Viel hat sich bei der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee getan, seit Sylvia Westermann vor vier Jahren das Ruder übernommen hat. Deutlich wird dies auch an den Übernachtungszahlen. "Zwar sind die Ankünfte im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgegangen", räumt Westermann ein, betont aber, dass die Übernachtungen bei konstanter Zahl der Betriebe sowohl in Markdorf als auch in Bermatingen und Oberteuringen gestiegen sind.

Übernachtungszahlen in Deggenhausertal etwas rückläufig

Lediglich im Deggenhausertal sind die Übernachtungen etwas rückläufig. Exakt lässt sich diese Statistik jedoch nicht belegen, denn die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Betriebe ab acht Betten. "Die Einzelbettenvermieter werden nicht erfasst", sagt Westermann. Und hier sei noch Luft nach oben.

Wohin geht der Trend bei den Übernachtungen?

"Wir benötigen mehr Zimmer und Betten für nur eine Übernachtung", setzt Westermann dem Trend des Individualreisens entgegen. Weitwandern, Pilgern, Fahrradreisen seien touristische Megatrends, denen man gerecht werden müsse. "Gerade die Pilger nehmen jedes Jahr zu", sagt Westermann. Auch Senioren, die dank E-Bike-Technologie mehrtägige Radreisen antreten, brauchen auf ihrer Durchreise eine Unterkunft. "Schon Maria und Josef waren auf Herbergssuche", scherzt die Tourismusexpertin. So wünscht sie sich, dass auch im Bereich Gehrenberg-Bodensee den Gästen vermehrt solche Herbergen für nur eine Nacht offen stehen.

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Welche Rolle spielen die Gastgeber und ihre Präsentation?

Die Weichen für einen gelungenen Aufenthalt in der Region stellt in erster Linie der Gastgeber, betont Westermann. "2018 war für die Tourismusgemeinschaft ein Jahr der Veränderung." Eine neue Homepage sei entstanden, sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. spielten eine große Rolle. Man habe die Erkenntnis gewonnen: Die Gastgeber müssten sich und ihre Präsentation auf der Homepage teilweise besser reflektieren und sich auch mal nach der Außenwahrnehmung fragen. "Deutlich verbessern sollte sich bei vielen Gastgebern die Qualität der Bilder", sagt Westermann. Ein Fotografie-Seminar könnte beispielsweise zum Angebot für die Gastgeber werden.

Der Trend des Wanderns auf ausgewiesenen und zertifizierten Wanderwegen, wie hier auf dem Premiumwanderweg „GuckinsLand“ bei Markdorf, ist ungebrochen. Nun soll auch Oberteuringen einen ausgezeichneten Wanderweg bekommen.
Der Trend des Wanderns auf ausgewiesenen und zertifizierten Wanderwegen, wie hier auf dem Premiumwanderweg „GuckinsLand“ bei Markdorf, ist ungebrochen. Nun soll auch Oberteuringen einen ausgezeichneten Wanderweg bekommen. | Bild: Helga Stützenberger

Wird das Netz der Premium-Wanderwege erweitert?

Wer länger in der Region bleibt, möchte sie auch erleben und erkunden. Und wer die Region kennt, möchte immer wieder neue Ecken kennenlernen. "Mit drei Premiumwanderwegen in Markdorf, Bermatingen und dem Deggenhausertal haben wir ein sehr gutes Angebot", weiß Westermann. Nun soll auch Oberteuringen an dieses Wanderwegenetz angeschlossen werden und zur Premium-Wanderdestination aufsteigen. "Wir haben uns zwar schon auf zwei Wegeführungen geeinigt, es gibt aber noch ein paar Unwägbarkeiten."

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Jagdpächter, Förster und Landwirte habe man noch nicht vollends von diesem Projekt überzeugen können. Oberteuringens Bürgermeister Ralf Meßmer sagt, es gelte alle an einen runden Tisch zu bringen und bald zu einer guten und nachhaltigen Lösung zu kommen, für Tourismus und Anrainer gleichermaßen.

Aus Äpfeln soll im Herbst in Deggenhausertal ein Herz mit rekordverdächtigen Maßen gelegt werden. Die Aktion soll Höhepunkt beim Apfeltag sein.
Aus Äpfeln soll im Herbst in Deggenhausertal ein Herz mit rekordverdächtigen Maßen gelegt werden. Die Aktion soll Höhepunkt beim Apfeltag sein. | Bild: Helga Stützenberger

Wie lassen sich die eigenen Ressourcen nutzen? 

Die Region Gehrenberg-Bodensee wartet nicht nur mit einer attraktiven Landschaft auf, sondern hat auch Obst in Hülle und Fülle zu bieten. Seit drei Jahren ist der im Herbst stattfindende Mottotag des Apfels etabliert. Nach einer kulinarischen Apfelnacht und einer Apfelolympiade in Markdorf soll in diesem Herbst in Deggenhausertal das größte Apfelherz am Bodensee entstehen. "Ehrlich gesagt gab es so etwas noch gar nie", sagt Sylvia Westermann. Der Deggenhausertaler Bürgermeister Fabian Meschenmoser freilich denkt groß und ist sich sicher: "Es wird das größte Apfelherz der Welt werden." Jetzt soll die Fläche in Wittenhofen zwischen Schule, Rathaus und Mosterei Kopp vermessen werden, um sich einen Überblick über die Dimensionen des Apfelherzens zu verschaffen.

Was zeigt sich beim Blick in die Nachbarschaft?

Sylvia Westermann ist immer auf der Suche nach guten Ideen. Damit diese Ideen auf fruchtbaren Boden treffen, bietet sie Studienfahrten für die Mitglieder der Tourismusgemeinschaft an, beispielsweise zu Center Parcs Allgäu oder ins bayerische Adensberg mit seinem Hundertwasser-Turm-Projekt. "Da profitieren eine kleine Gemeinde und die ganze Region unglaublich von dieser Attraktion", betont Westermann. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, Ideen ohne Ausschlusskriterien zu sammeln, sie auf ihre Machbarkeit und Akzeptanz hin zu verifizieren, zwischen Kosten und Nutzen abzuwägen, den wirtschaftlichen Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren und die Vereinbarkeit von Mensch, Natur und Tourismus abzuwägen.

Die Tourismusgemeinschaft

  • Die Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee ist ein Verein und bündelt die Interessen der Gemeinden Markdorf, Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen. Sie hat in Markdorf in der Marktstraße eine Geschäftsstelle und unterstützt die Außenstellen der Partnergemeinden. Ebenso kümmert sie sich um die Zimmervermittlung und hält Kontakt zu den Gastgebern. Eine weitere Aufgabe der Tourismusgemeinschaft ist es, touristische Infrastruktur zu schaffen und durch Veranstaltungen, Broschüren und mediale Auftritte die touristische Weiterentwicklung in der Ferienregion weiter voran zu bringen.
  • Finanziert wird die Tourismusgemeinschaft durch den Gemeindeverwaltungsverband, aber auch durch eigene Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen, Anzeigen und der Bereitstellung von Plattformen für Gastgeber.
  • Geschäftsführerin ist Sylvia Westermann, Vorsitzender Wolfgang Metzler, Stellvertreter Rudi Ehinger, Schriftführer Hans-Peter Kleemann und Kassiererin Susanne Markhart.