Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in Baden-Württemberg läuft weiter. Selbst wenn dessen ideelle Träger wie Pro Biene, Nabu, BUND, Fridays for Future und etliche andere Gruppierungen und Verbände bis Mitte Dezember eine Ruhepause eingelegt haben. Denn inzwischen ist die grün-schwarze Landesregierung in den Dialog zu dem von den Bienenschützern eingebrachten Gesetzesentwurf eingetreten. Zuvor hatte sich heftiger Widerstand seitens der baden-württembergischen Bauern geregt. „Dialog statt Mobilisierung“ heißt es daher auf der Internetseite von „Pro Biene“.

Imker im Zwiespalt

Doch was sagen die Imker in Markdorf zum Volksbegehren? Harald Gretscher hält den einen Daumen hoch, der andere zeigt nach unten. „Artenschutz als Anliegen ist prinzipiell zu begrüßen“, erläutert der stellvertretende Vorsitzende des Markdorfer Imkervereins seinen Zwiespalt. „Auf der anderen Seite werden im Volksbegehren Forderungen erhoben, die wir als Imker so nicht mittragen können.“

In ihrem Schleuderraum informieren die Markdorfer Imker über die Arbeit mit den fleißigen Insekten – und die natürlichen Zusammenhänge.
In ihrem Schleuderraum informieren die Markdorfer Imker über die Arbeit mit den fleißigen Insekten – und die natürlichen Zusammenhänge. | Bild: Jörg Büsche

Schlagwort irreführend

Überdies sei das Problem Insektensterben ziemlich komplex. Betroffen seien, anders als die Schlagworte des Volksbegehrens nahelegen, keineswegs nur die Bienen. „Die vielleicht sogar am wenigsten, weil wir Imker uns um sie kümmern“, erklärt Gretscher. Erheblich mehr gefährdet seien viele andere Insektenarten, darunter auch die Wildbienen. Das Problem auf den Sympathieträger Honigbiene zu verkürzen, werde dem überaus vielschichtigen Thema nicht gerecht.

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Kritik an Steingärten

So sei etwa der Einsatz von Pestiziden nicht die einzige Gefahr für Insekten. Den wachsenden Flächenverbrauch, die Versiegelung als Folge der Bebauung führt Harald Gretscher als weiteren Faktor an. Und Helmut Knäple, der Geschäftsführer des Lehrbienenstands in Baitenhausen, verweist auf die privaten Gartenbesitzer. „Die heute in Mode gekommenen Steingärten tragen nicht gerade zur Artenvielfalt bei.“ Gleiches gelte für einen regelmäßig geschnittenen englischen Rasen. Knäple rät zu „mehr Natürlichkeit hinterm Haus – mit heimischen Wiesenblumen“ und etwas Mut zu Wildwuchs. Weil nur dort Insekten Lebensräume finden.

Als sichtbare Zeichen ihres Protest gegen die Forderungen des „Rettet-die-Bienen“-Volksbegehrens haben die Landwirte grüne Kreuze aufgestellt.
Als sichtbare Zeichen ihres Protest gegen die Forderungen des „Rettet-die-Bienen“-Volksbegehrens haben die Landwirte grüne Kreuze aufgestellt. | Bild: Jörg Büsche

Imker verstehen Landwirte

Die Landwirte nimmt Knäple in Schutz. „Auf dem Acker geht es längst nicht mehr so zu wie noch vor 20 Jahren“, versichert er. Den Einsatz von Chemie hätten die Bauern stark eingedämmt. Knäple teilt das Argument der Landwirte. „Ganz ohne Pflanzenschutz geht es nicht, der konventionelle Landbau stützt sich auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, der ökologische Landbau auf mineralische.“ Ein völliger Verzicht würde für viele Betriebe das Aus bedeuten, glaubt Knäple. „Und damit ist ja wohl auch keinem geholfen.“ Nicht einmal den Wildbienen, denn auf vernachlässigten Flächen finden sie keine Nahrung.

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Information ist wichtig

Wolfgang Schüssler und Harald Gretscher, die Vorsitzenden des Imkervereins, plädieren für einen Dialog der Beteiligten, für die Information der Öffentlichkeit – und für den Erhalt der funktionierenden Kulturlandschaft im Bodenseeraum. „Luft nach oben gibt‘s natürlich überall“, so Schüssler. Er wünscht sich mehr kommunale Blühstreifen und weniger kurz gehaltene Streuobstwiesen.

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Die Bienen-Verwirrung

Anders als es der Titel des Volksbegehrens nahelegt, geht es der Initiative der Naturschutzverbände keineswegs um die Honigbiene, auch wenn dies in der Öffentlichkeit irrtümlicherweise häufig so angenommen wird. „Rettet die Bienen“ meint in erster Linie die Wildbiene, bei der rund 50 Prozent der Arten stark gefährdet sind. Die Honigbiene ist in ihren Beständen nicht gefährdet. Ihr setzt am ehesten noch die Varroa-Milbe zu.