Sibylle Strasser ist seit 21 Jahren Vorsitzende des Vereins für Freizeitsport in Deggenhausertal. Sie sagt: "Ich bin schon eine Macherin, und das Ehrenamt ist Lebensspaß." Doch auch für sie gibt es eine Grenze, wo aus Lebensspaß mehr und mehr Stress werden kann. "Die immer komplizierter werdende Verwaltungsarbeit ist schon belastend, ständig gibt es neue Belehrungen vom Landratsamt", erklärt Strasser. Auch stört sie der Umgangston mancher Menschen, die ihrer Ansicht nach manchmal vergessen, dass der Verein von Ehrenamtlichen gestemmt wird. "Ich habe gemerkt, dass ich versuchen muss, mich zu entstressen, um den Spaß nicht zu verlieren."

Früherer Vorsitzender steht seinem Nachfolger als Stellvertreter zur Seite

Adolf Stecher von der Tennisgemeinschaft Deggenhausertal war froh, als er im vergangenen Jahr nach 16 Jahren das Amt des Vorsitzenden an den damals 27-jährigen Tobias Bentele übergeben konnte. "Es ist wichtig, Verantwortung abgeben zu können. Genauso wichtig ist es aber auch, dass die Jugend bereit ist, diese anzunehmen", erzählt Stecher. Er selbst steht seinem Nachfolger weiterhin mit Rat und Tat als stellvertretender Vorsitzender zur Seite. "Wenn es Probleme geben sollte, bin ich auf jeden Fall zur Stelle." Bei der Tennisgemeinschaft möchte man mit diesem Modell den Jungen zeigen, dass man ruhig Verantwortung übernehmen kann, da man nicht allein gelassen wird: "Denn die Alten sind ja auch noch da", sagt Stecher.

Adolf Stecher (rechts) gab vergangenes Jahr nach 16 Jahren den Vorsitz der Tennisgemeinschaft Deggenhausertal ab und steht seither dem Vorsitzenden Tobias Bentele (links) noch als Stellvertreter zur Seite. IN der Mitte Magdalena Steuer und Franz Steuer. Bild: Verein</span>
Adolf Stecher (rechts) gab vergangenes Jahr nach 16 Jahren den Vorsitz der Tennisgemeinschaft Deggenhausertal ab und steht seither dem Vorsitzenden Tobias Bentele (links) noch als Stellvertreter zur Seite. IN der Mitte Magdalena Steuer und Franz Steuer. Bild: Verein | Bild: Stecher, Adolf

Team aus drei Vorsitzenden teilt sich Aufgaben

Hingegen ist man beim Musikverein Ittendorf bereit ganz neue Wege zu gehen. Künftig soll der Verein mit drei gleichberechtigten Vorsitzenden geführt werden. Es sei immer schwerer geworden, ein Führungsteam zu finden, da neben den beruflichen Belastungen auch die Auflagen für das Ausrichten von Festen stark gestiegen seien. Die Belastung für einen einzelnen Vorsitzenden sei zu hoch, denn das Amt erfordere nicht nur mehr Zeit, sondern auch mehr Verantwortung. Markus Steiner, Andreas Reck und Manuela Zurell werden sich künftig gemeinsam um die Geschicke des Vereins kümmern. "Auf jeden Fall hat mir das die Entscheidung erleichtert", erklärt Steiner, "denn es arbeitet sich entspannter, wenn die Arbeiten verteilt werden können."

Das dreiköpfige, gleichberechtigte Vorstandsteam des Musikverein Ittendorf mit der vorherigen Vorsitzenden Anja Hille (von links): Markus Steiner, Manuela Zurell und Andreas Reck. Der Vereinsvorstand weist in einer Stellungnahme die Vorwürfe des Ex-Dirigenten Gerhard Thiel zurück.<sup></sup><em>Bild: Andreas Lang</em>
Das dreiköpfige, gleichberechtigte Vorstandsteam des Musikverein Ittendorf mit der vorherigen Vorsitzenden Anja Hille (von links): Markus Steiner, Manuela Zurell und Andreas Reck. Der Vereinsvorstand weist in einer Stellungnahme die Vorwürfe des Ex-Dirigenten Gerhard Thiel zurück.Bild: Andreas Lang | Bild: Lang, Andreas

Kommunikation dank Neuer Medien einfacher

Sicher werde jeder der drei sich einem speziellen Themenfeld widmen. Dafür brauche es eine funktionierende Kommunikation. Steiner erklärt: "Die Neuen Medien erleichtern das ungemein. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, in der wir alles Wichtige aktuell besprechen können." Und wenn man mal nicht auf einen Nenner komme, ziehe das demokratische Prinzip: "Dann wird einfach abgestimmt und bei zwei zu eins muss sich einer beugen." Für die Umsetzung brauche es eine Satzungsänderung, die man in naher Zukunft bei einer Mitgliederversammlung absegnen lassen möchte. "Ich denke, wir bekommen die Zustimmung, denn schon jetzt sind positive Impulse zu spüren." Er hofft, dass es künftig nicht mehr allzu schwer werden wird, Vereinsmitglieder für die Vorstandsarbeit zu motivieren.

