Was ist geschehen? Ist er von der Fahne gegangen, gar desertiert? Hat er den Bettel hingeworfen – und die beiden Wappen gleich mit? Oder ist lediglich der wohlverdiente Urlaub gewährt – nach so langer Zeit des treuen Dienens bei Wind und bei Wetter draußen vor dem Obertor. In jedem Falle steht er nicht mehr dort: der Stadtsoldat – oder Zoller, wie er auch heißt.

Wird wieder hergestellt: der Zoller oder Stadtsoldat.
Wird wieder hergestellt: der Zoller oder Stadtsoldat. | Bild: Jörg Büsche

Bischöflicher Amtmann oder Mitglied der Armbrust- und Schützengilde?

Um Namen und um Funktion streiten die städtischen Gelehrten. Die einen sehen den Zoller-Stadtsoldaten eher als eine Art bischöflichen Amtmann, der im Dienste seines hohen geistlichen Herren in dessen Stadt am Gehrenberg die administrativen Vorgänge leitete. Wohingegen die anderen dem Stadtsoldaten-Zoller eher die militärischen Obliegenheiten der Stadt zuschreiben. Er sei das Mitglied der örtlichen Armbrust- und Schützengilde – und eben nicht der Verwaltungschef des bischöflichen Stadtherren aus Konstanz.

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Figur musste Parkplätzen weichen

Was er wirklich war und welche Rolle er gespielt hat im alten Markdorf, das wird er in jedem Falle besser wissen. Vielleicht verrät er es ja, wenn er wieder zurück ist. Denn der Stadtsoldat ist nicht desertiert. Er wurde „verlegt“. Seinen Wachdienst konnte er nicht mehr länger hinterm Tor verrichten, weil er mitsamt seiner Tarnung, dem Blumenbeet, neu angelegten Parkplätzen weichen musste.

Figur soll noch in diesem Jahr an neuem Standort aufgestellt werden

Vor dem endgültigen Dienstantritt am neuen Standort beim Kanonenbühl aber heißt es: sich rekreieren. Das lange Stehen hat ihm zugesetzt. Nicht im Lazarett, sondern im städtischen Bauhof wird der Stadtsoldat nun wieder auf Vordermann gebracht und soll dann – möglichst noch in diesem Jahr – an neuem Standort wieder Wache stehen beziehungsweise an alte Herrschaftsverhältnisse erinnern.

Replik aus Beton

Übrigens ist die Zoller-Stadtsoldaten-Figur nur eine Replik aus Beton. Ein Stadtsoldat-Zoller aus Sandstein steht in der Mauritiuskapelle. In den 1980er Jahren finanziert vom Zoller Förderverein zur Erhaltung der Kulturdenkmäler Markdorfs.