Vor jeder Vorstellung gibt es ein Ritual. Mit Aufwärmübungen und einem Schlachtruf schwört sich die Theatergruppe „kreuz & quer“ auf ihre Auftritte ein. Und das nun schon seit zehn Jahren. Ein Ziel der Gründungsmitglieder sei gewesen, eine Theatergruppe in Markdorf zu etablieren. „Das haben wir geschafft“, sagt Regisseur Harald Eilers, der von einer „rührigen Truppe“ spricht, die besonders durch die „Historischen Stadtrundgänge“ zu einer Institution geworden ist.

Stadtszenen 2019.
Stadtszenen 2019. | Bild: Tatjana, Strohmaier

Birgit Zimmermann erinnert sich noch gut daran, wie Erika Ziegler bei ihr anrief und ihr erzählte, dass sie eine permanente Schauspielgruppe in Markdorf installieren wolle. Zimmermann, die schon seit ihrer Kindheit Theater spielt, sagte sofort zu und gehört auch heute noch zum Ensemble.

Zwei Gründungsmitglieder sind 2019 verstorben

Der Tod von Erika Ziegler in diesem Jahr kam für alle sehr plötzlich, die Gruppe musste sich neu aufstellen, denn Ziegler stand zwar nicht auf der Bühne, aber sie hat sich um alles Organisatorische gekümmert. Mit Ela Fischer verstarb dann im September ein weiteres Gründungsmitglied. „Sie hat noch bei drei der diesjährigen Stadtrundgänge mitgespielt“, erinnert sich Birgit Zimmermann.

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Schauspieler gesucht

Nach der Zeit des Innehaltens und Gedenken blickt die Gruppe nun wieder nach vorne. Nachdem „kreuz & quer“ ein Teil der Musikschule war, ist man nun laut Harald Eilers „erwachsen“ geworden und möchte einen eigenen, selbstständigen Verein gründen. Auch ist für 2020 wieder ein Bühnenstück in der Stadthalle geplant, hier ist man bereits auf der Suche nach einem passenden Werk.

Das steckt hinter der Theatergruppe

Auf der Suche ist das Ensemble auch nach Schauspielern und Personen, die Aufgaben hinter der Bühne übernehmen können, vor allem Männer sind Mangelware. „Es ist unser größter Wunsch neue Spielerinnen und Spieler zu finden“, so Eilers. Wer bei der Produktion für das kommende Frühjahr mitspielen möchte, sollte donnerstags Zeit zum Proben haben. Neben dem festen Ensemble gibt es noch eine Sketch-Gruppe, die kurzfristig für Auftritte zur Verfügung steht.

Proben donnerstags in der Alten Kaplanei

Die Proben finden mittlerweile in der Alten Kaplanei statt, die Räume wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt. „Das war und ist nicht immer einfach, geeignete Räume zu haben“, so Eilers, der weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit hofft. Sie

Die Theatergruppe zeichnet aus, dass man in den großen Bühnenstücken, die jeweils im April in der Stadthalle aufführt, gesellschaftliche Themen aufgreift – Geschichten, die tiefer gehen, die zum Nachdenken anregen und nicht nur für Lacher im Publikum sorgen. „Da sind die Spieler in den vergangenen Jahren auch gewachsen“, so Eilers.

2017: „Phantom“
2017: „Phantom“ | Bild: Tatjana, Strohmaier

Tatjana Strohmaier spielt seit zehn Jahren mit. „Es macht einfach Spaß, in eine Rolle zu schlüpfen, viel Fantasie einzubringen und kreativ zu sein“, sagt Strohmaier, die gerne schnellere Stücke spielt. Sie beschreibt die vergangenen zehn Jahre als „bunt“. „Wir haben einfach viele verschiedene Sachen gemacht.“

2013: „Findet mich das Glück?“
2013: „Findet mich das Glück?“ | Bild: Tatjana, Strohmaier

Dem kann auch Birgit Zimmermann, deren große Leidenschaft das Theaterspielen ist, nur zustimmen. Das reicht von dem jährlichen Bühnenstück, Dinnerkrimis, Sketchen, Weihnachtsstück, Aufführungen beim Stadtfest, Seniorentheater bis zu den historischen Stadtszenen. Besonders das Stück „Wege mir dir“, das Demenz thematisiert, sei allen sehr nahe gegangen.

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Ein Bühnenstück in der Stadthalle gab es 2019 nicht, dafür wurden die Stadtszenen neu inszeniert. Die Rundgänge durch die Innenstadt kamen beim Publikum sehr gut an. „Uns ist wichtig, ein Theater für alle zu sein“, sagt Harald Eilers. Mut und Spielfreude bei Proben und öffentlichen Auftritten sei weiterhin das große Ziel.

Lampenfieber vor dem Auftritt

Dafür müssen die Schauspieler auch weiterhin für die Stücke brennen, proben und Texte lernen. Da hat jeder seine ganz eigene Methode. Verena Männer, die 2017 zum Ensemble stieß, verrät: „Ich spreche den Text auf Band und höre ihn dann immer wieder ab.“ Dennoch passiert es immer mal wieder, dass auf der Bühne Texthänger passieren. „Da muss man einfach improvisieren und ruhig bleiben“, sagt Tatjana Strohmaier.

2015: „Verzauberter April“
2015: „Verzauberter April“ | Bild: Tatjana, Strohmaier

Auch das Lampenfieber vor dem Auftritt sei immer noch ein Thema, besonders Harald Eilers ist aufgeregt. „Ich fiebere aus der ersten Reihe mit und hoffe, dass alles gut geht“. Da das Ensemble relativ klein ist, sind die Schauspieler bei den Auftritten auch für das Bühnenbild mitverantwortlich. „Wir haben leider niemanden, der uns dann die Möbel auf die richtige Stelle schiebt“, erklärt Harald Eilers. Auch dann ist Improvisation gefragt. Das hat zehn Jahre gut funktioniert und es soll es noch viele weitere Jahre.