Auch am Tag drei nach der ersten Markdorfer Klima-Demonstration mit 1300 Teilnehmern können es die Organisatoren immer noch nicht richtig fassen. „Einfach unglaublich, wie viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind“, erklärt Dietmar Mogwitz, Initiator der lokalen „Parents-for-future“-Gruppe. „Und was uns am meisten freut“, spricht er für das vielköpfige Organisatoren-Team der Klima-Demo vom vergangenen Freitag, „dass alles so friedlich abgelaufen ist, ohne Krawall, ohne irgendetwas Hässliches“.

Aufs Stichwort von der Rednertribüne hin ertönten die Markdorfer Kirchenglocken, sodass der laute Demonstrationszug mit Momenten der Besinnung und Einkehr zu Ende gegangen ist.
Aufs Stichwort von der Rednertribüne hin ertönten die Markdorfer Kirchenglocken, sodass der laute Demonstrationszug mit Momenten der Besinnung und Einkehr zu Ende gegangen ist. | Bild: Jörg Büsche

„Eine große Vielfalt“

Im Gegenteil, die gesamte Veranstaltung, so nahm es Harald Baur, ursprünglich aus dem Deggenhausertal, nun aus Friedrichshafen, wahr, „hat etwas Verbindendes gehabt“. Ein Eindruck, den auch Tibor Nagy teilt. „Da waren Leute aus dem gesamten Umland, Ältere, Eltern, Schüler, Kinder aus den Grundschulen und sogar aus den Kindergärten – wirklich eine große Vielfalt.“

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Dem evangelischen Pfarrer fiel auf, „dass die gesamte Veranstaltung etwas Freudiges hatte“: Von Anfang an, gleich nach den einleitenden Worten von Mogwitz an die Teilnehmer des Klimastreiks in Markdorf, mit der deutlichen Erinnerung, dass es die Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels dringend einzuhalten gelte, damit die Erdtemperatur nicht noch weiter ansteigt.

Viele Schülergruppen aus dem BZM

Sein lautes „We like to move it“, sein „Wir möchten etwas bewegen“, skandiert in mitreißend rhythmischem Stakkato hatte dem Zug durch Haupt- und Marktstraße sofort etwas positiv Bewegendes gegeben – verstärkt durch die Sprechchöre. Durch das „We are unstoppable – another world is possible“ (“Wir sind unaufhaltbar, eine andre Welt ist machbar!“). Oder durch das „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, am lautesten ausgerufen von den Schülergruppen, von denen die meisten aus dem Markdorfer Bildungszentrum kamen.

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Sowohl die Leitung des Gymnasiums wie auch die des Schulverbunds hatte den Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an der Klima-Demo erlaubt – sofern sie, quasi als Hausaufgabe, ihren Eltern die Beweggründe dafür erklärten und das Einverständnis mitbrächten.

Nun auch in Markdorf: Jugend, die anzeigt, wohin sie in Zukunft gehen will.
Nun auch in Markdorf: Jugend, die anzeigt, wohin sie in Zukunft gehen will. | Bild: Jörg Büsche

Vorträge kommen gut an

„Wahnsinn!“, sei ihm durch den Kopf gegangen: Nachdem Harald Baur gemeinsam mit einer Schülerin über die Folgen der Erderhitzung gesprochen hat, nachdem er sich die Vorträge von Silja Beck und Marlene Riederle über die ungebremste C02-Emmission, Norbert Becks Vorschläge zur energieverbrauchssenkenden Gebäudesanierung, Susanne Handtmanns Gedanken zu einer sinnvolleren Verkehrspolitik und all die anderen Kurz-Vorträge auf den ersten drei Demo-Stationen angehört hatte, positionierte er sich am Untertor und zählte. „Bei Tausend konnte ich‘s kaum glauben“, schildert er seine Eindrücke vom Flaschenhals, durch den sich der Demonstrationszug drängte.

Angefeuert von Sambagruppen und Sprechchor-Rufern bewegte sich der Demonstrationszug mit seinen 1300 Teilnehmern durch die Markdorf Innenstadt.
Angefeuert von Sambagruppen und Sprechchor-Rufern bewegte sich der Demonstrationszug mit seinen 1300 Teilnehmern durch die Markdorf Innenstadt. | Bild: Jörg Büsche

Mit 300 bis 500 gerechnet

„Wir hatten doch mit 300 gerechnet, wenn‘s gut läuft mit fünf- oder womöglich auch 600“, sagt er. Im Nachhinein jedoch ist Mogwitz recht sicher, „dass noch viel mehr Leute gekommen wären, wenn wir unsere Demo auf 14 Uhr gelegt hätten“. Der 11-Uhr-Termin, von den Markdorfer Organisatoren als bewusste Reminiszenz an den Streik-Charakter der „Fridays-for-Future“-Bewegung der Schüler gedacht, habe doch zahlreiche Menschen vom Mitdemonstrieren abgehalten, weil ihre Arbeitgeber sie nicht freistellen konnten oder wollten.

Kreativität und Themenvielfalt zeigten die Plakate, Schilder und Transparente.
Kreativität und Themenvielfalt zeigten die Plakate, Schilder und Transparente. | Bild: Jörg Büsche

Veranstalter: „Es geht weiter“

„Es geht weiter“, versichert Barbara Jakobs-Mogwitz. Wie, das sei noch ungewiss. Erst gelte es noch, die erste Markdorfer Klima-Demo zu verkraften, den unerwarteten Erfolg zu begreifen. Ob „in vielen kleinen Schritten“, wie es Pfarrer Nagy bei seiner Ansprache auf dem Rathaus-Vorplatz angekündigt hat, ob weiterhin so laut, wie es Mogwitz am Freitag als Parole für den Zug durch die Innenstadt ausgegeben hat – oder ob eventuell im Verbund mit anderen „Parents-for-future“-Gruppen, wie es Barbara Jakobs-Mogwitz für denkbar hält. Man wird sehen.

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Doch zu vermuten steht, dass auch die kommenden Veranstaltungen so wohlorganisiert sind wie die erste – bis hin zum Kirchengeläut aufs Stichwort von der Rednertribüne hin. Samba-Trommler Erwin Riederle spricht von hoher organisatorischer Professionalität. Auf eines aber legt Initiator Mogwitz Wert: „Wir wollen für alle sprechen, für alle handeln – und wir wollen uns hier in Markdorf nicht in Klima-Aktivisten und jene teilen lassen, die den Klimawandel leugnen.“

Carola Staerke, 51, Markdorf: „Ich trommele hier in der Sambagruppe, weil es höchste Zeit ist, endlich zu handeln.“
Carola Staerke, 51, Markdorf: „Ich trommele hier in der Sambagruppe, weil es höchste Zeit ist, endlich zu handeln.“ | Bild: Jörg Büsche
Horst Schöttke, 56, Markdorf: „Wir müssen jetzt aufs Einhalten der Klimaziele pochen, sonst ändert sich nie was.“
Horst Schöttke, 56, Markdorf: „Wir müssen jetzt aufs Einhalten der Klimaziele pochen, sonst ändert sich nie was.“ | Bild: Jörg Büsche