Frau Bucher, Sie leben „Zero Waste“. Was steckt hinter diesem Lebensstil?

Das bedeutet „Null Müll/Verschwendung“, also dass ich so lebe, dass ich kaum Müll produziere und einen bewussten Umgang mit den Ressourcen pflege. Es gibt viele Dinge, die ich selber mache, wie zum Beispiel Zahnpasta oder Deo. Und ich kaufe natürlich entsprechend ein, beispielsweise im Unverpackt-Laden.

Wie ist dieser Lebensstil bei Ihnen entstanden?

Ich war viel auf Reisen und was ich während meiner Auslandsaufenthalte erleben durfte, war unglaublich bereichernd. Ich habe viele berührende und inspirierende Erfahrungen machen dürfen. Ich habe aber auch gesehen, wie wir unsere wunderschöne Erde zerstören und wie verschmutzt die Welt ist. Da habe ich angefangen, über meinen Lebensstil nachzudenken und ihn nachhaltiger und umweltbewusster zu gestalten. Ich glaube daran, dass jeder Einzelne etwas bewirken kann, auch wenn es noch so klein ist.

Wie setzen Sie das in Ihrem Alltag um?

Zum einen habe ich glücklicherweise einen Mann an meiner Seite, der den gleichen Lebensstil pflegt. Unsere Ideen und Träume ergänzen sich so gut, dass wir eine Vision nach der anderen in Wirklichkeit umwandeln. Natürlich funktioniert es auch nicht hundertprozentig „Zero Waste“ zu leben. Es ist eine Reise und gerade die Anfangszeit ist anstrengend. Das funktioniert nicht von heute auf morgen. Aber mich hat das fasziniert und je mehr man sich mit dem Thema auseinandersetzt, desto einfacher wird es.

Wo stoßen Sie auf Probleme?

Als Schweizerin war ich auch lange Zeit auf der Suche nach einer guten unverpackten zuckerfreien Schokolade. Denn ich ernähre mich zuckerfrei und vegan. Mittlerweile mache ich die Schokolade selbst. Schwierig ist es beim Thema Geschenke. Wenn mir Familie und Freunde etwas schenken, ist es meist verpackt. Aber ich mag ja auch niemanden vor den Kopf stoßen, der mir eine Freude machen möchte. Daher ist das in diesen Fällen für mich in Ordnung.

Wie reagieren Freunde und Bekannte auf Ihren Lebensstil?

Die reagieren mit großem Interesse. Aber viele sagen auch, dass ihnen das selbst zu kompliziert und aufwendig ist. Wenn ich zum Essen eingeladen bin, hatte ich früher immer angeboten, mein veganes Essen selber mitzubringen. Das wurde aber meist abgelehnt. Und heute werde ich mit veganen Köstlichkeiten verwöhnt. Ich werde nach Rezepten und Ideen gefragt und ich denke, dass mein soziales Umfeld durch mich mehr auf gewisse Dinge achtet.

Sie haben auch ein veganes Kochbuch geschrieben und veröffentlicht.

Ich habe einiges an Arbeit reingesteckt, es zu schreiben und dann im Eigenverlag zu veröffentlichen. Aber nun ist das Buch über meinen Blog und Unverpackt-Läden zu erhalten. Es enthält eine ausführliche Einleitung in die vegane, zuckerfeie, glutenfreie und müllfreie Küche für eine nachhaltige und gesunde Ernährung. Zu meinen Lieblingsrezepten zählen der Spaghetti-Kürbis mit Tomatensauce und die Schokolade. Ich möchte den Menschen einfach zeigen, wie man sich gesund, umweltbewusst und tiergerecht ernähren kann. Ich habe in Thailand eine Yogalehrerin kennengelernt, die sich vegan ernährt hat und mir viele Tipps gegeben hat. So kann man zum Beispiel erst eine vegane Mahlzeit am Tag zu sich nehmen und das dann langsam ausbauen.

Sie haben zu Beginn des Gespräches erwähnt, dass Sie Ihre Zahnpasta und Deo selber herstellen. Da würde ich gerne nochmal nachhaken...

Ja, das funktioniert sehr gut. Ich habe natürlich auch einige Rezepturen ausprobiert. Meine Zahnpasta mache ich mit Kokosfett, Xylit (Birkenzucker), Natron und Pfefferminzöl. Mittlerweile mache ich auch meine kompletten Kostmetikprodukte selbst, wie Cremes und Lippenbalsam. Meine Haare wasche ich mit Lava-Erde, die ich mit Wasser vermische. Das bedeutet keinen Mehraufwand. Ich habe viele „Basisbausteine“ zu Hause, die man für vieles verwenden kann.

Wie fühlen Sie sich? Vermissen Sie nichts?

Mir geht es gut, ich fühle mich unabhängig. Ich habe ein besseres Gefühl gegenüber der Umwelt und fühle mich gesund. Für mich bedeutet mein Leben und meine Ernährung keinen Verzicht. Es gibt ja mittlerweile für jedes tierische Produkt eine pflanzliche Alternative. Es gibt veganen Kuchen, veganen Joghurt und zahlreiche Fleischersatzprodukte, wenn man das möchte.

Gemeinsam mit Ihrem Mann bauen Sie ein Tiny House. Das winzige Haus reduziert die Wohnfläche auf ein Minimum. Brauchen Sie keinen Platz zum Wohnen?

Wir leben momentan in einer Zwei-Zimmer-Wohnung und nutzen eigentlich nur einen Raum. Wir gestalten unser Tiny House nach unseren Vorstellungen und nach dem, was uns wichtig ist. Wenn ein Haus genau auf die Bewohner zugeschnitten ist, reicht meiner Meinung nach ein kleiner Raum. Deshalb bauen wir unser Tiny House selbst, aber das braucht eben seine Zeit. Dafür macht es sehr viel Spaß.

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Wo und wie möchten Sie in Zukunft leben?

Unser Tiny House steht derzeit im Deggenhausertal. Um darin leben zu können, brauchen wir ein erschlossenes Grundstück. Wir haben da schon eins im Markdorfer Raum im Auge und hoffen, dass das klappt. Ich würde mir wünschen, dass wir ab Frühjahr darin leben können und dann dort ankommen. Auf der anderen Seite sind wir mit unserem Tiny House natürlich sehr flexibel und können damit gut und schnell umziehen. Das Leben steckt schließlich voller Überraschungen. Später könnte ich mir auch gut vorstellen, dass wir in einer Tiny-House-Gemeinschaft leben.

Haben Sie diese minimalistische Denkweise von Ihren Eindrücken auf den Reisen übernommen?

Ich habe Großzügigkeit von Menschen gelernt, die wenig besitzen. Ich habe acht Monate aus dem Rucksack gelebt, was für mich sehr befreiend war. Ich lebe nicht total minimalistisch, aber ich kann mit wenigen Dingen leben. Dadurch ist man in meinen Augen mobiler, besitzt mehr Freiheiten und kann machen, worauf man Lust hat.

Was wünschen Sie sich für 2019?

Ich wünsche mir, dass wir mit unserem Tiny House fertig werden und einziehen können. Dann hoffe ich, dass wir wieder mehr Zeit fürs Reisen haben. Wir haben einen VW Caddy umgebaut, mit dem wir unterwegs sein werden. Ich möchte einfach das Leben genießen und verstärkt Vorträge und Workshops zum Thema Nachhaltigkeit anbieten.

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