Der Film, den ein Unbekannter vor 15 Jahren vom Markdorfer Stadtlauf zugunsten des Spendenprojekts des Bildungszentrums (BZM) drehte, spiegelt die Emotionen, die Begeisterung und das Wir-Gefühl wider, das alle erfasst hatte, um einen Schulbau in Charikar in Afghanistan zu ermöglichen. Er war der Höhepunkt einer Reihe von Aktionen in der Gehrenbergstadt, die letztlich zusammen rund 40.000 Euro zum Bau der Schule erbrachte. Sie steht heute noch – und ist ein Beispiel von Hilfe im besten Sinn von Nachhaltigkeit. 4000 Schüler, etwas mehr Mädchen als Jungen, werden dort in drei Schichten unterrichtet.

Initiator Franz Beer zeichnete die Strecke ein, die die rund 2500 Läufer bewältigt hatten. Schon nach kurzer Zeit konnte er sich übers erreichte Ziel freuen. Das Bild stammt von einem Film, den ein bisher Unbekannter gedreht hatte.
Initiator Franz Beer zeichnete die Strecke ein, die die rund 2500 Läufer bewältigt hatten. Schon nach kurzer Zeit konnte er sich übers erreichte Ziel freuen. Das Bild stammt von einem Film, den ein bisher Unbekannter gedreht hatte. | Bild: Christiane Keutner

Die 15 Jahre waren Anlass für Initiator Franz Beer, Lehrer a.D. am BZM, ehemalige Mitstreiter zu einem Rückblick einzuladen, verbunden mit der Hoffnung, dass sich künftig weitere Spender finden. Wie aktuell der Rotary-Club Markdorf: Präsident Dieter Walliser und Hanna Vera Müller von der Projektkoordination Umweltschutz übergaben 675 Euro an Peter Adler, den Leiter der „Deutsch-Afghanische Initiative“ (DAI).

Franz Beer musste was tun

Franz Beer bereiste Afghanistan in den 70-er Jahren. Das krisengeschüttelte Land wirkte in ihm nach: „Ich muss was tun“, dachte er sich und stieß auf das Projekt von Adler. Der Freiburger Schulleiter hatte Kontakt zu Bewohnern von Übergangswohnheimen, „viele junge, gescheite Leute, teils mit, häufig ohne Schulkenntnisse“. Als Pakistan und Iran nach dem Einmarsch westlicher Truppen in Afghanistan keine Flüchtlinge mehr aufnahmen, hatten ihn Schüler gefragt, ob man den Menschen in den Flüchtlingslagern nicht helfen könne; besonders vor dem Hintergrund eines kalten Winters. Geld- und Kleiderspenden erfolgten, ein zweiter Besuch vor Ort, bei dem zerstörte Schulen besichtigt wurden und solche, die den Begriff fast nicht verdienen: In Rohbauten wurde unterrichtet. So kam es zum Entschluss, dort eine Schule zu bauen in einem Land, dessen Sommer heiß und windig und dessen Winter bitter kalt sind. 80.000 Euro hatte der erste von zwei Bauten gekostet – die Hälfte kam aus Markdorf, was Adler heute noch fasziniert.

An Tag des Stadtlaufs waren fast alle Bürger im wahrsten Wortsinn auf den Beinen: Entweder als aktive Läufer, Zuschauer, Gestalter oder Organisatoren. Das Bild stammt aus dem damals gedrehten Film.
An Tag des Stadtlaufs waren fast alle Bürger im wahrsten Wortsinn auf den Beinen: Entweder als aktive Läufer, Zuschauer, Gestalter oder Organisatoren. Das Bild stammt aus dem damals gedrehten Film. | Bild: Christiane Keutner

„Das war ein Projekt der gesamten Schule. Unter dem Begriff ‚Soziales Leben‘ hat man sich mit dem Thema beschäftigt. Aber wären nicht Stadtverwaltung, Bürgermeister Bernd Gerber und die Presse gewesen, der Erfolg wäre wesentlich geringer ausgefallen“, so Beer.

Der SÜDKURIER berichtete damals regelmäßig über das Spendenprojekt.
Der SÜDKURIER berichtete damals regelmäßig über das Spendenprojekt. | Bild: Christiane Keutner

Nach dem Vortrag von Peter Adler im Mai 2004 über das Projekt kamen die Aktionen, teils angestoßen von einer aus Lehrern, Schülern und Elternbeirat bestehenden Initiativgruppe, ins Rollen: „Wir kacheln eine Schule“ hieß eines: Fließen für zwei Euro wurden verkauft, bei einer Vernissage ein Bild amerikanisch versteigert mit 1200 Euro Erlös. „Das war der erste Schritt raus aus der Schule in die Gemeinde“, so Winfried Krämer. 26.000 Euro erbrachte der Spendenlauf – bei einer Strecke, die virtuell von Markdorf nach Kabul bis Salzburg reichte und bei der die enthusiastischen Läufer, die mit Kind und Hund rannten, nach Einbruch der Dunkelheit gebremst werden mussten.

„Großartige“ Vereine

Dass er so unproblematisch zustande kam, habe man Bürgermeister Gerber zu verdanken. „Innerhalb einer halben Stunde hatte er alles organisiert.“ „Das war ein Geben und Nehmen und das gegenseitige Vertrauen war hoch. Zudem konnte man sich sicher sein, dass das Geld direkt ankommt und sinnvoll eingesetzt wird,“ erinnerte dieser an die von der Stadt unterstützten „großartigen“ Vereine, die nun mit ihrer Hilfe den Stadtlauf organisierten und ihm mit Hütten, Musik und mehr Volksfestcharakter verliehen hatten.