Seine Wahl zum Ortsvorsteher hatte sich Bernhard Grafmüller im Juli 2019 sicher anders gewünscht. Nur ganz knapp – mit vier von sieben Ratsstimmen – wurde Grafmüller in das Amt gewählt, das er bereits nach dem Rückzug seines Vorgängers Thomas Geßler seit 2016 innehatte.

Wahl zum Ortsvorsteher verlief nicht reibungslos

Dass die CDU einen Gegenkandidaten aufgestellt hatte, obwohl Grafmüller die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte und auch die Umweltgruppe stärkste Gruppierung geworden war, hatte für Irritationen und Verstimmungen im Gremium gesorgt.

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Doch mittlerweile haben sich die Wogen wieder geglättet, man arbeite sehr gut miteinander und es sei in den vergangenen Monaten Normalität eingekehrt, wie Bernhard Grafmüller im Gespräch mit dem SÜDKURIER berichtet.

Der neu Ittendorfer Ortschaftsrat (von links): Thomas Braun, Alexander Ritzer, Jörg Bailer, Simon Pfluger, Ursula Hutter-Koenen, Karl-Heinz Alber und Bernhard Grafmüller.
Der neu Ittendorfer Ortschaftsrat (von links): Thomas Braun, Alexander Ritzer, Jörg Bailer, Simon Pfluger, Ursula Hutter-Koenen, Karl-Heinz Alber und Bernhard Grafmüller. | Bild: Lang, Andreas

Dieses findet Mitte Dezember in seinem Büro im Bürgerhaus statt. Von seinem Schreibtisch blickt er direkt auf die viel befahrene Bundesstraße 33, die durch den Ort führt.

Verkehr wird „von Jahr zu Jahr schlimmer“

„Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer mit dem Verkehr„, sagt Grafmüller und ein Lastwagen fährt an seinem Fenster vorbei – geschätzt mit deutlich mehr Geschwindigkeit als den erlaubten 30 km/h. Gerne würde der 64-Jährige die 30er-Zone verlängern, vor allem aus Richtung Meersburg kommend, stehe das Schild „sehr ungeschickt“, direkt am Hang vor einem Mehrfamilienhaus.

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Hier werde entsprechend stark und laut abgebremst beziehungsweise auf der Gegenspur Gas gegeben. Auch bricht bei Baustellen oder Umleitungen regelmäßig der Verkehr im Ort zusammen, so wie im Juli, als die B 31 zwischen Immenstaad und Friedrichshafen gesperrt werden musste oder zuletzt im November aufgrund von Straßenarbeiten auf der B 33.

Im November auf der B33 bei Ittendorf-Wirrensegel. In Fahrtrichtung Meersburg misst der Stau vor einer ampelgeregelten Baustelle mehrere huntert Meter.
Im November auf der B33 bei Ittendorf-Wirrensegel. In Fahrtrichtung Meersburg misst der Stau vor einer ampelgeregelten Baustelle mehrere huntert Meter. | Bild: Ganter, Toni

Klar positioniert hat sich der Ittendorfer Ortschaftsrat gegen die Südumfahrung. Der Bürgerentscheid liege 16 Jahre zurück und die damals angenommenen Voraussetzungen hätten sich verändert, so beispielsweise der mittlerweile aufs Fünffache erhöhte Kostenanteil für Markdorf.

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Weitere Argumente, die aus heutiger Sicht gegen die geplante Straße sprechen, seien zum einen der Umstand, dass die Planungen für die Bundesstraßen B 30-neu und B 31-neu inzwischen sehr weit vorangeschritten seien, die einen Teil des momentan noch durch Markdorf laufenden Verkehrs aufnehmen würden.

„Der Ton bei der B 31-neu-Trassenplanung ist schon harscher geworden“, findet Grafmüller, der davon überzeugt ist, dass die Fachplaner objektiv bemüht seien, die beste und konfliktärmste Variante zu finden – diese soll die B1-Vorzugsvariante sein, wie das RP Tübingen kurz vor Weihnachten bekannt gegeben hatte.

Ortsvorsteher Bernhard Grafmüller
Ortsvorsteher Bernhard Grafmüller | Bild: Jörg Büsche

Das sagt Grafmüller zur B1-Vorzugsvariante

„Zunächst bin ich froh und erleichtert darüber, dass die Nachteile der Varianten C klar erkannt und festgestellt worden sind und diese Trassen somit auch ausgeschlossen wurden“, sagt Grafmüller.

