Per E-Mail erreichte die Redaktion Sonntagnacht ein Schreiben einer jungen Markdorferin, die in Mittelamerika festsitzt und aufgrund der aktuellen Reisestopps im Zuge der Corona-Krise nun das Land nicht verlassen kann. Sie schildert die Lage:

„Mein Name ist Annika, ich bin eine 18-jährige Markdorferin und gestrandet in Guatemala. Ich lebe in Markdorf, habe letztes Jahr mein Abitur am Bildungszentrum Markdorf abgeschlossen und habe danach ein Pausenjahr eingelegt, um mir Zeit für meine Studienwahl zu nehmen, zu reisen und auch Freiwilligenarbeit im Ausland zu leisten.

Erst Costa Rica, dann Guatemala, dann Dominikanische Republik

Nach zwei wunderschönen Monaten in Costa Rica entschloss ich mich, nach Guatemala zu fliegen und dort ein wenig mehr als zwei Wochen zu verbringen, bevor ich weiter in die Dominikanische Republik reisen wollte. Mein Weiterflug wäre am Sonntag, 22. März, gewesen. Es kam alles anders.

Ich habe einige Tage in Antigua und am Atitlán-See verbracht, bevor ich mich dazu entschied, eine fünftägige Wanderung zu El Mirador, der größten Maya-Metropole der Präklassik, zu unternehmen. Nach drei Tagen inmitten des Dschungels merkte unser Führer an, dass es seltsam sei, dass keine neuen Gruppen mehr nachkämen – wir dachten uns noch nichts dabei.

Rückkehr nach einer mehrtägigen Wanderung fernab der Zivilisation

Als wir nach fünf Tagen fernab der Zivilisation nach Carmelita zurückkehrten, dem Dörfchen in Petén, in dem unsere Wanderung begonnen hatte, erwartete uns anstelle des kleinen Reisebusses, der uns von Flores aus dorthin gebracht hatte, ein kleiner Pickup-Truck mit der Botschaft, es fahre in ganz Guatemala kein einziger Bus mehr. Drei Stunden auf der Ladefläche des Pickup-Trucks später kamen wir im Hostel in Flores an. Dort erwarteten uns einige Neuigkeiten...

Corona-Pandemie trifft junge Menschen aus der Region auf der ganzen Welt

Lage in Guatemala gilt als kritisch

Die Lage hier in Guatemala ist, insbesondere für Europäer, die unter großen Teilen der guatemaltekischen Bevölkerung als Träger und Verbreiter des Virus gelten, kritisch. Der Flugverkehr und ab heute auch der reguläre Personenverkehr sind vollständig stillgelegt. Die Grenzen nach San Salvador, Honduras und Belize sind abgeriegelt. Lediglich die mexikanische Grenze ist vorerst noch offen, der Weg dorthin jedoch gefährlich, nahezu unbezahlbar und ungewissen Ausganges.

Hostels nehmen keine Europäer mehr auf

Viele Hostels nehmen keine Europäer mehr auf und schotten sich vollständig von der Außenwelt ab, wie auch mein derzeitiges Hostel. Ich habe nicht die Möglichkeit, dieses zu verlassen, nicht einmal, um joggen zu gehen oder einen kleinen Spaziergang zu machen. Die von Außenminister Heiko Maas angekündigten Rückholflüge sollen in zahlreiche Länder entsandt werden, die Liste ist lang – und Guatemala nicht auf ihr.

Geringe Hoffnung auf Rettung in absehbarer Zeit

Wir Deutschen in Guatemala haben uns mit Unterstützung der Deutschen Botschaft in Guatemala in einer Whatsapp-Gruppe organisiert und sprechen uns gegenseitig Mut zu. Die Hoffnung auf eine Rettung in absehbarer Zeit ist gering, aber wir müssen daran glauben, dass unsere Regierung uns nicht im Stich lassen wird.

In meinem Hostel befinden sich etwa 15 Gäste unterschiedlicher Nationalitäten, darunter ein weiterer Deutscher. Wir versuchen, uns zu beschäftigen, machen zusammen Yoga, spielen, singen und sehen uns gemeinsam Filme an. Wir haben Angst und befürchten, dass die Stimmung in der Bevölkerung kippen könnte.

Annika Imhof abends am Ufer in Flores, wo sie nun in einem Hostel, zusammen mit anderen gestrandeten Ausländern, auf einen Rückholflug in die Heimat hofft.
Annika Imhof abends am Ufer in Flores, wo sie nun in einem Hostel, zusammen mit anderen gestrandeten Ausländern, auf einen Rückholflug in die Heimat hofft. | Bild: Privat

Ich wünschte, ich könnte in dieser schweren Zeit bei meiner Familie sein, mein Vater feiert am 31. März seinen Geburtstag. Dabei sein werde ich wohl nur per Videoanruf sein können. Wir im Ausland Gestrandeten versuchen, uns an die Presse zu wenden, um weiter auf uns aufmerksam zu machen und die Chancen auf eine Rettung zu erhöhen.

Wir müssen fest daran glauben, dass alles gut wird und wir die Menschen, die uns am allerwichtigsten sind, bald wieder in die Arme schließen können. Es ist unmöglich, zu sagen, ob wir hier Wochen oder Monate ohne Aussicht auf Rettung festsitzen werden, aber wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren.“