Total vernetzt – und alles klar!? Diese Frage war auch der Titel des Stücks, den das Improvisationstheater Q-Rage aus Ludwigsburg vor Klassenstufen im Bildungszentrum Markdorf aufführte. Und die Frage wurde am Ende der Vorstellung eindeutig mit Ja beantwortet.

Doch zuvor hatte es noch einige Zweifel gegeben, was richtig oder falsch ist, wenn man im Netz Fotos und Kommentare postet, sich Dateien herunterlädt oder viel von sich preisgibt – ohne groß darüber nachzudenken.

Dies wollen die Gründer der Freien Theatergruppe, Sandra Hehrlein und Jörg Pollinger, ändern. Auf im doppelten Sinn spielerische Weise setzen sie sich mit Themen auseinander, die jeden Schüler betreffen, und vermittelten sie ernsthaft, aber auf unverkrampfte Weise. So ging es um den Umgang mit modernen Medien wie WhatsApp, Videos, Chat sowie Bilder und Sicherheit im Internet.

Theater als "Schein" und Polizist als "Sein"

Dazu banden sie Kriminalhauptkommissar Peter Köstlinger vom Polizeipräsidium Konstanz ein, zuständig für Verhaltensprävention. Er spielte mit, schlüpfte in die Rolle des aufklärenden Polizisten und zeigte die rechtlichen Aspekte und Konsequenzen bei einem Fehlverhalten auf. Eine wirkungsvolle Symbiose aus Theater als Schein und dem Polizisten als Sein, der dem Gespielten – auch mit Erscheinen in Uniform – den „Tatsachenstempel“ aufdrückte und damit nochmals Nachdruck verlieh.

Dass es viele Fallen im Gebrauch moderner Medien gibt, die alle Anwesenden regelmäßig und mindestens eine Stunde täglich nutzen, wie die schnelle Umfrage ergab, machten die drei Akteure deutlich. Als Geschwister Henrik und Lisa und gleichzeitig in der Rolle von Moderatoren stellten sie überzeugend und mit Witz, der Aufmerksamkeit band, grenzwertige Situationen dar: Henrik fotografierte seine Schwester und leitet das Bild ungefragt weiter, ein Foto, unter der Toilettentür hindurch aufgenommen, macht die Runde, ebenso wie ein Gewaltvideo, das einen Verletzten jämmerlich und blutend am Boden liegend zeigt, wie die Bilder und Kurzvideos auf der Leinwand verdeutlichen.

Köstlinger: "Pornos und Gewaltvideos gehen gar nicht!"

„Absolute No Gos“, erklärte Peter Köstlinger: „Ihr müsst tatsächlich jeden fragen, ob ihr jemanden aufnehmen UND ob ihr das Foto weiterleiterleiten dürft. Pornos und Gewaltvideos gehen gar nicht! Auch das bloße Zeigen von Gewaltszenen ist strafbar." Das Handy werde beschlagnahmt und verkauft. Er empfahl: "Wenn ihr so etwas zugeschickt bekommt, löscht das sofort.“

Bei der Frage, wer schon mal gelästert habe, schnellten fast alle Hände hoch. Kein Problem – so lange es nicht in Chats geschehe. Hier setzte der auch dargestellte Perspektivenwechsel an mit der Absicht, sich in den Verspotteten hineinzufühlen und selbst Betroffener zu sein. Schon mancher Hohn und Spott habe zu einem Selbstmord geführt. „Beleidigung ist eine Straftat“, betonte Köstlinger, der auch vor der vermeintlichen Anonymität im Netz warnte: „Ihr seid überall registriert. Täter im Internet sind dumm – weil man sie nachverfolgen kann.“

Er warnte auch davor, allzu viel Privates von sich preiszugeben, Kettenbriefe weiterzuleiten, freizügige Fotos von sich ins Netz zu stellen. Auch empfahl er, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) zu lesen, bevor man unerwartet zur Kasse gebeten, und sowie Regeln zu beachten, bevor man sich Musik herunterlädt. Auch Versendetes und vermeintlich gleich Gelöschtes wie bei Snapchat könne man wiederherstellen.

 

Das Theater

Das Theater Q-Rage aus Ludwigsburg von Sandra Hehrlein und Jörg Pollinger nennt sich couragiertes Theater und packt brisante Themen für Jugendliche in Präventionsstücke, die vor allem in Schulen aufgeführt werden. Es wird vom Landeskriminalamt unterstützt. Kontakt: Telefon 0 170/1 58 75 49, Homepage www.q-rage.de