In Möggenweiler sah es lange Zeit danach aus, als würde in Sachen Erschließung Stillstand herrschen. Bereits im Dezember 2015 hatte die Verwaltung die Bürger des Ortsteils informiert und man war damals zuversichtlich, die Planungen beim Thema Abwasser und Kanalisation, zeitnah umsetzen zu können – lediglich ein Grunderwerb war noch nicht abgeschlossen, man hoffte noch auf die Einigung mit einem Grundstückseigentümer. "Leider konnten wir die notwendige Fläche nicht erwerben", sagt Stadtbauamtsleiter Michael Schlegel mehr als zwei Jahre später im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Das zwischen Möggenweilerstraße und Buchenweg geplante Retentionsbecken konnte nicht umgesetzt werden – eine Alternative musste gefunden werden.

Das größte Problem in Möggenweiler ist laut Schlegel die Tatsache, dass es keine ordentliche und ausreichende Entwässerung für Abwasser und Oberflächenwasser (Regenwasser) gibt. Besonders bei Starkregen macht sich das bemerkbar, wenn der Mühlbach vom Gehrenberg kommend, das anfallende Wasser nicht mehr aufnehmen kann und im Paradiesweg und der Hochwaldstraße für vollgelaufene Keller sorgt. "Da ist der Unmut der betroffenen Anwohner absolut verständlich", so Schlegel. Deshalb habe die Erschließung immer absolute Priorität gehabt, auch für Bürgermeister Georg Riedmann. Die Stadt ist daran gebunden, ihre Gräben und Bäche zu unterhalten und freizuhalten. Daher wird es auch zu baulichen Veränderungen am Mühlbach kommen. So gibt es neue Einlauf-Rechen (Gitter) für die Bereiche, ab denen dieser unterirdisch verläuft. Darüber hinaus sollen der Graben und die Verdohlungen aufgeweitet und mit neuen Schächten dafür gesorgt werden, dass diese nicht verstopfen.

Der Buchenweg wird ausgebaut und als Umleitungsstrecke genutzt, wenn die Kanalarbeiten in der Möggenweilerstraße beginnen.
Der Buchenweg wird ausgebaut und als Umleitungsstrecke genutzt, wenn die Kanalarbeiten in der Möggenweilerstraße beginnen.

In Möggenweiler ist nur ein kleiner Teil der Häuser an einen privaten Abwasserkanal angeschlossen, der in der Lederlenstraße in eine städtische Leitung übergeht. Ein Teil der Anwohner besitzt eine Drei-Kammer-Klärgrube, die alle drei bis vier Monate abgepumpt und deren Inhalt zur Kläranlage Immenstaad gebracht wird. "Eigentlich ein Unding", so Schlegel. Bei der Erschließung wird nun jedes Haus an eine neue rund ein Kilometer lange Kanalisationsleitung angeschlossen, die in die städtische Leitung übergeht und das Abwasser unter dem Friedhof Richtung Innenstadt, Markdorf-Süd und Lipbach nach Immenstaad abfließt.

"Damit hatten wir aber immer noch nicht die Situation mit dem Oberflächenwasser geklärt", erklärt Michael Schlegel. Das Oberflächenwasser und Schmutzwasser muss in einem Trennsystem abgeführt werden. Um die Straßenflächen und künftig zu bebauende Grundstücke zu entwässern, muss eine Fläche hergestellt werden, in der das Regenwasser zurückgehalten und zeitverzögert an ein Gewässer abgegeben wird. Da es mit dem Grundstückseigentümer für das Retentionsbecken im Westen keine Einigung gegeben hat, konnte nun, nach langer Suche und nach sorgfältigen Prüfungen eine geeignete Fläche auf der anderen Seite des Ortsteils, im Osten Richtung Leimbach, eine Wiese erworben werden, auf der das Regenwasser zurückgehalten wird. Von dort wird es Richtung Steibensteg über einen Bach in die Brunnisach geführt und läuft über das Industriegebiet ab.

Die Gesamtkosten der Maßnahme veranschlagt Jörg Wiggenhauser, stellvertretender Kämmerer, mit 3,6 Millionen Euro. Die Anlieger müssen sich an den anfallenden Kosten beteiligen, das sieht die Beitragserhebungspflicht vor. Auf die Möggenweiler Bürger entfalle laut Wiggenhauser eine Summe von rund 850 000 Euro. Wer dabei wie viel zu tragen hat, wird in Einzelgesprächen geklärt. "In Möggenweiler ist das sehr speziell. Hier gibt es Unterschiede zwischen null und 40 000 Euro", sagt Wiggenhauser. Die Anteile fallen so unterschiedlich aus, weil sie unter anderem von der Größe des Grundstücks, Alter der Bebauung und bereits bezahlten Kanalbeiträgen in den 60er/70er-Jahren abhängig sind. Die Anwohner sogenannter historischer Straßen müssen für den Straßenbau nichts bezahlen.

Neben Abwasser und Kanalisation wird die Straßenbeleuchtung aufgewertet und Gehwege gebaut. In der Möggenweilerstraße werden die Maßnahmen 2019 beginnen. Bilder: Stefanie Nosswitz
Neben Abwasser und Kanalisation wird die Straßenbeleuchtung aufgewertet und Gehwege gebaut. In der Möggenweilerstraße werden die Maßnahmen 2019 beginnen. Bilder: Stefanie Nosswitz

Neben Abwasser und Kanalisation wird die Straßenbeleuchtung aufgewertet und Gehwege gebaut, wo es von der Straßenbreite möglich ist. Entlang der Friedhofstraße, wo sich viele Bürger einen Fußweg gewünscht hatten, sind die Platzverhältnisse zu eng. Die Ausschreibung ist für 2018 vorgesehen, Baubeginn soll 2019 sein. Laut Stadtverwaltung wird es noch eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben, ein Termin steht derzeit noch nicht fest. Die Maßnahmen sollen voraussichtlich in drei Bauabschnitte erfolgen und insgesamt rund drei Jahre dauern. Beginn ist in der Möggenweilerstraße, die Umleitung erfolgt über den Buchenweg. "Den dürfen wir für die Bauarbeiten als Straße ausbauen und benutzen, müssen ihn aber wieder zurückbauen", erklärt Michael Schlegel.

Historische Straßen

Die Anwohner von als historisch eingeordneten Straßen sind von den Erschließungsbeiträgen befreit. Hier werden die Kosten von der Gemeinde übernommen. Den Ausschlag gibt der Straßenstatus zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Badischen Ortsstraßengesetzes. Dabei komme es keineswegs auf das Vorhandensein einer Straße an, sondern um deren Funktion, insbesondere auf die Frage, ob die Straße beim Inkrafttreten der Rechtsgrundlage bereits bebaut war. Das Badische Ortsstraßengesetz gilt seit Februar 1868.