Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2014 liegt dessen Heimat im Gewerbegebiet Riedwiesen. Im Februar 2017 wurde allerdings ein Umzug nötig. Die Miete im alten Gebäude, genau gegenüber des jetzigen Standorts in der Bergheimer Straße, war zu teuer.

Thomas Kekeisen ist der Vorsitzende der Toolbox Bodensee.
Thomas Kekeisen ist der Vorsitzende der Toolbox Bodensee. | Bild: Heuser, Christoph

"Damals haben uns Spenden von zwei Unternehmen gerettet", sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Kekeisen. Wegen der vergleichsweise niedrigen Miete am jetzigen Standort können die laufenden Kosten durch die Mitgliedsbeiträge gedeckt werden. Derzeit verfügt der Verein über ungefähr 100 Mitglieder. "Das scheint eine magische Grenze zu sein", sagt Kekeisen, "dort hat es sich vor geraumer Zeit eingependelt".

Zufällig verirrt sich gewiss niemand in die Tüftlerhöhle. Lediglich ein kleines und schlichtes Schild an Fassade des Gebäudes lässt den Schluss zu, dass sich hinter dem Gemäuer, das ansonsten leerstehend und heruntergekommen wirkt, noch Leben abspielt.

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Doch schon einige Schritte hinter der Eingangstür im Innenhof merkt man schnell, dass hier kreative und (positiv) verrückte Menschen am Werk sind. Die Tür steht offen.

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Tritt man ein, sieht man erst einmal Gerümpel und wahnsinnig viele Aufkleber. Überall stehen alte Ledermöbel wild in der Gegend herum. In der Luft liegt der Geruch von altem Teppichboden. Die Atmosphäre erinnert an die eines Jugendzimmers aus den 90er-Jahren. Und natürlich, Spielekonsolen aus längst vergangenen Tagen gibt es hier auch.

Rechts führt eine Treppe ins obere der beiden Stockwerke. Ausgeleuchtet ist diese mit LEDs, die im Sekundentakt ihre Farben wechseln.

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Oben hockt Thomas Kekeisen vor der "Floppy-Orgel" und versucht eine Stunde vor Teamsitzung, die wöchentlich stattfindet, das Konstrukt zum Laufen zu bringen. Statt Floppy kann man auch Diskettenlaufwerk sagen. Irgendwann ist jemandem aufgefallen, dass diese Laufwerke – unbeabsichtigt – Töne von sich geben. Daraus erwuchs die Idee, mit vielen Floppys unterschiedliche Klänge zu erzeugen. So richtig sollte es dieses Mal nicht funktionieren. Trotzdem ist es sehr anschaulich.

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Der Teamsitzung wird kein hochoffizieller Rahmen gegeben. Ungefähr 30 Leute haben sich an diesem Abend eingefunden, knapp zehn davon kommen fünf Minuten zu spät, weswegen die bereits begonnene Sitzung noch ein zweites Mal gestartet wird. Einige sitzen direkt am Tisch, andere weit nach hinten versetzt, teils in zweiter Reihe. Wiederum andere verfolgen die Besprechung im Stehen. Trotzdem: Die Diskussionen verlaufen zielführend, notwendige Absprachen werden schnell getroffen. Innerhalb von 20 Minuten ist alles gesagt. Und wie es gute Tradition ist, wird ein Wimpel mit Vereinslogo aufgestellt.

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Nachdem die Sitzung vorbei ist, verteilen sich die Vereinsmitglieder im Gebäude. "Die meisten unserer Mitglieder haben einen technischen Beruf, aber längst nicht alle", beschreibt der zweite Vorsitzende, Thomas Schanne, die Zusammensetzung, "mein Eindruck ist aber, dass hier vor Ort alle etwas machen, das nicht unbedingt ihrer Kernkompetenz entspricht, aber dafür helfen wir uns einander aus".

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Partizipation ist der tragende Grundsatz, mit welchem die Gemeinschaft harmonieren kann. Nils Int-Veen hat heute einen Werkzeuggürtel mitgebracht. Er hat ihn selbst von Verwandtschaft überlassen bekommen und stellt ihn nun der Allgemeinheit zur Verfügung. Während Thomas Schanne bereits entsprechende Hinweise gibt, welche Bohrer, Dübel und Schrauben zur Befestigung an der Wand taugen, schaut Nils Int-Veen zunächst noch nach einem geeigneten Platz.

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In der oberen Etage befindet sich ein Funkraum. Manfred Küchle hat mit Computern nicht viel zu tun. Aber das Funken ist sein Spezialgebiet. Ein Sender ist von dem Zimmer aus auf den Funkturm am Gehrenberg gerichtet. Von dort aus können Signale weitergegeben, aber auch empfangen werden. Etwa aus Zürich oder München. Sogar die Videoübertragung in hochauflösender Bildqualität ist möglich. Hier sendet Manfred Küchle gerade einen Funkspruch.

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Im Übrigen war ein 3-D-Drucker gewissermaßen für die Gründung der Toolbox Bodensee mitverantwortlich. Thomas Kekeisen hatte seit 2011 ein eigenes Softwareunternehmen. "Als es noch cool war, Apps zu programmieren", wie er sagt. Zur besten Zeit hatte Kekeisen über 20 Angestellte. Und einen 3-D-Drucker. "Die Praktikanten sind darauf völlig abgefahren", berichtet er, "deswegen haben wir einfach mal einen Zeitraum eingerichtet, wo Leute von außerhalb kommen konnten".

Der Unternehmer macht eine Pause, reißt die Augen auf und hebt die Arme: "Und dann kamen wirklich Menschen deswegen zu uns!" Aus dieser Erfahrung heraus nahm Thomas Kekeisen das Zepter in die Hand. Mit neun Mitstreitern gründete er die Toolbox Bodensee. Der Verein verfügt inzwischen sogar über zwei 3-D-Drucker. Eindrucksvoll ist das Gerät für Außenstehende auch heute noch.

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Auf dem Flur ist zwischenzeitlich ein blecherner Dreiklang zu hören. Eine Abfolge von Tönen, die sofort ins Ohr geht. Die Audioquelle befindet sich im hintersten Raum des oberen Stockwerks. Der Blick in das kleine Zimmer offenbart es sofort. Hier ist alles retro. Joysticks, Disketten und ein Commodore 64. Davor hockt Christian Gleinser.

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Auf dem winzigen Röhrenbildschirm ist ein von Gleinser selbst geschriebenes Programm zu sehen. Damit kann er bis zu drei verschiedene Töne festlegen und damit eigene Klänge kreieren, es ist allerdings bloß eine Spielerei. Ansonsten widmet er sich aber weitaus anspruchsvolleren Dinge, etwa dem Programmieren von Spielen.

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Auf dem Weg nach draußen, steht die Tür zur Toilette offen. Und auch dort gibt es noch eine Überraschung. Bildschirme auf sanitären Anlagen sind selbst in Zeiten galoppierender technischer Entwicklung ungewöhnlich. "Da läuft übrigens nur Schrott, damit die Leute nicht allzu lange dortbleiben", sagt Thomas Schanne und grinst. In diesem Sinne.

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