Zum Start der Markdorfer Weinlese in der Wangerhalde steht für Rebmeister Hubert Gutemann am Mittwoch fest, dass der Markdorfer 2018 je nach Rebsorte ein guter bis sehr guter Jahrgang werden wird.

Täglich Besprechungen

Mit 13 Erntehelfern gilt es die nächsten Tage und Wochen auf rund sechs Hektar Anbaufläche die Trauben zu wimmeln. Ein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr und endet inklusive Mittagspause um 17 Uhr. "Nun wird abhängig vom Wetterbericht täglich besprochen, welche Weinsorten gelesen werden", erklärt Gutemann während der Mittagspause.

Spaß an Arbeit in den Reben

Nach dem Mittagessen geht's wieder in die Ruländer-Reihen, die Sorte wird dieses Mal zuerst gelesen. Claudia Greil zählt zu den dienstältesten Wimmlern: "Meine erste Weinlese war 2011, seither bin ich jedes Jahr dabei." Ihre Motivation: "Mir gefällt die Arbeit an der frischen Luft in den Rebhängen." Kollegin Stefanie Thum, seit 2012 dabei, ergänzt: "Ist doch ein schöner Arbeitsplatz. Immer wieder kann man die Aussicht genießen."

Stichproben mit Refraktometer

Rebmeister Gutemann nimmt Stichproben, um mit einem Refraktometer den Zuckergehalt von Ruländer-Trauben zu bestimmen. Zunächst nimmt er eine sehr reife Traubenbeere, zerdrückt diese, träufelt den Saft auf das Gerät und schaut: "108 Grad Oechsle!" Ein hoher Wert. Dann nimmt Gutemann eine sogenannte Geiztraube. Die gleiche Messprozedur: "Die Geiztraube hat sich erst im Juli gebildet und hat schon 83 Grad Oechsle." Ebenfalls ein guter Wert.

Eine Szene von der Markdorfer Weinlese 2018: Markdorfs Rebmeister Hubert Gutemann misst in der Wanger Halde mit einem Refraktometer stichprobenartig den Zuckergehalt von Ruländertrauben.
Eine Szene von der Markdorfer Weinlese 2018: Markdorfs Rebmeister Hubert Gutemann misst in der Wanger Halde mit einem Refraktometer stichprobenartig den Zuckergehalt von Ruländertrauben. | Bild: Toni Ganter

Rebschau: gute Grad-Oechsle-Werte

Vor zwei Tagen hat am Dienstag eine Rebschau stattgefunden. Rebmeister Gutemann berichtet von guten und sehr guten Werten, die gemessen worden sind: Müller-Thurgau – um die 75; Ruländer – mehr als 90; Spätburgunder – mehr als 80 Grad Oechlse.

Reife nach Regen gut fortgeschritten

Die Niederschläge in den vergangenen drei Wochen haben den Reben und Trauben gutgetan, sagt der Rebmeister: "Der Regen hat auf alle Fälle bewirkt, dass die Reife gut fortgeschritten ist. Wir haben sehr gute Reben- und Traubenbestände, sehr wenig Fäulnis." Gutemann ist zufrieden: "Qualität und Gesundheitszustand der Reben und Trauben sind sehr gut."

Ruländertrauben: vorne die normale Bronzefärbung. Die dunkleren Trauben könnte ein Laie mit Spätburgunder verwechseln.
Ruländertrauben: vorne die normale Bronzefärbung. Die dunkleren Trauben könnte ein Laie mit Spätburgunder verwechseln. | Bild: Toni Ganter

Trockenheit hilft gegen Kirschessigfliege

Bedingt durch die Trockenheit sei der Befall durch die Kirschessigfliege deutlich geringer als in manch früheren Jahren. Diese Insektenart ist erklärter Feind, weil die Trauben geschädigt werden. Durch enorm schnelle Vermehrung können große Schäden entstehen.

Falls das Wetter so bleibt wie dieser Tage, kann es nach ersten Schätzungen des Rebmeisters durchaus sein, dass die Lese schon Ende September erledigt sein wird.