Wer wisse, wo er wohnt, der wisse auch, warum Torsten Schneider Ende des Monats aufhört. Der Leiter des Markdorfer Baurechtsamts und damit auch Leiter der unteren Denkmalbehörde geht dann in den Ruhestand. Auf seinem Handy zeigt er ein Bild mit dem Blick aus dem Fenster. Aufgenommen bei ihm daheim in Betenbrunn. Viel schöner kann man im Hinterland des Bodensees nun wirklich nicht mehr wohnen. Das Auge trifft auf sanfte Hügel. Eine Umgebung, so recht geschaffen, den Umtrieb in einer Baurechtsbehörde mit ihren zahlreichen, teils sehr speziellen Anforderungen und Regularien wieder zu vergessen.

Schneider sah sich nie als Verhinderer des Bauens

Torsten Scheiders erklärtes Ziel war es, „den Leuten das Bauen möglichst leicht zu machen“. Als studierter Architekt freue er sich, wenn neue Gebäude entstehen. Er habe sich ganz gewiss nie als Verhinderer gesehen. „Ein Architekt will ja bauen“, erklärt Schneider, „der ist nicht in erster Linie auf der Suche nach Fehlern, damit er etwas ausbremsen kann.“ Hinzu komme sein besonderes Amtsverständnis.

Arbeit als Service für Bürger und Gemeinschaft

Der scheidende Baurechtsamtsleiter sah seine Arbeit stets als Service, als Dienstleistung für den Bürger. Für den einzelnen Bauherren ebenso wie für die Gemeinschaft der Bürger, deren Interessen das Baurecht ja ebenfalls schützen möchte.

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Rund 250 Bauanträge pro Jahr in Arbeit

Rund 250 Bauanträge bearbeiten er und seine Mitarbeiter jedes Jahr. „Nehmen Sie das jetzt mal mit 20“, zwei Jahrzehnte lang leite er jetzt die Geschäfte des Baurechtsamts, das für den gesamten Gemeindeverwaltungsverband, also außer für Markdorf auch für Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen zuständig ist, mit seinen 139 Quadratkilometern und seinen rund 27 000 Einwohnern.

Vorgaben auf städtebaulicher Seite wenig greifbar

Zu den Pflichtaufgaben seiner Behörde gehört das Prüfen, ob die technischen Vorgaben der Baugesetze eingehalten sind. Ob der Brandschutz beachtet, ob die Abstandsflächen eingehalten sind, ob die Statik stimmt und das Vorhaben dem städtebaulichen Gesamtkonzept der Gemeinde entspricht. Und so klar der Gesetzgeber die Vorgaben auch formuliert: auf der städtebaulichen Seite schaue es wenig greifbar aus. Es existiere zwar ein Paragraf 11, der Verunstaltungsparagraf, der ein neues Gebäude im Einklang mit seiner Umgebung gestellt sehen will. Aber das sei stark auslegungsabhängig. So habe er ihn während seiner 25 Jahre in Baurechtsbehörden erst ein einziges Mal angewendet, sagt Torsten Schneider.

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Arbeit am Flächennutzungsplan „macht richtig Spaß“

Eine andere wichtige Aufgabe des Baurechtsamtsleiters ist die Arbeit am Flächennutzungsplan. Hier berühren sich die Raumordnung durchs Regierungspräsidium mit den Zielen der Landesentwicklung. „Die Frage ist, wo gibt es Möglichkeiten, die Stadt, die Gemeinde weiterzuentwickeln?“ Dies müsse in Einklang mit dem Naturschutz gebracht werden, aber auch so diffizile Dinge wie die vorhandenen Kaltluftströme berücksichtigen. „Das ist eine Arbeit, die richtig Spaß macht“, sagt Schneider, der sich hier in der Rolle des Mittlers zwischen Gemeinden, Stadt und Regionalverband sieht.

Flächennutzungsplan immer komplexer

Dass das Verfahren, auch dass der Flächennutzungsplan selbst immer komplexer geworden ist, trübt Schneiders Freude etwas. „Reichten 2003 noch zehn Seiten für eine Änderung des Flächennutzungplans, sind daraus heute schon rund 60 geworden.“ Als sehr spannend empfindet Schneider aber auch sein Tun im Gutachterausschuss, zu dessen Aufgaben es gehört, die Bodenrichtwerte zu ermitteln. Alle zwei Jahre gilt es einen Grundstücksmarktbericht vorzulegen, der die Immobilienentwicklung abbildet und somit den Immobilienmarkt stark beeinflusst.

Mit 54 Jahren noch ein Zusatzstudium

Mit 54 Jahren hat er noch ein Zusatzstudium absolviert. Im Anschluss durfte er Grundstücke als diplomierter Sachverständiger bewerten. Das war dann sein drittes Studium – nach dem der Architektur und dem der Denkmalpflege. Als Leiter der in Markdorf beim Baurechtsamt angesiedelten Unteren Denkmalschutzbehörde zielte er auf einen ähnlichen Pragmatismus wie bei der Vergabe von Baugenehmigungen. Hier habe er ebenfalls die Interessen der Bauherren mit in den Blick genommen.

Die auf diesem Bild noch unsanierte Mittlere Kaplanei war auch für die Untere Denkmalschutzbehörde eine große Herausforderung.
Die auf diesem Bild noch unsanierte Mittlere Kaplanei war auch für die Untere Denkmalschutzbehörde eine große Herausforderung. | Bild: Jörg Büsche

Denkmalschutz geht manchmal über Eigentümer hinweg

Manchmal sei das keine leichte Aufgabe, wenn übergeordnete Stellen über die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude hinwegsehen. „Denkmalschutz hängt immer mit Menschen zusammen“, schildert Schneider seine Erfahrung am Ende seiner Laufbahn. Sein Anliegen sei da stets das Zusammenbringen und der Ausgleich gewesen.

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Ausgleich gelingt am Ende oft besser als erwartet

Das gelinge unterschiedlich gut, aber am Ende oft besser, als anfangs erwartet, sagt der Denkmalpfleger mit Blick auf die Mittlere Kaplanei, bei deren Umbau es manche Schieflagen gegeben hat. Die aber seien beinahe vergessen – wie manch anderer Reibungspunkt auch. Spätestens daheim, wenn Schneider seinen Ausblick aufs Bodensee-Hinterland genießt. Und das kann er vom Monatsende an öfter, denn dann wird er pensioniert.