Die Umweltgruppe Markdorf hat einen neuen Vorstand. Bei ihrer jüngsten Hauptversammlung im Mehrgenerationenhaus wählten die Mitglieder Christian Schmid zum Nachfolger von Joachim Mutschler. Nach erfolgreicher Kandidatur für den Gemeinderat hatte der sein Amt zur Verfügung gestellt. Ebenfalls neu gewählt wurde Otto Maier. Er löst Uwe Schäfer als Schriftführer ab. Für Brigitta Ehinger als stellvertretende Vorsitzende hat sich noch kein Nachfolger gefunden. Wieder besetzt ist der Posten des Homepage- und Social-Media-Beauftragten mit Jonas Alber.

Susanne Deiters Wälischmiller, Sprecherin der Fraktion der Umweltgruppe, berichtete über die Arbeit im Gemeinderat. Über die Beschaffung von neuen Löschfahrzeugen ebenso wie über den Ausbau der Kläranlage, die neuen Pläne für die Trendsportanlage, wie die Diskussion über die Friedhofsgebühren. Der Rat werde künftig stärker auf Kostendeckung achten.

Der neue Vorstand der Umweltgruppe (von links): Otto Maier, Jonas Alber, Christian Schmid, Albin Ströbele und Luigi Patamisi.
Der neue Vorstand der Umweltgruppe (von links): Otto Maier, Jonas Alber, Christian Schmid, Albin Ströbele und Luigi Patamisi. | Bild: Jörg Büsche

Thema Parken im Blick

Ein Punkt, bei dem Joachim Mutschler einhakte. Denn bei den Parkhäusern gebe es keine Kostendeckung. Hier würden Millionenbeträge ausgegeben, während sich die Investitionen für den Radverkehr im niedrigen fünfstelligen Bereich bewegten. Clemens Rid schlug vor, das Thema Parken in Markdorf offensiv anzugehen. Susanne Deiters Wälischmiller regte die Anlage von Parkraum in der Peripherie an. Dafür aber brauche es einen Stadtbus, so Rid, der sich ein Konzept für die Zukunft wünschte. Brigitta Ehinger hingegen warnte, „bei der Parkplatz-Diskussion vorzupreschen“. Frieder Staerke sah das anders. Er schlug vor, Anreize zum Verzicht aufs Auto zu schaffen, gleichzeitig dessen Nutzung in der Innenstadt zu erschweren. Eine Zielsetzung, so Christiane Oßwalds Kommentar, mit dem man sich keine Freunde bei den Einzelhändlern machen werde.

Umweltgruppe will mehr Aufmerksamkeit für die Südumfahrung. Der Streckenverlauf sei in der Öffentlichkeit kaum bekannt – ebenwowenig wie die verkehrlichen Folgen.
Umweltgruppe will mehr Aufmerksamkeit für die Südumfahrung. Der Streckenverlauf sei in der Öffentlichkeit kaum bekannt – ebenwowenig wie die verkehrlichen Folgen. | Bild: Jörg Büsche

Das Gespräch suchen, das Im-Gespräch-Bleiben, auch mit dem politischen Gegner, hatte Joachim Mutschler zu Beginn des Abends gewissermaßen als Wegweisung für den neuen Vorstand eingebracht. „Unsere politischen Gegner müssen wir mitnehmen – mit ihnen im politischen Austausch bleiben.“ Erst jüngst habe die Umweltgruppe durch ihr Abstimmungsverhalten beim projektierten Minikreisel am Stadtgraben ihre Kompromissfähigkeit unter Beweis gestellt.

Geehrt für 30 und 35 Jahre Mitgliedschaft in der Umweltgruppe (von links): Bernhard Oßwald, Albin Ströbele, Christiane Oßwald, Helmut Faden, Clemens Rid und Dieter Fischer.
Geehrt für 30 und 35 Jahre Mitgliedschaft in der Umweltgruppe (von links): Bernhard Oßwald, Albin Ströbele, Christiane Oßwald, Helmut Faden, Clemens Rid und Dieter Fischer. | Bild: Jörg Büsche

Mutschler stellte aber ebenfalls die von ihm gesehenen Erfolge der Umweltgruppe bei ihrer Gemeinderatsarbeit heraus. So verbucht Mutschler es als Ergebnis kontinuierlicher Arbeit, dass der von der Umweltgruppe bevorzugte dritte Grundschulstandort nach zwischenzeitlich heftigem Gegenwind nun zur Prüfung ansteht. Ein weiteres wichtiger Etappenziel sei mit der jüngst vom Gemeinderat beschlossenen Bewerbung zum „European Energy Award“ erreicht, dem Management- und Zertifizierungssystem für kommunale Einrichtungen.

Dass das Rathaus energetische saniert wird, begrüßt die Umweltgruppe.
Dass das Rathaus energetische saniert wird, begrüßt die Umweltgruppe. | Bild: Jörg Büsche

Beim zuletzt gefassten Beschluss zur energetischen Sanierung des Rathauses – auch getroffen, um im Förderprogramm des Landes zu bleiben –, deutete Mutschler an, dass die Umweltgruppe den Umzug der Verwaltung ins Bischofsschloss lieber gesehen hätte. Vor dem Hintergrund der derzeitig angespannten Finanzlage der Stadt könne man aber gut leben mit der energetischen Sanierung. Flächennutzung und Bebauungsplan, Energie, Jugendarbeit – die habe man maßgeblich angeschoben in den vergangenen fünf Jahren, erklärte Uwe Schäfer. Grundschule – hier riet er zu Geduld. „Da haben wir total viel gelernt.“ Übereilte, hektisch gefasste Entschlüsse müssten hier zum Nachteil gereichen. Mutscher unterstrich für die Mobilität, dass die Umweltgruppe durch ihre Beharrlichkeit einen gewissen Bewusstseinswandel herbeigeführt habe. Noch vor einem Jahrzehnt Undenkbares, würde mittlerweile in Betracht gezogen. Und dass ein Stadtbussystem nun geprüft werde, gehe ebenfalls auf den Impuls der Umweltgruppe zurück.

Aufbruchstimmung in der Klimapolitik

Ob durch den Mobilitätstag oder den Familientag – es würden Themenfelder besetzt, die öffentliches Interesse fänden. Dies und die allseits zu spürende Aufbruchstimmung in der Klimapolitik seien indes keineswegs die einzigen Gründe fürs gute Abschneiden der Umweltgruppe. Sie profitiere vom „Höhenflug der Grünen“, vermutete Mutschler, der sich über den Ausgang der Kommunalwahl freute: „Acht Sitze im Gemeinderat bei der letzten Kommunalwahl – das ist ein toller Erfolg.“ Helmut Faden, seit 35 Jahren in der Umweltgruppe und Vertreter der Grünen im Kreistag, kündigte die Gründung eines Grünen-Ortsverbands an. In dem sieht Mutschler keine Konkurrenz, solange die Grünen keine eigene Liste für die nächste Kommunalwahl aufstellen.