Diese Varianten würden für Ittendorf den größtmöglichen Schaden darstellen, sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt. Darüber, dass keine „Ausbau-Variante“ zum Zuge gekommen ist, sei er „ein wenig enttäuscht“, da er persönlich eine solche Lösung für am wenigsten Land-verbrauchend halte und der ökologisch wertvolle Weingartenwald geschont würde.

„Ich denke aber auch, dass man die Arbeit der Planer und Gutachter anerkennen sollte, die sich mit Sicherheit um die konfliktärmste Lösung und damit um den besten Kompromiss sowohl für die Menschen als auch für die Umwelt bemüht haben“, so Bernhard Grafmüller.

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Des Weiteren bleibe die Südumfahrung ein „Torso“, da es keinen Anschluss in Kluftern geben wird – und weil der Bau von Ortsumfahrungen für Bermatingen sowie Neufrach derzeit nicht abzusehen seien. Die Entlastung der Markdorfer Ortsdurchfahrt wird mittlerweile deutlich geringer prognostiziert als zu Beginn der Planungen, nämlich nur um gut 4000 Fahrzeuge.

Südumfahrung bedeutet mehr Verkehr durch Ittendorf

Dagegen sagen die Verkehrsplaner weiterhin eine Erhöhung des Verkehrs durch Ittendorf durch die Südumfahrung voraus, Grafmüller rechnet mit bis zu täglich 2000 Fahrzeugen mehr. „Das ist keine richtige Lösung des Problems“, so Grafmüller, den es ärgert, dass diese Tatsache, die schon seit den ersten Verkehrsprognosen zur Südumfahrung bekannt ist, von den Planern „ignoriert wird“.

Für die verkehrsgeplagten Ittendorfer ist es daher umso wichtiger, wenigstens zusätzliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung herbeizuführen – sei dies mit Verschwenkungen, Verkehrsinseln oder mit der Verlegung des Ortschildes nach außen, um das Tempolimit zu verlängern. Auch müsse die Kontrolle der Geschwindigkeit laut Grafmüller intensiviert werden. Überlegungen, um die Situation an der Engstelle im Kreuzungsbereich am „Adler“ zu verbessern, gebe es zwar, allerdings habe dies im vergangenen Jahr keine Priorität gehabt, räumt Grafmüller ein.

Ortsvorsteher Bernhard Grafmüller wünscht sich eine zusätzliche Ampel vor der Kippenhauser Straße vor – gekoppelt mit der Fußgängerampel – für die Autofahrer, die aus Richtung Stetten nach Ittendorf hineinfahren
Ortsvorsteher Bernhard Grafmüller wünscht sich eine zusätzliche Ampel vor der Kippenhauser Straße vor – gekoppelt mit der Fußgängerampel – für die Autofahrer, die aus Richtung Stetten nach Ittendorf hineinfahren | Bild: Nosswitz, Stefanie

Er möchte 2020 einen neuen Anlauf beim Landratsamt wagen. Ihm schwebt eine zusätzliche Ampel vor der Kippenhauser Straße vor – gekoppelt mit der Fußgängerampel – für die Autofahrer, die aus Richtung Stetten nach Ittendorf hineinfahren. „Irgendwie ist aus diesen Überlegungen nie etwas geworden“, so Bernhard Grafmüller.

Kreisstraße 7782 nach Kippenhausen wird saniert

Umgesetzt wird dagegen die Sanierung der Kreisstraße 7782 nach Kippenhausen in den kommenden Jahren. Es sollen die Fahrbahnränder standfest neu aufgebaut und ein neuer Fahrbahnbelag aufgebracht werden. Die Dimensionierung der Straße bleibt grundsätzlich bestehen. „Wir sind froh, dass die Straße in ihrer Breite erhalten bleibt“. Der erste Bauabschnitt ist zwischen Reute und Hundweiler geplant

Die Kreisstraße nach Kippenhausen wird saniert.
Die Kreisstraße nach Kippenhausen wird saniert. | Bild: Nosswitz, Stefanie

Grafmüller: Ittendorf ist ein „intakter“ Ortsteil

Der Ortsvorsteher beschreibt Ittendorf als einen „intakten“ Ortsteil, größere Maßnahmen sind für 2020 keine geplant. Statt dessen könnte in ein größeres privates Bauvorhaben endlich Bewegung kommen: In der Sitzung des Ortschaftsrates am Montag, 13. Januar, werden neue Pläne für die Bebauung auf dem ehemaligen Algemarin-Gelände vorgestellt. „Hier sind die Stadt und der Antragsteller in engem Kontakt“, weiß Bernhard Grafmüller, der sich freuen würde, wenn die Planungen 2020 abgeschossen und danach erste Arbeiten beginnen könnten.