleichsweise gut, die nächstgelegene Notaufnahme liegt nur zehn Kilometer entfernt. Grund zur Sorge besteht dennoch. „Wir werden immer weniger“, erklärt Dr. Günther Welte, leitender Arzt an der Notaufnahme des Friedrichshafener Medizin-Campus und Vorsitzender des Vereins Markdorfer Notärzte. Jenes Zusammenschlusses von Medizinern, die seit der Schließung des Markdorfer Krankenhauses den notärztlichen Dienst für Markdorf, Meersburg, Bermatingen, Immenstaad, Oberteuringen und Deggenhausertal in der Nacht, an Wochenenden und Feiertagen übernommen haben. Tagsüber, zwischen 7 und 16.30 Uhr, rücken, wenn Hilfe verlangt wird, dann wieder die Klinikärzte von Friedrichshafen, Überlingen und Tettnang aus.

Mit diesem Notarztwagen rücken die Vereinsmitglieder zu Einsätzen aus.
Mit diesem Notarztwagen rücken die Vereinsmitglieder zu Einsätzen aus. | Bild: Jörg Büsche

Viele Medizinier leiden unter hoher Arbeitsbelastung

Günther Welte, der nicht nur Notfallmediziner sondern auch Kardiologe ist, sieht strukturelle Probleme. „Die Krankenhäuser sparen an Personal, es werden sogar Stationen geschlossen, das gesamte Gesundheitssystem steht unter einem immensen Kostendruck.“ Die größere Arbeitsbelastung der Mediziner führe aber dazu, dass sie zum einen weniger geneigt seien, die aufwändige Zusatzausbildung zum Notarzt auf sich zu nehmen. Sei die überdies mit einer hohen Zahl zu leistender Notfalleinsätze verknüpft. Zum anderen verlange der immer anstrengender werdende Klinikalltag nach Erholung. „Da mag sich dann keiner mehr nächtliche Notarzteinsätze aufbürden“, sagt Welte.

Notfallmediziner Günther Welte gehört zu den Mitbegründern des Notärztevereins Markdorf.
Notfallmediziner Günther Welte gehört zu den Mitbegründern des Notärztevereins Markdorf. | Bild: Jörg Büsche

Jungen Arbeitnehmern ist Zeit für Familie sehr wichtig

Und noch etwas komme hinzu. Der Frauenanteil in den Kliniken habe in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Frauen achteten seiner Wahrnehmung nach meist stärker auf ihre Familien als dies viele der männlichen Kollegen – früher – getan hätten. Aber auch dies sei heute im Wandel.

Mehr als 100 Einsätze pro Monat

Und dennoch: „Bisher haben wir alle Dienste immer besetzen können“, erklärt Notarzt Welte weiter. Er spricht von den zurückliegenden 16 Jahren, seitdem der Markdorfer Notärzteverein besteht. 1350 Einsätze fuhren die Markdorfer Ärzte innerhalb des vergangenen Jahres in ihrem Notarztwagen zu Patienten daheim oder Unfallopfern auf der Straße. „Das macht über 100 Einsätze im Monat, drei bis vier am Tag“, rechnet der Notfallmedizinier vor.

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Notfallmediziner engagieren sich gerne

Und Matthias Vogel, einer der 13 Notärzte im Markdorfer Verein und ebenfalls am Friedrichshafener Klinikum beschäftigt, ergänzt, „dass mancher Einsatz durchaus sehr zeitaufwändig ist“. Insbesondere, wenn der Einsatz ins Hinterland führe. Trotz solcher und anderer Probleme betonen beide Mediziner, wie viel ihnen an ihren freiwilligen Notarzteinsätzen liegt. Da gebe es auch eine gewisse Verbundenheit mit den Menschen in der Region. Und beide Ärzte klingen auch relativ zuversichtlich, was den Notärzteverein anbelangt.

Telemedizin könnte künftig Entlastung bringen

In einer sich wandelnden Gesundheitslandschaft werde man unter Umständen auch ganz neue Wege gehen müssen. So wie in Bayern, wo der Rettungsdienst neuerdings in ländlichen Gebieten mit telemedizinischer Unterstützung arbeitet, erzählt Welte.

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