Schriftführer gibt jahrelange Erfahrungen an Vorsitzenden weiter

Diese Motivationsprobleme gab es beim Musikverein Ahausen nicht. Hier hat sich in den vergangenen zwei Jahren das Vorstandsteam verjüngt. Man setzte nicht auf einen radikalen Wechsel, sondern ging die Entwicklung langsam an. "Vor allem war es hilfreich, dass ich mit Klaus Ehinger am Anfang einen sehr erfahrenen Schriftführer zur Seite hatte", sagt der Vorsitzende Maurice Parent. Ehinger war genau 20 Jahre Schriftführer und konnte so dem neuen Vorsitzenden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ein Jahr darauf übernahm Nadja Braun das Schriftführeramt. Für Klaus Ehinger eine leichte Entscheidung: "Man darf sich nicht an solchen Posten festkrallen, das ist es nicht wert. Es ist gut, wenn die Amtsinhaber mit der Zeit gehen."

Das Führungsteam des Musikvereins Ahausen hat sich in den vergangenen zwei Jahren verjüngt: (vorn, von links) Nadja Braun, Anja Moser, Barbara Zobel und Claudia Veeser, (stehend, von links) Klaus Dietz, Karl Hafen, Wolfgang Graf, Maurice Parent, Alexander Päster, Martin Heigle, Tobias Schappeler sowie Nicolai Zimmermann.
Das Führungsteam des Musikvereins Ahausen hat sich in den vergangenen zwei Jahren verjüngt: (vorn, von links) Nadja Braun, Anja Moser, Barbara Zobel und Claudia Veeser, (stehend, von links) Klaus Dietz, Karl Hafen, Wolfgang Graf, Maurice Parent, Alexander Päster, Martin Heigle, Tobias Schappeler sowie Nicolai Zimmermann. | Bild: Jan Manuel Heß

Neusortierung im Vorstand Thema einer Klausurtagung

So sieht es auch Sibylle Strasser, die sich bereits intensiv Gedanken darüber macht, wie es künftig an der Vereinsspitze des Vereins für Freizeitsport weitergehen soll. Denn natürlich ist ihr klar, dass sie den Posten nicht ewig machen kann: „Wir haben für dieses Jahr, anlässlich unseres 30. Jubiläums, eine Klausurtagung des Vorstands angesetzt, wo wir erörtern wollen, wie wir die Arbeiten künftig sortieren.“ Ihr gefällt die Idee einer Dreierspitze wie in Ittendorf, auf deren Schultern die Verantwortung gleich verteilt ist. Was sie heute an Verantwortung und Aufgaben trage, könne sie keinem berufstätigen Menschen allein überlassen, sofern sich dafür einer finden würde.

 

"Der Verein gehört allen und nicht einem allein"

Erich Lorenz ist seit 14 Jahren Vorsitzender des Gesamtvereins SC Markdorf. Er erzählt, was nötig ist, um ein Amt so lange mit Begeisterung ausfüllen zu können.
Erich Lorenz ist seit 14 Jahren Vorsitzender des Gesamtvereins SC Markdorf. Er erzählt, was nötig ist, um ein Amt so lange mit Begeisterung ausfüllen zu können. | Bild: Jan Manuel Heß

Was muss stimmen, damit man so lange Vorsitzender eines Vereins ist?

Zunächst einmal die Umgebung, also die Menschen um einen herum, denn dann hat man keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Nun sind Sie nicht nur Vorsitzender eines Vereins. Der SCM besteht ja aus insgesamt vier Abteilungen. Bedeutet das viermal so hohen Aufwand?

Nein, denn die eigentliche "Handarbeit" findet in den einzelnen Abteilungen statt, das nimmt viel Arbeit ab. Alle sportlichen Angelegenheiten werden von den Abteilungsleitern gemacht. Ich kümmere mich hauptsächlich um organisatorische Dinge und leiste Unterschriften.

Vier Abteilungen bedeutet vier unterschiedliche Interessenlagen. Führt das zu Reibereien?

Um das zu vermeiden, ist ein fairer Umgang mit allen Abteilungen wichtig, da darf keine der anderen vorgezogen werden. Denn der Verein gehört allen und nicht einem allein, das ist das wichtigste dabei.

Das beherrscht man sicherlich nicht von heute auf morgen?

Nein, ganz sicher nicht. Die eigenen Erfahrungen, die man mit den Jahren sammelt, sind enorm wichtig. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln. Vor allem gehören Offenheit, Ehrlichkeit und eine gute Portion Selbstvertrauen dazu.

Bei einem Verein dieser Größenordnung – mit rund 700 Mitgliedern einer der größten in Markdorf – ist man sicherlich viel unterwegs?

Auf jeden Fall. Neben den Fußballspielen gehören auch die Tennis- und Tischtennisturniere sowie Freizeitsportveranstaltungen dazu. Da spielt dann das Lebensumfeld eine große Rolle.

Entgegen Ihrer Ankündigung vergangenes Jahr haben Sie bei der Hauptversammlung dieses Jahr verkündet, noch zwei Jahre als Vorsitzender dranzuhängen. Warum?

Um eine kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten und um nach 21 Jahren Vorstandstätigkeit aufrecht abtreten zu können.