Das ist eine Esskastanie, hatten sich die Kinder gedacht und sich gewundert, als sich die vermeintliche Kastanie plötzlich bewegte. Damals war Flo ein winziges Igelchen mit gerade mal 42 Gramm. Dank liebevoller Pflege bringt das possierliche Tierchen nun das dreifache Gewicht auf die Waage, wie Ilona Brauer beim Bücherflohmarkt des Tierschutzvereins Markdorf zeigte. Exakt 222 Gramm hatte Flo am vergangenen Samstag.

Eines von vielen Beispielen, die den Besuchern bei der Veranstaltung in der Stadthalle per Fotos und Videos gezeigt wurden: In den 25 Jahren seit Gründung des Vereins wurden zahlreiche Hunde, Katzen, Hasen, Meerschweinchen, Vögel und viele Tiere mehr gerettet, operiert, kastriert, gepflegt und vermittelt.

Auf treue Freunde und Helfer kann der Verein zählen. So kamen trotz des sonnigen Wetters besonders morgens und am frühen Nachmittag die Besucher, um in den vielen, nach Themen geordneten Büchern zu stöbern oder für eine Kaffeepause mit Kuchen, der von Mitgliedern und Bäckereien gespendet worden war. Bärbel Achilles aus Raderach bot selbst genähte Kissen mit Tiermotiven an. Stoff und Füllung bezahlt sie aus eigener Tasche, den Erlös stiftet sie zu 100 Prozent an die Tierschutzvereine Markdorf und Friedrichshafen. "Weil ich Viecher liebe", sagte sie.

Ein weiteres Angebot, Geld für den Tierschutz zu erhalten, war der Verkauf von Kalendern mit Fotos der geretteten Schützlinge. Christine Hänfling hat einen erworben: "Weil er mir wirklich sehr gut gefällt, ich selbst eine große Tierfreundin bin und den Verein unterstützen möchte." "Sie laufen ganz gut", berichtete Mitglied Sonja Schuhmacher zu den Kalendern.

Sie stand bei den Tischen, auf denen auch Gespendetes zum Verkauf lag: Kerzen, Kleiderhaken, Karten, Servietten, Vasen, Hundeleinen – und etwa Mausefallen? Keine Lebendfalle, wie es sich für einen Tierschutzverein gehört. Aber Entwarnung: Es handelte sich um harmlose Einkaufszettel-Halter.

Hier wie auch bei der großen Tombola mit wenigen Nieten und 450 Preisen erwiesen sich die Markdorfer Geschäftsleute und weitere Spender aus der Umgebung als sehr großzügig: Es gab Essensgutscheine, Weine, Dekoartikel, Schmuck, Dirndl, Accessoires und als Hauptpreis einen Kaffeevollautomaten im Wert von 500 Euro. Zudem wurden Nist- und Igelkästen gezeigt.

Könnte der Tierschutzverein mit mehr Helfern rechnen, würden die Verantwortlichen den Bücherflohmarkt auch zweimal im Jahr anbieten, so Vorsitzende Annemarie Hendricks: "Das ist schon ein Aufwand. Vor allem der Auf- und Abbau mit den Bücherkisten", sagte sie, freute sich aber, mit einem von Betz und Weber gestellten Container endlich Platz für die Aufbewahrung der vielen Bücher zu haben und über die gesponserte Broschüre zum 25-Jährigen.

Interessierten wurde erklärt, wie Katzen und Igel gefunden und aufgepäppelt wurden und werden. Wie das Igel-Baby Flo. Via Facebook hatte Ilona Brauer die Geschichte vom gänzlich mit Milben befallenen Flo erzählt und kurz darauf eine Salbe mit Propolis und Kokosöl erhalten. Schon nach kurzer Zeit beruhigte sich die irritierte, schuppige Haut und die Stacheln beginnen nachzuwachsen.

Immer wieder kann sich der Tierschutzverein freuen. Über eine Klasse der Tannenhagschule in Friedrichshafen: Sie hat Geld gesammelt und die Patenschaft für Hector übernommen. Der Igel war überfahren worden. Ihm musste deshalb ein Hinterbein amputiert werden. Dennoch kommt er gut durch sein Leben. Mit Hector wollen die Tierschützer die Schule besuchen und eine Paten-Urkunde gestalten. Oder über Menschen wie Ramona Arnold: Sie hatte ein Katzenbaby in einer Hütte gefunden und ist jetzt selbst "Pflegestelle", bis das Kätzchen vermittelt werden kann.