"Wir konnten im vergangenen Geschäftsjahr unsere Erfolgsgeschichte fortschreiben", bilanzierte Vorstandsvorsitzender Hermann-Josef Schwarz am Dienstagabend bei der Vertreterversammlung der Volksbank Überlingen in der Markdorfer Stadthalle: "Vorstand und Aufsichtsrat sind mit dem Ergebnis des Geschäftsjahrs 2017 mehr als zufrieden." Die Bilanzsumme beträgt rund 1,47 Milliarden Euro, ein Plus von 4,3 Prozent. Die 119 anwesenden Vertreter stimmten einer Dividende von 980 167 Euro an die Mitglieder zu, das entspricht 4 Prozent.

Generalplanung für Großprojekt vergeben

Der Vorstandsvorsitzende erläuterte die ständig notwendigen Anpassungen innerhalb der Volksbank an neue Anforderungen wie die Digitalisierung. Ein wichtiger Punkt sei das Großprojekt einer neuen Zentrale in der Lippertsreuter Straße in Überlingen, um raus aus den beengten Verhältnissen am Landungsplatz zu kommen. Am 1. März seien die Generalplanung und das Projektmanagement vergeben worden. Direkt gewandt an Überlingens Oberbürgermeister Jan Zeitler, sagte Schwarz: "Wir tragen den Namen der Stadt in unserer Firmierung, wir sind einer der großen Arbeitgeber in der Stadt und wir sind seit Jahren ein verlässlicher Steuerzahler. Wir wissen und wir rechnen mit Ihrer ganzen Unterstützung." Schwarz hofft, dass die Grundsteinlegung noch vor der nächsten Vertreterversammlung erfolgt ist.

Kritik an EU und Europäischer Zentralbank

Schwarz kritisierte in seiner Begrüßungsrede, ebenso wie auch Markdorfs Bürgermeister Georg Riedmann, die wachsenden regulatorischen Anforderungen an die Banken. Diese stellten besonders die kleinen und mittleren Institute vor Herausforderungen, obwohl Auslöser dieser Regelungen, nicht sie, sondern die Konzernbanken seien – Stichwort, die Bankenkrise und ihre Folgen. Beide zitierten einen Satz von Microsoft-Gründer Bill Gates, "Banking is necessary, banks are not" ("Bankgeschäfte sind notwendig, Banken nicht"), und warben für die Genossenschaftsidee mit den Menschen im Mittelpunkt, statt rein profitorientierten Geschäftsmodellen. Kritisch sieht Schwarz die von der Europäischen Union (EU) und der Europäischer Zentralbank (EZB) geplante gemeinsame Einlagensicherung. Schwarz und auch Riedmann wandten sich gegen eine Vergemeinschaftung von Risiken. "Für uns schlicht und einfach nicht akzeptabel", so Schwarz.

Bank-Chef rechnet weiter mit guter Konjunktur

Politisch sei die Lage schwierig einschätzbar, meinte der Vorstandsvorsitzende. Als Beispiele nannte er 2017 die Bundestagswahlen und Koalitionsverhandlungen sowie Donald Tramp mit seinem "Gezwischter" und aktuell die neue Regierungskoalition in Italien. Hoffnung für Europa mache die Wahl von Emmanuel Macron. Positiv, so Schwarz: "Die wirtschaftlichen und konjunkturellen Rahmenbedingungen passen. Die deutsche Wirtschaft hat ihren Wachstumskurs, eingebettet in ein robustes Wachstum der Weltwirtschaft, auch 2017 fortgesetzt." Schwarz rechnet damit leicht abgeschwächt auch 2018.

Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. Wieder in den Aufsichtsrat gewählt wurden Florian Hildebrand und Martin Hahn.